Statistik

Gesundheit und Pflege bleiben Frauendomäne

Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes werden Männer auch in Zukunft im Gesundheitswesen nur einen mäßigen Anteil an den Erwerbstätigen stellen.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 26.04.2020, 04:05 Uhr
Gesundheit und Pflege bleiben Frauendomäne

Frauendomäne Pflege: Zwei Krankenschwestern am Bett einer Patientin.

© upixa / Stock.Adobe.com

Wiesbaden. Das Gesundheitswesen ist nach wie vor von Frauen dominiert – zumindest bei statistischer Betrachtung. So war zwar nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom Freitag der Frauenanteil in der gesamten Ärzteschaft im Jahr 2018 mit 47 Prozent unauffällig – er entsprach exakt dem Frauenanteil an allen Erwerbstätigen in Deutschland.

Auf das gesamte Gesundheitswesen bezogen, stieg der Wert schon auf 79 Prozent der Erwerbstätigen an. Noch höher waren die Frauenanteile bei Berufen in der Haus- und Familienpflege, bei den medizinisch-technischen Berufsfeldern in Laboratorien oder Radiologien sowie bei Berufen der Altenpflege mit jeweils 84 Prozent. In der Spitze lag der Frauenanteil – wenig überraschend – mit 98 Prozent bei den von Destatis so bezeichneten „Arzt- und Praxishilfen“.

Lange Arbeitszeiten gab es schon vor COVID-19

Gesundheits- und Pflegeberufe bleiben nach Ansicht der Wiesbadener Statistiker auch in naher Zukunft voraussichtlich eine weibliche Domäne: Unter den jungen 15- bis 24-Jährigen lag demnach der Männeranteil in diesen Berufen 2018 bei gerade einmal 19 Prozent. Unter den 25- bis 34-Jährigen, die dann auch die fertig ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte umfassen, betrug der Männeranteil 22 Prozent.

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Die Erwerbstätigen in Gesundheits- und Pflegeberufen genießen derzeit während der Corona-Pandemie große mediale Aufmerksamkeit, für ihr Engagement in der Ausnahmesituation, in der sie besonders stark beansprucht werden und viele von ihnen Tag und Nacht im Einsatz sind – auch an den Wochenenden.

Nach den Destatis-Erhebungen zählten aber gerade Ärztinnen und Ärzte auch schon vor der Corona-Krise zu den Berufsgruppen mit besonders langen Arbeitszeiten. So arbeitete im Jahr 2018 ein knappes Drittel (32 Prozent ) der 445.000 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland in der Regel mehr als 48 Stunden pro Woche. Von den insgesamt mehr als vier Millionen Erwerbstätigen in Gesundheits- und Pflegeberufen hatten hingegen nur sechs Prozent eine so lange Wochenarbeitszeit.

Unübliche Arbeitszeiten bei Pflegern weit verbreitet

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Vollzeiterwerbstätigen in den Gesundheitsberufen lag mit 41 Stunden genau im Durchschnitt aller Berufsgruppen. Auffällig sei aber, so Destatis, dass sie sehr viel häufiger im Schichtdienst und an Wochenenden arbeiteten als Durchschnittserwerbstätige. So weisen aber die gut 1,1 Millionen Kranken- sowie knapp 700.000 Altenpfleger Auffälligkeiten bei den unüblichen Arbeitszeiten auf: Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Pfleger arbeiteten 2018 am Wochenende und knapp ein Drittel (32 Prozent) in Schichtarbeit. Besonders häufig arbeiteten Alten- und Krankenpflegerinnen und -pfleger im Schichtdienst (56 Prozent beziehungsweise 60 Prozent), Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zu diesen dagegen eher selten (16 Prozent).

Diese Unterschiede spiegeln sich laut Destatis zum Teil auch bei der Wochenendarbeit wider: So arbeiteten 75 Prozent der Kranken- und 80 Prozent der Altenpflegerinnen und -pfleger regelmäßig samstags und sonntags, bei den Ärztinnen und Ärztinnen lag der Anteil bei 55 Prozent.

Jeder elfte Arzt arbeitet nach seinem 65. Geburtstag weiter

Ärztinnen und Ärzte haben nicht nur überdurchschnittlich lange Wochenarbeitszeiten, sie arbeiten auch häufiger als in allen anderen untersuchten Berufen im Gesundheitswesen über ihren 65. Geburtstag hinaus. Neun Prozent der Ärztinnen und Ärzte waren im Jahr 2018 in der Altersgruppe 65 plus – der Anteil war damit dreimal so hoch wie in den Gesundheits- und Pflegeberufen insgesamt sowie unter allen Erwerbstätigen.

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