Kommentar

MFA im Homeoffice: Berufspolitisch heikel!

Homeoffice? Für MFA eher nicht! Berufspolitisch lässt sich mit dem Wunsch des Arbeitsministers pokern – ein Spiel mit dem Feuer.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:

Hubertus würde es gerne als „Heils“-Versprechen sehen – das möglichst flächendeckende und branchenübergreifende Homeoffice-Angebot der Arbeitgeber für ihre Beschäftigten soll Corona in der Bundesrepublik den Garaus machen, Kontaktarmut soll die Inzidenz allüberall drücken. Fragt sich manch ein geneigter Haus- oder Facharzt sicher, ob denn auch er als Arbeitgeber auf der Adressatenliste des sozialdemokratischen Arbeitsministers steht.

Ja, in der Tat ist auch für viele Praxen Homeoffice eine Option – und zwar für alle MFA die, vielleicht auch nur vorübergehend, keine der ansonsten typischen patientennahen Tätigkeiten verrichten. Abrechnung und Recall-Aktionen vom trauten Heim aus sind nur eine Frage der Technik – und des Willens auf Ärzte- wie MFA-Seite.

Dieser Wille scheint aber, wie eine noch unveröffentlichte Umfrage des Verbandes medizinischer Berufe (VmF) zeigt, an der Basis bislang nicht sehr ausgeprägt zu sein – auf beiden Seiten. Immerhin berichten knapp 150 von rund 1150 teilnehmenden MFA über Erfahrungen mit Homeoffice in ihrem Arbeitsalltag. Mehr als 200 äußerten Bereitschaft, stießen bei ihrem Chef nach eigener Aussage aber auf Widerstand.

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MFA im Homeoffice – dieser Themenkomplex hat über die lokalen Gegebenheiten in den jeweiligen Praxen hinaus noch eine weitere Dimension – die berufspolitische. So schließt der Spitzenverband Fachärzte (SpiFa) zum Beispiel Homeoffice für MFA kategorisch aus, wie er auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ mitteilt. Geschickt dreht er aber den Spieß um: Wenn schon Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in puncto Übernahme der pandemie-bedingten Hygienekosten für die Niedergelassenen nicht weichzukochen ist, solle doch Arbeitsminister Heil mit derselben Energie, die er in sein Werben für die Homeoffice-Option steckt, für die Ärzte bei den Kassen Klinken putzen gehen.

Der Hausärzteverband schlägt da schon konziliantere Töne an. Deren Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt betont, wo immer möglich würden Praxischefs MFA auch ins Homeoffice schicken. Doch deren Kernkompetenzen seien nun mal patientennahe und alles andere als kontaktarme Tätigkeiten. Garniert wird dies mit dem Hinweis, MFA warteten übrigens noch immer auf einen steuerfinanzierten Corona-Bonus, wie ihn Pflegekräfte bereits erhalten hätten – damit spricht er dem VmF aus der Seele.

Schlimmstenfalls beklagen sich am Ende alle über leere „Heils“-Versprechungen, gibt es weder die Hygienekosten für die Praxen noch den steuerfinanzierten Corona-Bonus oder gar Homeoffice für MFA.

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

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