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Endo-Klinik fühlt sich für innovative, kostensparende Arbeit bestraft

Da die Hamburger Endo-Klinik das bundesweit einzige Haus für eine spezielle Technik bei periprothetischen Gelenkinfektionen ist, fordert sie mehr Geld.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Die Endo-Klinik fordert einen DRG-Zuschlag für bestimmte Op.

Die Endo-Klinik fordert einen DRG-Zuschlag für bestimmte Op.

© Damp

HAMBURG. Bei periprothetischen Gelenkinfektionen sind einzeitige Wechsel noch immer die Ausnahme - trotz guter Erfahrungen und niedriger Kosten für die Kassen. Die Hamburger Endo-Klinik drängt nun auf einen Zentrumszuschlag.

Rund 450 Patienten lassen sich jedes Jahr wegen infizierter Kunstgelenke an Knie oder Hüfte in der Endo-Klinik behandeln. Das Haus setzt dabei auf den einzeitigen Wechsel, das heißt, es entfernt das infizierte Gelenk und implantiert das neue unter Zugabe antibiotikahaltigen Knochenzements in einem Eingriff ohne Zwischenintervall.

 Bei zwei- oder mehrzeitigen Wechseln dagegen wird im ersten Eingriff lediglich explantiert und nach einer sechs- bis zwölfwöchigen Antibiotikabehandlung in einer zweiten Operation das neue künstliche Gelenk eingesetzt. In der Zwischenzeit muss der Patient ohne Gelenk leben und ist massiv eingeschränkt.

Beim einzeitigen Wechsel beträgt die Verweildauer in der Endo-Klinik 18 bis 19 Tage. Das Haus kann dafür nur eine DRG abrechnen - im Durchschnitt lagen die Pauschalen dafür im vergangenen Jahr bei rund 12.000 Euro. Kliniken, die zweizeitige Wechsel vornehmen, können dagegen auch zwei DRG abrechnen - denn der Patient wird dabei zwischenzeitlich entlassen.

Die Erlöse für Explantation und Reimplantation liegen bei der Hüfte je nach Schweregrad zwischen 17.000 und 24.700 Euro, beim Knie zwischen 20.000 und 23.500 Euro - also deutlich über dem, was eine Klinik für einen einzeitigen Wechsel abrechnen kann.

Die Endo-Klinik bemüht sich bislang ohne Erfolg für eine bessere Vergütung des einzeitigen Wechsels. Ein Problem dabei ist die geringe Fallzahl, da die meisten Kliniken auf den mehrzeitigen Wechsel setzen - und wegen der höheren Vergütung auch keinen Anreiz bekommen, dies zu ändern.

Ein weiteres Problem ist der noch ausstehende wissenschaftliche Nachweis, obwohl das Verfahren schon in den 1970er Jahren vom Gründer der Endo-Klinik entwickelt wurde und seitdem mehr als 10.000 Patienten danach behandelt wurden.

Nach Angaben des Ärztlichen Direktors Professor Thorsten Gehrke ist die Komplikationsrate beim einzeitigen Wechsel niedriger als beim zweizeitigen Verfahren. Nun will die Klinik Studien zum Thema erarbeiten. Zugleich dringen die Hamburger in den Verhandlungen mit den Kassen auf einen Zuschlag, da kein zweites Haus eine vergleichbare Fallzahl aufweist.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 28.02.201118:52 Uhr

Die Rechnung ohne den Wirt machen?

Die DRG''s (diagnosis related groups) haben einen allseits bekannten Pferdefuß: Durch geschicktes Kombinieren von Komplikationen und Kompliziertheiten bzw. Entflechtung von verschiedenen Eingriffen durch mehrzeitige Verfahren können die Kliniken ein Mehrfaches gegenüber den Gesetzlichen Krankenkassen abrechnen und erwirtschaften. Dafür werden in den Krankenhäusern Extra-Planstellen mit Spezialisten besetzt, während im niedergelassenen Vertragsarztbereich unsere KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) noch nicht mal bundesweit verbindliche, einheitliche Regelleistungsvolumina (RLV) für a l l e Fachrichtungen u n d Hausärzte hinbekommt.

Wer dann, wie die selbst bei meinen Patienten hoch referenzierte Hamburger ENDO-Klinik, auch nur den Ansatz einer "pay for performance" betreibt und nach tatsächlich erbrachter G e s a m t l e i s t u n g vergütet werden möchte, erlebt ein betriebswirtschaftliches Desaster. In der GKV ist ein ganz entscheidendes Problem, dass jeder Einzelbereich mit möglichst niedrigen Kostenrechnungen aufwarten will, aber die Rechnung o h n e Hinblick auf die Gesamtaufwendungen für jeden einzelnen medizinischen Problemfall gemacht wird. "Case Controlling" würde die patientenbezogenen Gesamtkosten für die Lösung eines Krankheitsfalls berücksichtigen.

Es ist wie im wirklichen Leben: Die ständige Jagd nach Billigheimern, Sonderangeboten und reduzierten Schnäppchen ist in der Masse teurer als ein solider und wohlüberlegter Qualitätseinkauf mit Langlebigkeit, Intelligenz, Beständigkeit, Augenmaß, Vernunft und Ressourcenschonung.

Freundliche, kollegiale Grüße, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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