Uniklinik

Europaweit erster 5G-Medizincampus in Düsseldorf

Auch niedergelassene Ärzte werden in das 5G-Prestigeprojekt „Giga for Health“ an der Uniklinik Düsseldorf einbezogen.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 01.07.2020, 16:45 Uhr
Europaweit erster 5G-Medizincampus in Düsseldorf

Alle Vitalwerte und sonstige Informationen zum Patienten in Echtzeit? Dies und noch viel mehr soll die 5G-Technik am Uniklinikum Düsseldorf ermöglichen.

© metamorworks / Getty Images / iStock

Düsseldorf. An der Universitätsklinik Düsseldorf ist der Startschuss für ein wegweisendes Projekt zur Digitalisierung der Versorgung gefallen. Für die Klinik wird nach und nach ein eigenes Netz mit dem Mobilfunk-Standard 5G aufgebaut, um die schnellstmögliche Datenübertragung in Versorgung, Forschung und Lehre zu ermöglichen.

Der europaweit erste 5G-Medizincampus wird mit Mitteln des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums gefördert. Auch niedergelassene Ärzte werden in das Projekt einbezogen.

„Giga for Health“ ist eines von 13 Projekten, die beim Innovationswettbewerb „5G.NRW“ von einem unabhängigen Gutachtergremium zur Förderung vorgeschlagen wurden. Von den Gesamtmitteln von rund 26 Millionen Euro soll ein großer Teil an „Giga for Health“ fließen. Es ist das größte Einzelprojekt, die genaue Summe steht aber noch nicht fest.

Zeitplan noch unklar

Wann die komplette Uniklinik an das 5G-Netz angeschlossen sein wird, steht noch nicht fest. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, betont ein Sprecher. Technischer Partner für die Vernetzung ist das Unternehmen Vodafone.

Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass schnelle und digitale Technik Leben retten kann, sagt Professor Frank Schneider, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Düsseldorf.

„Der sichere Austausch von Daten mit hoher Geschwindigkeit ist wichtig, um in Echtzeit und verlässlich den Zustand von Patienten beurteilen zu können“, erläutert Schneider.

Vitalwerte in Notaufnahme in Echtzeit

Er nennt künftige Anwendungsbeispiele: Patienten wird in der Notaufnahme und auf den Stationen ein Technik-Pflaster auf die Haut geklebt, das Vitalwerte selbstständig und in Echtzeit über das 5G-Netz an eine zentrale Patientenüberwachungseinheit sendet.

In der Tumorchirurgie macht 5G es möglich, hochkomplexe 3D-Strukturen des Gehirns virtuell in den OP zu projizieren, damit sich die Operateure besser orientieren können. Bei dieser „Mixed Reality“-Anwendung kooperiert die Uniklinik mit dem Medizintechnik-Unternehmen Brainlab.

Solche 3D-Systeme können auch in Hörsälen zur Unterstützung der Lehre eingesetzt werden. Generell sollen die innovativen medizinischen 5G-Anwendungen nicht nur in der Patientenversorgung zum Einsatz kommen, sondern auch in Forschung und Lehre.

Niedergelassene bei Tele-Neurologie dabei

Auch niedergelassene Ärzte werden an das schnelle Datennetz angebunden. Ein Einsatzbereich ist dabei die Tele-Neurologie. Aus den Praxen der Neurologen können CT- oder MRT-Aufnahmen direkt an die Ärzte in der Klinik geschickt werden. Das ermöglicht eine zeitnahe Entscheidung über die weitere Versorgung der Patienten.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein ist einer der Projektpartner von „Giga for Health“. Weitere Partner sind das Institut für Systemforschung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie der Bergischen Universität Wuppertal, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Fachhochschule Dortmund, die RWTH Aachen und das Unternehmen Royal Philipps.

Der große Teilnehmerkreis zeigt die angestrebte Dimension des Projekts. Der 5G-Medizincampus soll Strahlkraft über Düsseldorf hinaus erhalten. Die Initiatoren erhoffen sich langfristig Impulse für die Digitalisierung der anderen Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen. „Wir sind der Pilot“, sagt der Sprecher der Klinik.

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