Umfrage in NRW

Kassenpatienten warten 20 Tage länger auf Termin

Die Grünen haben in NRW eine Wartezeit-Erhebung gemacht: Die gesetzlich Versicherten warten wesentlich länger auf einen Arzttermin als Privatversicherte. Die Grünen wollen nun ein neues Honorarsystem.

Veröffentlicht: 18.09.2014, 15:33 Uhr

KÖLN. Mit einer aktuellen Erhebung zu den Wartezeiten bei Fachärzten untermauern Bundestagsabgeordnete der Grünen ihre Forderung nach einer Bürgerversicherung.

Nach der Untersuchung müssen gesetzlich versicherte Patienten in NRW im Durchschnitt 20 Tage länger auf einen Termin beim Facharzt warten als Patienten mit einer privaten Krankenversicherung.

Auf Initiative der nordrhein-westfälischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Katja Dörner, Bärbel Höhn und Maria Klein-Schmeink hatten Anrufer in acht Städten bei 405 Praxen aus sechs Fachrichtungen telefonisch um einen Termin gebeten - erst als Kassen-, dann als Privatpatient.

Am größten ist die Diskrepanz danach in den Städten Bonn, Köln und Bielefeld, am geringsten in Münster. Die deutlichsten Unterschiede bei der Terminvergabe machen Radiologen, bei denen Kassenpatienten 33 Tage länger warten müssen, und Hautärzte mit 25 Tagen. Bei Kardiologen beträgt die Differenz dagegen lediglich sechs Tage.

"Auf Dauer sind die großen Unterschiede bei den Wartezeiten nicht hinnehmbar, weil sie die Akzeptanz unseres Versorgungssystems untergraben", sagt Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, der "Ärzte Zeitung".

Änderung des GKV-Systems nötig?

Für sie ist die Erhebung ein erneuter Beleg für die Umstellung des Krankenversicherungssystems auf eine Bürgerversicherung. "Wir hoffen, dass wir mit der Erhebung nochmals Dynamik in die Debatte bringen."

Ein erster Schritt auf dem Weg dahin wäre die Einführung einer einheitlichen Honorarordnung für Ärzte. "Es ist nicht einzusehen, warum Ärzte nicht nach dem Behandlungsaufwand, sondern nach der Art der Versicherung bezahlt werden", betont die Grünen-Politikern.

Die Erhebung untermauert ihrer Meinung nach, dass der von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Terminservice mit einer Termingarantie von vier Wochen an der eigentlichen Problematik der unterschiedlichen Wartezeiten nichts ändern wird.

 "Damit werden bestenfalls die Spitzen abgefedert", sagt sie. In der Erhebung der Grünen war ein Radiologe aus Paderborn der Extremfall.

Bei ihm hätten die Anrufer als Kassenpatienten 180 Tage warten müssen, als privat Versicherte gerade einmal vier. (iss)

Mehr zum Thema

Wettbewerbsrecht

Ottonova verteidigt Werbung für Fernbehandlung

Corona-Pandemie

BMG räumt Lieferung fehlerhafter Schutzmasken ein

Krisenstimmung

Ärztegenossenschaft Nord stimmt in PKV-Kritik ein

Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl

Carsten Windt hat recht, das ist die Emanzipation der Doofen, die nicht rechnen können

abgesehen von der Frage der Seriosität der "grünen Telefonaktion",
alles gleich verteilt wären dann statt 20 Tage + x für Private = 19 Tage für alle.
Oder geht es wieder mal nur um die Neiddiskussion?
Müssen dann Flugpassagiere freie 1.Klasseplätze (ohne Zuzahlung) erhalten,
wenn die business-Klasse ausverkauft ist?
Warum muss man für manche Spezialleistung sogar ins Ausland fahren?
Ist das nicht sozial ungerecht?
Ein Skandal?

Rudolf Hege

typischer politikervorschlag - klingt gut, ist aber nicht zuende gedacht

wenn man per verordnung ärzte zur gleichbehandlung verpflichtet, ohne gleichzeitig die freiheit zu begrenzen, gibt es ausweichbewegungen, z.b. selbstzahlersprechstunden. verbietet man auch diese gibt es eben noch mehr abwanderung von ärzten.

völlige gleichheit ist eine illusion...

Dr. Thomas Georg Schätzler

NRW-Grüne bringen mich auf die Palme!

Geradezu unerträglich, dass GRÜNE/Bündnis 90 a u s s c h l i e ß l i c h auf F a c h- und nicht auf H a u s-Arzt-Terminvergabe fokussieren. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass gerade die hausärztlich allgemeinmedizinische Profession mit "offenen" Sprechstunden, Akut-Termin-Vergaben, Pufferzeiten und Notfallsprechstunden zeitnah, taggleich oder spätestens am Folgetag ihre Patientinnen und Patienten u n a b h ä n g i g von ihrem Versicherte-Status versorgen! Und dies oftmals o h n e Rücksichtnahme auf eigene Bedürfnisse, ausreichende Erholungs- und Ruhezeiten und persönlich-private "Work-Life-Balance".

Vor gesundheits- und krankheitspolitischer Verblüffung bleibt mir der Mund offen stehen, ob der Aussage: "Die deutlichsten Unterschiede bei der Terminvergabe machen Radiologen, bei denen Kassenpatienten 33 Tage länger warten müssen"! Ist den verblendeten Günen/Bündnis 90, die mit Schaum vorm Mund undifferenzierte Ärzte-"Bashing"-Kampagnen fahren, nicht klar, dass Radiologen nur mit einem Untersuchungsauftrag bzw. per Überweisung tätig werden dürfen und von daher gar keine früheren Termine vergeben können?

"Auf Dauer sind die großen Unterschiede bei den Wartezeiten nicht hinnehmbar, weil sie die Akzeptanz unseres Versorgungssystems untergraben", sagt Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, der "Ärzte Zeitung". Vielleicht sollte Sie einfach mal echte, freiberuflich niedergelassene Vollzeit-HausärztInnen fragen und nicht alles vom reinen Hörensagen kolportieren?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Carsten Windt

reiner Populismus

Nehmen wir an, dass tatsächlich die max.10% Privatversicherten den GKV-Versicherten gleichgestellt wären und der Unterschied abgeschafft formal abgeschafft wäre.
Würden die GKV-Versicherten dann keine oder deutlich geringere Wartezeiten haben? wohl kaum....

Das ist so als wenn alle auf der Titanic die gleichen Überlebenschancen gahbt hätten (Entweder werden alle gerettet oder keiner)


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Corona-Masken-Attest: Spiel mit dem Feuer

COVID-19 und Mund-Nase-Schutz

Corona-Masken-Attest: Spiel mit dem Feuer

Bisher 5700 COVID-19-Fälle als Berufskrankheit anerkannt

Exklusiv Corona-Zwischenbilanz

Bisher 5700 COVID-19-Fälle als Berufskrankheit anerkannt

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden