Klinik-Vergleich

Kommunale haben sich 2017 nicht verbessert

Ein Vergleich der jüngsten Klinik-Kennzahlen bestätigt die prekäre Lage insbesondere kommunaler Häuser.

Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Dass Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft in wirtschaftlichen Dingen schwächer auf der Brust sind als die freigemeinnützige oder gar die private Konkurrenz, ist keine wirkliche Neuigkeit. Ein überjähriger Leistungsvergleich zwischen den drei stationären Trägerarten anhand deren Geschäftsberichten lässt deshalb auch keine durchweg spektakulären Umbrüche erwarten.

Eklatant verschlechterte sich 2017 allerdings zum Vorjahr die Fremdkapitalquote öffentlicher Häuser von 54 auf 61 Prozent. Dementsprechend stieg deren durchschnittlicher Verschuldungsgrad vom dreifachen des Eigenkapitals vor Investitionszuschüssen auf zuletzt annähernd das Fünffache, wie die Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers (PwC) in ihrer Studie "Krankenhausbenchmark 2018" ausweist. Private und freigemeinnützige Häuser sind dagegen deutlich sattelfester: Mit jeweils 35 Prozent Fremdkapitalquote liegen sie mehr oder weniger auf Vorjahresniveau; die Freigemeinnützigen hätten sich nur "um fünf Prozentpunkte verschlechtert".

Im Fokus des aktuellen PwC-Reports: Der Modernisierungsstau öffentlicher Häuser. Moderne Gebäude und eine zeitgemäße Ausstattung, heißt es, seien "zwei wichtige Faktoren im Kampf um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit". Anders als private und freigemeinnützige hätten öffentliche Kliniken aber "notwendige Investitionen lange hinausgezögert". Angesichts ihrer dünnen Finanzdecke drohten kommunale Kliniken daher im stationären Anbieterwettbewerb "abgehängt zu werden".

Weitere Ergebnisse der Kennzahlen-Analyse 100 bundesdeutscher Krankenhäuser (ohne Universitätskliniken):

  • Beim operativen Gewinn auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Wertminderungen (EBITDA) konnten nur die freigemeinnützigen Häuser mit knapp vier Prozent Marge das Vorjahresniveau halten. Die privaten Anbieter gaben 2017 im Schnitt geringfügig auf acht Prozent nach. Im Vorjahr lagen sie noch leicht über dieser Marke.
  • Bei öffentlichen Häusern stellten die Analysten dagegen im Jahresvergleich einen deutlicheren Rückgang fest, nämlich von knapp 2,0 Prozent EBITDA-Marge auf zuletzt unter einem Prozent.
  • Viele Kliniken vernachlässigen laut PwC nach wie vor ihr Liquiditätsmanagement, auch hier gaben die öffentlichen das Schlusslicht. Sie benötigten 2017 im Schnitt 58 Tage, um Forderungen von den Kassen einzutreiben, die Privaten 41 Tage, die Freigemeinnützigen 42. Umgekehrt lassen sich kommunale Kliniken mit 39 Tagen am längsten Zeit, Rechnungen zu begleichen "und verschenken so Einsparmöglichkeiten durch Skonti".

Zum Vergleich: Privat geführte Kliniken zahlten im Schnitt schon nach 18 Tagen, freigemeinnützige nach 27 Tagen. (cw)

Mehr zum Thema
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Entstehung einer Thrombose: Bei COVID-19-Patienten mit einem Postmortem-Nachweis von Herzmuskelzellnekrosen ließen sich meist kardiale Thromben detektieren.

Postmortem-Analyse

Was hinter Herzschäden bei COVID-19 steckt

Suizidgefahr: Insgesamt ist die Suizidrate in den vergangenen 20 Jahren zwar gestiegen, unter den Krebspatienten ist sie jedoch gesunken, hat eine US-Studie ergeben. Liegt es an der besseren psychoonkolgischen Versorgung? (Symbolbild mit Fotomodell)

Gegen den Trend

Die Suizidrate von Krebskranken ist gesunken