Corona-Rettungsschirm

Labore erhoffen sich mehr Hilfe aus Berlin

Die Labore sehen sich vom sozialrechtlichen Rettungsschirm noch nicht ausreichend geschützt. Insbesondere werden regionale Unterschiede bei der Umsetzung der Ausgleichszahlungen beklagt.

Veröffentlicht: 28.04.2020, 17:45 Uhr

Berlin. Mitte März verzeichnete der Branchenverein Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) erstmals Auftragsrückgang infolge der beginnenden Corona-Pandemie. In den folgenden Wochen hat sich das Überweisungsaufkommen insbesondere für Routineanalysen wie HbA1c, Lipidprofil, Blutbild, HIV-Antikörper etc. weiter verringert. Aus der jüngsten Beobachtungswoche (KW 15) werden zwischen 40 und 80 Prozent Auftragsrückgang – je nach Parameter – gemeldet. Die Zahlen nahm der ALM-Vorsitzende Dr. Michael Müller am Dienstag zum Anlass, einen bundesweit einheitlichen Rettungsschirm für Labore zu fordern.

Die mit dem COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz eingeführte Möglichkeit, Praxen durch Ausgleichszahlungen für rückläufige Patientenkontakte zu entschädigen, werde in den KV-Bezirken derzeit ganz unterschiedlich umgesetzt. Dabei seien „die Regelungen für die fachärztlichen Labore nicht klar und eindeutig umrissen“, so Müller. Von bundesweit verbindlichen Hilfszusagen erhoffe er sich mehr Planungssicherheit. Bei der wöchentlichen ALM-Online-Pressekonferenz zur Corona-Krise versicherte Müller, er habe den Eindruck, dass diese Hinweise in Berlin auch „ernst genommen werden“, insofern vertraue er darauf, dass sich zugunsten der Labore früher oder später noch etwas tut.

Weiterhin Überkapazitäten

ALM-Vorstandsmitglied Professor Jan Kramer bekräftigte ergänzend den Anspruch der Labore, bezogen auf ihren privaten Leistungsanteil auch Kurzarbeitergeld zu beanspruchen. „Kurzarbeitergeld für diesen Bereich der Nicht-GKV-Tätigkeit“ sei „rechtmäßig und keineswegs eine ‚doppelte Unterstützung‘“, so Kramer in Anspielung auf die aktuell die Runde machende Mitteilung der Bundesanstalt für Arbeit, dass Vertragsarztpraxen neben den Ausgleichszahlungen aus dem Rettungsschirm nicht auch noch Kurzarbeitergeld zusteht.

Wie es am Dienstag weiter hieß, wurden bis Ende der zweiten Aprilwoche nach Datenerhebung des ALM zuzüglich Zahlen des Robert Koch-Instituts bundesweit in Summe 2,36 Millionen Tests auf SARS-CoV-2 gemacht, aus denen eine Positivrate von 7,2 Prozent resultiert. Nachdem die Labore in Vorleistung gegangen seien und in den Aufbau neuer Testkapazitäten investiert hätten, gebe es diesbezüglich keine Engpässe. Die „verfügbaren Testkapazitäten übersteigen den Versorgungsbedarf weiterhin deutlich“, so ALM-Chef Müller. (cw)

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