Leitartikel

Kindesmisshandlung: Aufklärung erfordert detektivisches Feingefühl

Sind Verletzungen an Kindern in der Praxis auf Schläge oder einen Unfall zurückzuführen? Wann dürfen Ämter eingeschaltet werden? Die Diagnose Misshandlung erfordert viel Feingefühl, da sie bei einem falschen Verdacht Familien zerrütten kann.

Von Eugenie Wulfert Veröffentlicht: 20.03.2013, 15:00 Uhr
Blaues Auge: Gerangel unter Kindern, Sturz - oder Misshandlung durch Eltern?

Blaues Auge: Gerangel unter Kindern, Sturz - oder Misshandlung durch Eltern?

© McPhoto / imago

War es ein Unfall oder haben die Eltern ihr Kind geschlagen? Die Diagnose einer Misshandlung ist für Ärzte oft eine schwierige und heikle Angelegenheit. Auch das Kinderschutzgesetz konnte erneute Fälle von Kindesmisshandlung, manchmal auch mit Todesfolge, nicht verhindern. Lea-Sophie aus Schwerin, Kevin aus Bremen und Dennis aus Cottbus: Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an sie und viele andere wehrlose Opfer. Verhungert, verdurstet, erschlagen und zu Tode geschüttelt.

Die polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete für das Jahr 2011 3583 Fälle von Kindesmisshandlung. Jede Woche kommen in Deutschland laut Bundeskriminalamt durchschnittlich drei Kinder durch Gewalt oder Vernachlässigung ums Leben. 2011 starben auf diese Weise 146 Kinder unter 14 Jahren. 114 der getöteten Kinder waren jünger als sechs Jahre. 2002 bis 2012 wurden insgesamt 1935 Kinder vorsätzlich oder fahrlässig getötet.

Diese offiziellen Zahlen aus dem Bundeskriminalamt seien aber nur die Spitze des Eisbergs, erläuterte Professor Sylvester von Bismarck von der Klinik für Kinder- und Neugeborenenchirurgie im Berliner Stadtteil Neukölln, auf einem Symposium in Berlin ...

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