In zwei Stadtapotheken in Berlin und Danzig fing alles an

Der Arzneihersteller Pohl Boskamp blickt auf 175 Jahre Firmenhistorie zurück. Seinen Ursprung hat der Anbieter des Sekretolytikums GeloMyrtol® in zwei Apotheken.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

HOHENLOCKSTEDT. Auf 175 Jahre Firmengeschichte blickt der Arzneimittelhersteller Pohl Boskamp aus Schleswig-Holstein mittlerweile zurück. Das Geschäftsmodell ist klar ersichtlich. Im Mittelpunkt stehen Innovationen, aber auch bewährte Produkte, mit denen der Anbieter in vielen Ländern Marktführer ist. Seit 1991 führt Marianne Boskamp das Unternehmen in vierter Generation. Die Firma beschäftigt aktuell 430 Mitarbeiter und hat rund 40 Arzneimittel im Portfolio. Rund 20 Millionen Fertigpackungen verlassen jedes Jahr das firmeneigene Logistikzentrum in der Nähe von Itzehoe. Damit zählt Pohl Boskamp heute zu den führenden deutschen Pharmaunternehmen in Privatbesitz.

Begonnen hat alles 1835 in zwei Apotheken in Berlin und Danzig. Im 19. Jahrhundert produzierten sie Gelatine-Kapseln für medizinische Zwecke. 1885 ließ sich die Firma G. Pohl das Verfahren zur Herstellung von Dünndarmkapseln mittels Keratin patentieren. Dessen Weiterentwicklung bis hin zur modernen magensaftresistenten Weichkapsel prägte die Geschicke des Unternehmens, das nach eigenen Angaben heute "erfolgreicher denn je" ist.

Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte ist das Jahr 1924, als Kurt Boskamp, Großvater der heutigen Firmeninhaberin, hochverdünntes Nitroglycerin in Gelatinekapseln füllte. "Damit trat Nitrolingual® seinen Siegeszug an, zunächst als Zerbeißkapsel und später auch als Spray für die Mundhöhle", bewertet das Unternehmen dieses wichtige Ereignis für die Firmenentwicklung heute.

Im Jahr 1935 brachte das Unternehmen GeloMyrtol® auf den Markt, dessen Wirkstoff Myrtol nach Unternehmensangaben standardisiert als einziges pflanzliches Mukopharmakon zur Behandlung der Sinusitis und Bronchitis zugelassen ist. 270 Millionen Kapseln des Präparates werden pro Jahr in die Welt geschickt.

Marianne Boskamps Vater Arthur gelang nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit wenigen Maschinen, Rezepturen und Vorräten die Flucht über die Ostsee. Er nahm in einer früheren Kaserne in Schleswig-Holstein 1946 die Produktion von Nitrolingual®-Zerbeißkapseln wieder auf und legte damit den Grundstein für das moderne Unternehmen, das sich auch in der Kunst und in der Gesundheitspolitik engagiert.

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