Gebärdendolmetscher

Kliniken sind für die Kosten zuständig

Krankenhäuser müssen Gehörlosen im Bedarfsfall einen Gebärdendolmetscher stellen oder ihn bezahlen.

Veröffentlicht:

HAMBURG. Mit den üblicherweise von Kliniken abzurechnenden Fallpauschalen sind auch Kosten für einen Gebährdendolmetscher abgegolten, entschied jetzt das Sozialgericht (SG) Hamburg.

Im Streitfall war eine 73-jährige gehörlose Frau 2010 in einer Hamburger Klinik operiert worden. Bereits während der Voruntersuchungen hatte die Klinik mit einer Gebärdendolmetscherin mehrere Termine abgesprochen, um Befunderhebung, Aufklärung und Nachsorge zu begleiten. In ihrer Abrechnung gab die Klinik als Nebendiagnose "Taubstummheit" an. Insgesamt stellte sie der Kasse 3668 Euro in Rechnung.

Nach Abschluss der Behandlung stellte die Gebärdendolmetscherin dem Krankenhaus 454 Euro in Rechnung – 55 Euro je Stunde plus Fahrtkosten. Die Klinik wollte das nicht zahlen. Die Dolmetscherin sei nicht für die Klinik, sondern für die Patientin tätig gewesen. Diese habe extra eine Bescheinigung bekommen, um die Kosten bei ihrer Kasse einreichen zu können.

In DRG eingepreist

Doch zuständig für die Kosten ist die Klinik, urteilte nun das SG Hamburg. Soweit ein Gebärdendolmetscher für die Behandlung notwendig ist, handele es sich um eine "allgemeine Krankenhausleistung". Dies sei insgesamt nur bei wenigen Behandlungen der Fall. Die durchschnittlichen Kosten hierfür seien aber bei der Festsetzung der DRG eingepreist worden. Daher seien sie mit der Pauschale abgegolten und vom Krankenhaus zu tragen.

Seit 2014 können Kliniken einen Gebärdendolmetscher in der Abrechnung gesondert kodieren. Diesbezüglich betonten jetzt die Hamburger Sozialrichter aber, dass die Kodierung den Abrechnungsbetrag nicht erhöht. Das zeige, dass die fraglichen Kosten mit dem Honorar für die Hauptdiagnose abgegolten sind. (mwo)

Sozialgericht Hamburg

Az.: S 48 KR 1082/14 ZVW

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt

Mädchen geht chemischen Experimenten in einem Klassenzimmer nach, die Haare stehen ihr zu Berge.

© Andrey Kiselev / stock.adobe.com

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird