Rabatt-Arzneimittel

Häufiger „abweichende Abgabe“ in Apotheken

In knapp drei Prozent aller Anforderungen einer verschreibungspflichtigen Arzneimittelpackung unter Rabattvertrag mussten Apotheker 2019 zu einer Produktalternative greifen.

Veröffentlicht: 09.03.2020, 16:48 Uhr

Berlin. Im vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der in Apotheken auf Anhieb nicht verfügbaren, rabattvertragsgeregelten Medikamentenpackungen erneut verdoppelt.

Wie der Branchenverband ABDA am Montag mitteilte, konnten 2019 rund 18 Millionen Einzelverordnungen nicht bedient werden. Stattdessen musste gemäß rahmenvertraglicher Abgabekaskade der Wirkstoff eines anderen Herstellers abgegeben werden. Im Vorjahr konnten den Angaben zufolge 9,3 Millionen Packungsanforderungen nicht auf Anhieb bedient werden, 2017 waren es erst 4,7 Millionen.

In allen drei Jahren seien insgesamt jeweils um die 650 Millionen Packungen in öffentlichen Apotheken auf Rezept abgegeben worden.

Sartane ganz oben auf der Liste

Die Zahlen stammen den Angaben zufolge vom Deutschen Arzneiprüfungsinstitut (DAPI), Basis sind Abrechnungen der Apotheken mit gesetzlichen Krankenkassen.

Die gemeldeten Ausfälle betreffen lediglich rabattvertragsgeregelte Produkte, weil in solchen Fällen das Sonderkennzeichen „abweichende Abgabe“ auf dem Rezept aufgebracht wird, wie ein ABDA-Sprecher auf Nachfrage erläuterte, und deshalb die Nichtverfügbarkeit überhaupt gezählt werden kann.

Kein Versorgungsausfall

Demnach sind Patienten aber auf jeden Fall nach Rezeptvorlage mit einem Medikament versorgt worden. Totalausfälle würden in der DAPI-Statistik hingegen nicht abgebildet. Woraus die ABDA den Schluss zieht, „dass das wahre Ausmaß von Lieferengpässen noch unterschätzt wird“.

Offenkundig macht sich weiterhin die Nitrosaminbelastung insbesondere bei den Sartanen bemerkbar. Am häufigsten fiel laut ABDA 2019 Candesartan mit 1,8 Millionen Packungen aus.

Dahinter folgen mit jeweils 800.000 Packungsausfällen Valsartan sowie das Gichtmittel Allopurinol und mit jeweils 700.000 Packungsausfällen das Antidepressivum Venlafaxin und das nichtsteroidale Antirheumatikum Diclofenac.

Honorar für Krisenmanagement?

Die ABDA nimmt diese Zahlen zum Anlass, ihre Forderung nach einer Honorarerhöhung zu bekräftigen. „Mit dem neuen, traurigen Rekordniveau an Lieferengpässen zeigt sich immer mehr, dass Apotheker als Krisenmanager agieren müssen, wenn sie ihre Patienten wenigstens mit Alternativpräparaten versorgen wollen.“

Nun komme auch noch die Corona-Krise hinzu, in der die Apotheker „auch noch Desinfektionsmittel selbst herstellen müssen“, wie Verbandspräsident Friedemann Schmidt beklagt. „Bei diesem enormen Mehraufwand muss nun endlich auch über eine Vergütung gesprochen werden.“ (cw)

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