Heidelberger Bluttest-Affäre

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Mit einem „Meilenstein“ der Brustkrebserkennung rühmte sich ein Klinik-Chef – etwas vorschnell. In der Affäre ermittelte sogar der Staatsanwalt – allerdings ohne belastendes Resultat.

Veröffentlicht: 12.03.2020, 16:16 Uhr

Heidelberg/Mannheim. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat ihre Ermittlungen zur Heidelberger Bluttest-Affäre eingestellt.

Das Verfahren gegen fünf Beschuldigte im Zusammenhang mit einem vom Leiter der Unifrauenklinik, Professor Christof Sohn, Anfang 2019 vorgestellten Bluttest für Brustkrebs sei am 3. März beendet worden, teilte die Anklagebehörde am Donnerstag mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen „keinen hinreichenden Tatverdacht für strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben.“

Indizien haben sich nicht bestätigt

Das Uniklinikum Heidelberg hatte im April 2019 Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Es gebe Anzeichen eines unlauteren Vorgehens bei der Entwicklung und Ankündigung des potenziellen Bluttests zur Brustkrebsdiagnostik.

Ermittelt wurde wegen des Verdachts strafrechtlich relevanter Zuwendung von Vorteilen oder nicht gesetzeskonformer Absprachen im Zusammenhang mit der Ankündigung des Tests.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, auch die Untersuchungen zu der für die Vermarktung des Tests zuständigen Uni-Ausgründung HeiScreen hätten keine Hinweise auf Straftaten ergeben. Indizien für den Verdacht der Marktmanipulation durch die Pressekampagne in Deutschland lägen keine vor. Die Namen der Beschuldigten nannte die Behörde mit Hinweis auf deren Recht auf informationelle Selbstbestimmung nicht.

Affäre mit langer Historie

Klinik-Chef Christof Sohn, der Anteile an HeiScreen hält, hatte die Affäre mit einem PR-Auftritt vor einem Jahr ausgelöst. Er kündigte bei einem Fachkongress in Düsseldorf am 21. Februar 2019 die Marktreife eines als „Meilenstein“ gerühmten Tests zur Erkennung von Brustkrebs noch im selben Jahr an.

Mit der verfrühten Präsentation vor der Presse und dem Verzicht auf die übliche Veröffentlichung in Fachzeitschriften handelte er sich Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern, Statistikern und dem Aufsichtsrat der Uniklinik ein.

Eine von diesem eingesetzte externe Kommission attestierte Sohn in ihrem Zwischenbericht Führungsversagen, Eitelkeit und Machtmissbrauch. Zudem wurde Sohn vorgeworfen, bei erkrankten Frauen falsche Hoffnungen zu wecken. (dpa)

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