Fritz Oesterle verlässt Celesio im Streit

Einer der profiliertesten Manager aus dem Pharmagroßhandel geht. Fritz Oesterle hat viel bewegt in der Gesundheitsbranche.

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Fritz Oesterle stand 12 Jahre lang an der Spitze des Pharmagroßhändlers Celesio.

Fritz Oesterle stand 12 Jahre lang an der Spitze des Pharmagroßhändlers Celesio.

© dpa

STUTTGART (dpa/ger). Der Vorstandschef von Europas führendem Pharmagroßhändler, Fritz Oesterle, nimmt überraschend seinen Hut. Hintergrund für den Ausstieg soll ein Streit mit Hauptaktionär Haniel über die Zukunft der Stuttgarter gewesen sein, erfuhr dpa aus Branchenkreisen.

Eine offizielle Begründung für den Abgang des Managers gab es zunächst nicht. Der 59-Jährige wird Celesio Ende Juni verlassen. Ein Nachfolger für Oesterle an der Spitze des Pharmahändlers wurde noch nicht präsentiert.

Spekulationen über einen Verkauf des Celesio-Aktienpaketes hatten bereits seit Monaten die Runde gemacht. Der Duisburger Familienkonzern Haniel ist hoch verschuldet. Zuletzt gab es Berichte, der zweitgrößte chinesische Pharmakonzern Shanghai Pharmaceutical stehe kurz davor, Celesio-Anteile von seinem Mehrheitsaktionär zu erwerben.

Das Szenario wurde zwar offiziell weder in Duisburg noch in Stuttgart kommentiert. Mitglieder der Haniel-Familie bestätigten aber die Gespräche.

Der Abgang von Oesterle kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für das Unternehmen.

Am nächsten Mittwoch ist der Termin für die Bilanzpressekonferenz des Pharmagroßhändlers, bei der der Vorstandsvorsitzende die Ziele für die nächsten Monate präsentieren wollte. Der Manager steht seit mehr als zwölf Jahren an der Spitze der im MDax notierten Gesellschaft. Sein Vertrag wäre noch bis Ende 2013 gelaufen.

Unter Oesterles Führung expandierte der Pharmagroßhändler - in Deutschland unter dem Namen Gehe - zu einer Apothekenkette in Europa. Mit dem Kauf der niederländischen Versandapotheke DocMorris machte sich Oesterle bei seinen Kunden nicht gerade beliebt.

 Das Aufziehen einer Apothekenkette unter dem Namen DocMorris war in Deutschland vor Gericht aber nicht durchsetzbar. In Deutschland wird die Marke DocMorris jetzt über selbstständige Apotheker, die als Franchisenehmer auftreten, verbreitet.

Zuletzt machte Celesio Schlagzeilen mit der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem US-Unternehmen Medco. Die Unternehmen wollen Compliance-Services für chronisch Kranke entwickeln.

Wirtschaftlich stehen die Schwaben auf gesunden Füßen. Nach vorläufigen Berechnungen wurden im Jahr 2010 die Erlöse von 21,5 Milliarden auf rund 23 Milliarden Euro gesteigert. Beim operativen Ergebnis will der Pharmahändler etwa 690 Millionen Euro präsentieren.

 Im Vorjahr hatten die Stuttgarter knapp 628 Millionen Euro erzielt. Diese Werte hatte Oesterle noch wenige Tage vor seinem angekündigten Abgang verkündet.

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