Zuzahlungen

Jeder dritte Patient verzichtet auf Leistungen

Neun von zehn gesetzlich Versicherten hatten im vergangenen Jahr Ausgaben für medizinische Leistungen getätigt, die ihre Kasse nicht oder nicht komplett trägt. Die Eigenbeteiligungen fallen immer höher aus, zeigt eine Umfrage.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Für viele medizinische Leistungen müssen Kassenpatienten selbst in die Tasche greifen.

Für viele medizinische Leistungen müssen Kassenpatienten selbst in die Tasche greifen.

© Tatjana Balzer/stock.adobe.com

KÖLN. Die Belastung der gesetzlich Versicherten durch Eigenbeteiligungen ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Zurzeit geben Erwachsene neben den Krankenkassenbeiträgen im Schnitt 448 Euro im Jahr für medizinische Leistungen aus. Im Jahr 2012 waren es noch 344 Euro. Das ist eine Steigerung um stolze 30,2 Prozent.

Das zeigt eine bevölkerungsrepräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts TNS-Infratest im Auftrag der Continentale Krankenversicherung. Sie lässt die Studie seit 2000 jährlich durchführen. In diesem Jahr waren 1365 Menschen ab 25 Jahren einbezogen, darunter 170 Privatversicherte. Die Teilnehmer wurden telefonisch befragt.

30 Prozent zahlten für Vorsorge

Von den 1195 gesetzlich Versicherten gaben lediglich zehn Prozent an, dass sie in den zurückliegenden zwölf Monaten nichts aus eigener Tasche für Gesundheitsleistungen bezahlt haben.

75 Prozent hatten dagegen in der Apotheke zuzahlen müssen, 59 Prozent beim Zahnarzt. Kosten für Brillen und Sehhilfen waren bei 45 Prozent angefallen, für Heilmittel wie Physiotherapie oder Massagen mussten 34 Prozent bezahlen. Eigenleistungen beim Haus- oder Facharzt – etwa für Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen – fielen mit 30 Prozent bei einem knappen Drittel an.

448 Euro im Jahr

 geben Erwachsene neben ihren monatlichen Krankenkassenbeiträgen für medizinische Leistungen aus.

Die Krankenhausbehandlung schlug bei 23 Prozent der Befragten finanziell zu Buche, die Kieferorthopädie bei 15 Prozent. Für Heilpraktiker und Naturheilkunde hatten 12 Prozent Geld ausgegeben. Bei den 448 Euro, auf die sich die Eigenbeteiligungen im Schnitt summiert hatten, sind die Ausgaben für kieferorthopädische Behandlungen sowie für Brillen und Sehhilfen nicht berücksichtigt.

"Kosten für Kieferorthopädie werden bei erfolgreicher Behandlung zumindest zum Teil im Nachhinein erstattet", heißt es in der Studie zur Begründung. "Bei den Kosten für Brillen und Sehhilfen wiederum ist die Abgrenzung der medizinisch notwendigen von modisch motivierten Ausgaben schwierig." Inklusive dieser beiden Leistungsbereiche belief sich die durchschnittliche Eigenbeteiligung auf 701 Euro.

Aus dem in der Continentale-Studie 2012 ermittelten Wert für Eigenbeteiligungen wurden 36 Euro herausgerechnet, die 2012 durchschnittlich für die Praxisgebühr gezahlt wurden. Deshalb sind die 448 Euro und die 344 Euro vergleichbar.

Senioren zahlen am meisten dazu

Nach der Erhebung gaben GKV-Versicherte ab 60 Jahren mit einem Schnitt von 577 Euro besonders viel für Selbst- und Zuzahlungen aus, bei Jüngeren waren es dagegen 375 Euro. Die höchsten Summen fielen mit durchschnittlich 390 Euro beim Zahnarzt an, die niedrigsten bei den niedergelassenen Ärzten mit 126 Euro.

68 Prozent der Kassenpatienten gaben an, dass sie trotz der Zuzahlungen noch nie auf eine medizinische Leistung verzichtet haben, genauso viele wie fünf Jahre zuvor. Vier Prozent haben aus finanziellen Gründen schon oft Leistungen wegen der Zuzahlungen unterlassen oder verschoben. Bei 12 Prozent war das manchmal der Fall, bei 16 Prozent selten.

Als Grund für die unterlassene oder aufgeschobene Inanspruchnahme gaben 35 Prozent an, dass sie sich die Zuzahlung nicht leisten konnten. "Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich die Situation verbessert", so die Autoren der Studie. Damals hatte diesen Grund noch jeder Zweite genannt. Für 48 Prozent war in der aktuellen Befragung ausschlaggebend, dass sie die Leistung dann doch nicht so wichtig fanden. Für 12 Prozent spielten beide Faktoren eine Rolle.

Der Leistungsverzicht aus Geldmangel trifft vor allem Frauen (47 Prozent), Nicht-Berufstätige (45 Prozent) und Geringverdiener (56 Prozent).

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