Börse

Engagement mit Sicherheitspuffer

Über Diskontzertifikate können Anleger mit Preisabschlägen von bis zu 20 Prozent in Aktien und Indices investieren – allerdings ist das Gewinnpotenzial begrenzt, wenn deren Kurse steil ansteigen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 11.03.2019, 10:41 Uhr
Engagement mit Sicherheitspuffer

Diskontzertifikate können Anleger teils vor Verlusten schützen. Trotzdem können die Inhaber auch mal im Regen stehen.

© Scanrail - Fotolia

NEU-ISENBURG. Es ist eine deutsche Erfindung, die die Anlagewelt revolutioniert hat: Seit 24 Jahren können Anleger über Diskontzertifikate mit verringertem Risiko in Aktien investieren und Renditen erzielen.

Für „vorsichtige Anleger“ seien diese Papiere eine „attraktive Alternative“, sagt Uwe Wiesner, Portfoliomanager bei der Berliner Vermögensverwaltung Hansen & Heinrich.

Dieser Ansicht ist auch Michael Thaler, Vorstand der Münchner Anlageberatungsgesellschaft Top Vermögen. „Fallen die Notierungen an den Börsen, bleiben Anleger mit Diskontzertifikaten von den ersten zehn bis 20 Prozent Kursverlust verschont.“

Diskontzertifikate sind eine Erfindung von Thomas Zwirner. 1995 hat der damalige Anlagestratege der Düsseldorfer Geschäftsbank HSBC Trinkaus & Burkhardt mit diesen Papieren eine Investmentstrategie von Pensionskassen und Versicherungen kopiert.

Die Idee dahinter: „Mit einem Diskontzertifikat investiert ein Anleger in eine Aktie oder einen Index mit einem Abschlag – dem Diskont – auf den aktuellen Preis“, erläutert Wiesner.

Alles hängt vom Basiswert ab

Wie hoch der Diskont ausfällt, hängt dabei von der Laufzeit des Zertifikats und der Kursschwankung des Basiswerts in den vergangenen Monaten oder Jahren ab. „Im Gegenzug für den Preisabschlag sind die Gewinne, die Anleger erzielen können, anders als bei einem direkten Investment in den Basiswert, jedoch begrenzt“, sagt Wiesner.

In jedem Fall erhalten die Anleger während der Laufzeit des Diskontzertifikats die Dividenden der Einzelaktie oder aller Werte im Index als Rendite.

Steigt der Wert der zugrunde liegenden Aktie oder des Index bis zum festgelegten Zeitpunkt über eine bestimmte Notierung heraus, erhalten die Zeichner des Zertifikats einen zuvor vereinbarten Geldbetrag. Liegt der Kurs des Basiswertes bei Fälligkeit des Zertifikats hingegen unter dem zuvor bestimmten unteren Schwellenwert, erhalten die Anleger den dann aktuellen Wert der Aktie oder des Index ausgezahlt. Sie erleiden somit einen Verlust.

Das Verlustrisiko wird jedoch von vornherein abgepuffert. „Der untere Schwellenwert liegt meist zehn bis 20 Prozent unter der Notierung des Basiswerts zum Zeitpunkt der Emission des Diskontzertifikats“, erläutert Thaler.

Dabei entspricht der Abstand vom unteren Schwellenwert zum aktuellen Preis auch dem Preisabschlag beim Zertifikat. Durch diesen Puffer sind die Anleger vor Kursverlusten bis zu diesem unteren Grenzwert geschützt.

„Deshalb schwanken die Notierungen von Diskontzertifikaten deutlich weniger als der Kurs des Basiswerts selbst“, sagt Thaler. Meist betrage das Verhältnis Drei zu Eins. „Fällt die Aktie um drei Prozent, verliert das Diskontzertifikat nur ein Prozent.“

Der Preis für diese Sicherheit: Steigt der Kurs des zugrunde liegenden Basiswerts stark, partizipieren Anleger davon nur bis zum oberen Schwellenwert. Dieser liegt in der Regel fünf bis zehn Prozent über dem aktuellen Aktienkurs bei der Ausgabe des Zertifikats.

„Mehr als diese fünf bis zehn Prozent können Anleger mit einem solchen Papier nicht verdienen“, sagt Thaler. Sollte sich der Aktienkurs also während der Laufzeit des Zertifikats verdoppeln, haben dessen Zeichner in diesem Fall das Nachsehen.

Die Dividende gibt es immer

Ein Beispiel macht das Prinzip deutlich. Eine Aktie mit einer Dividende von zwei Euro kostet aktuell 100 Euro, das Diskontzertifikat auf diesen Wert 80 Euro, der obere Schwellenwert liegt bei 105. Notiert die Aktie am Tag der Fälligkeit des Zertifikats bei 110 Euro, erhält der Anleger nur 107 Euro ausgezahlt – 105 Euro, weil das Papier den oberen Schwellenwert von 105 Euro erreicht hat, sowie zwei Euro Dividende.

Notiert die Aktie bei Fälligkeit hingegen bei 77 Euro, erhält der Anleger 79 Euro ausgezahlt: 77 Euro, weil der Aktienkurs bis auf diesen Wert gefallen ist, sowie die zwei Euro Dividende.

„Aufgrund ihrer Konstruktion eignen sich Diskontzertifikate vor allem für Börsenphasen, an denen die Kurse weitgehend stagnieren oder nur leicht steigen oder fallen“, erläutert Wiesner.

Geht es an den Märkten steil nach oben, seien hingegen Direktinvestments in Aktien oder Indices, etwa über börsennotierte Indexfonds, die bessere Wahl.

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