Internationaler Tag der Toleranz

Homöopathie: In dubio pro Globuli?

Eine Patientenvereinigung macht sich am Internationalen Tag der Toleranz (16. November) stark für die Homöopathie: Pluralismus gebiete auch Respekt vor alternativmedizinischer Forschung. Kritiker sehen das etwas anders.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Toleranz für alternativmedizinische Ansätze? Ein Patientenverband sieht hier zurzeit etwas Nachholbedarf für den Bereich der Homöopathie.

Toleranz für alternativmedizinische Ansätze? Ein Patientenverband sieht hier zurzeit etwas Nachholbedarf für den Bereich der Homöopathie.

© micha / stock.adobe.com

Berlin. Die Zusatzweiterbildung Homöopathie ist bei einigen Landesärztekammern bereits aus der Weiterbildungsordnung entfernt worden. Das dürfte nicht nur die evidenz-fokussierten Mitglieder und Anhänger des Münsteraner Kreises um die Münsteraner Medizinethikerin Professor Bettina Schöne-Seifert freuen. Globulisierungsgegner weltweit wollen Patienten vor – aus ihrer Sicht – der Scharlatanerie mit den weißen Kügelchen schützen.

Aus Sicht des Bundesverbandes Patienten für Homöopathie (BPH) wollen sie wohl eher den Wissenschaftspluralismus und alternative Behandlungsoptionen beschneiden. Daher mahnt der BPH angesichts des Internationalen Tages der Toleranz der UNESCO am 16. November mehr Toleranz und Respekt im Umgang mit der Homöopathie an.

„Toleranz ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Toleranz ist ein grundlegender Faktor für nahezu jede menschliche Interaktion. Toleranz ist der Schlussstein, der die Menschenrechte, den Pluralismus (auch den kulturellen Pluralismus), die Demokratie und den Rechtsstaat zusammenhält“, heißt es in einer BPH-Mitteilung vom Montag.

Shitstorm für positive Homöopathie-Bekundungen

Vielfalt und Pluralismus im Gesundheitssystem, freie Entscheidungen von Patienten für ihre Gesundheit, müssten akzeptiert und mit Respekt und Toleranz begegnet werden, so der BPH. Und ergänzt: „Wir schreiben das, weil es inzwischen nicht mehr selbstverständlich ist, in der Öffentlichkeit über Homöopathie zu sprechen – obwohl die Mehrheit der Bevölkerung eine positive Haltung zu ihr hat.“

Der BPH erlebe jeden Tag Missstände, die Protagonisten der Homöopathie treffen:

  • Wissenschaftler, die in der Homöopathie-Forschung tätig sind, und keine Interviews mehr geben dürften, da die Hochschulen um ihren guten Ruf fürchteten. Zudem bangten diese Forscher um ihre Hochschul-Karrieren und führten deshalb keine Homöopathie-Forschung mehr durch.
  • Politiker, die sich nicht mehr pro Homöopathie äußerten, da sie den Shitstorm der Anti-Homöopathie-Kampagne fürchteten. Diese setzten sich nicht mehr für den Pluralismus in der Medizin ein, da sie dann gebrandmarkt seien.
  • Klinikärzte, die nicht mehr über Homöopathie sprächen, da sie das Belächeltwerden nicht mehr aushielten oder es ihnen untersagt werde.
  • Journalisten, die nicht mehr frei arbeiten könnten und einseitige Meinungen abliefern müssten, und
  • Patienten, die lieber über Homöopathie schwiegen und sich nur still über ihre durch Homöopathie wieder gewonnene Gesundheit freuten.
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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Johannes Püschel

Was fehlt, ist eine kritische Auseinandersetzung mit den angeführten Punkten. Die Homöopathie ist nunmal bisher nicht in der Lage gewesen, eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus zu belegen. Die wissenschaftliche Faktenlage ist da klar. Dies hätte in diesem Beitrag durchaus Niederschlag finden können oder müssen.


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