DRG

Kennzahlen im Griff? Auswege für Kliniken

Die Kliniken leiden unter der Stagnation der Fallzahlen. Viele sind zuletzt wirtschaftlich wieder ins Minus gerutscht. Der Ausweg, sich über Fremdkapital zu finanzieren, bietet sich nur Häusern, die ihre Kennzahlen im Griff haben.

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DÜSSELDORF. Die Wolken über dem stationären Sektor werden dichter. Nach wie vor kommen die Länder ihren Verpflichtungen in der Finanzierung von Investitionen nur unzureichend nach. Gleichzeitig steigt der Investitionsbedarf beispielsweise durch die Digitalisierung stark an – aber es wird immer schwerer, Investitionen aus den DRG zu erwirtschaften.

Das hat im Mai der Krankenhaus Rating Report 2019 gezeigt, der von einem Team um Professor Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung jährlich vorgelegt wird. Demnach ist die Anzahl der Fälle 2017 erstmals seit vielen Jahren zurückgegangen. Die Folge: Mehr als jede vierte Klinik war 2017 in den roten Zahlen, bei öffentlichen Häusern schrieb sogar gut jedes zweite Haus Verluste (wir berichteten).

Kosten-Erlös-Schere öffnet sich

„Die Kosten-Erlös-Schere geht immer weiter auseinander“, kommentiert Michael Gabler, Bereichsleiter Firmenkunden der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank), im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Diese Entwicklung könnte durch die neue Pflegekostenvergütung sogar noch an Dynamik zunehmen, glaubt Gabler.

Das Herausrechnen der Pflegekosten aus den DRG erhöhe den administrativen Aufwand, zusätzliche Pflegekräfte zu finden sei kaum möglich, und die zur Überbrückung bis zur finalen Kalkulation der DRG angedachte Pauschale von 130 Euro pro Pflegetag „wird bei vielen Krankenhäusern nicht reichen“, glaubt Gabler.

Für die Kliniken werde es in dieser Lage immer wichtiger, das Liquiditätsmanagement zu optimieren, um auch kurzfristig genügend flüssige Mittel zu haben. Zu den Instrumenten dafür gehöre beispielsweise, dafür zu sorgen, dass die Abrechnung der Leistungen kurzfristig erfolgt und dass auch tatsächlich alle erbrachten Leistungen abgerechnet werden.

Aber auch ein temporärer Kontokorrent könne für die nötige Liquidität sorgen – „allerdings nur bei fremdkapital-fähigen Häusern“, so der Bankmanager.

Klinikverwaltungen, die gut auf ein Rating-Gespräch vorbereitet und beispielsweise in der Lage seien, die Auswirkungen der dualen Finanzierung auf die tatsächliche Eigenkapitalquote zu berechnen, täten sich leichter, eine Refinanzierung durch Fremdkapital zu angemessenen Bedingungen zu bekommen. Instrumente wie der apoPlaner 5 könnten dabei sehr hilfreich sein, erläutert der Finanzexperte.

Es gebe viele Krankenhäuser – jeder Trägerschaft –, die das schon sehr gut hinbekommen, so Gabler. Er erlebe aber auch immer wieder große Wissensdefizite im Klinikmanagement. Sicher sei jedenfalls: „Je besser das Rating ausfällt, desto weniger Eigenkapital muss die finanzierende Bank für den Kredit binden – und das ermöglicht dann auch bessere Konditionen.“

Häuser, die aktuell Probleme haben, Fremdkapital zu bekommen, könnten sich beraten lassen, wie sie ihre Verhältnisse optimieren können. Es könne sich lohnen, die dafür erforderlichen Investitionsmittel für Investitionen mit Hilfe der Gesellschafter zwei bis drei Jahre zu überbrücken und später, wenn das Ausfallrisiko reduziert sei, auf Fremdkapital zurückzugreifen, beschreibt Gabler einen möglichen Weg für insolvenzgefährdete Krankenhäuser.

Zu den wichtigsten Maßnahmen, um die eigene Position zu verbessern, zählt Gabler unter anderem die bauliche Optimierung, die Spezialisierung auf interessante Gebiete, die von anderen Häusern der Region noch nicht besetzt sind, und Investitionen in die Vernetzung und die Kooperation mit den Ärzten der Region. Damit könnten Kliniken auch die aktuellen Herausforderungen, die der Rating-Report beschreibt, gut meistern. (ger)

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