Versorgungszentren

MVZ in Investorenhand erneut in der Kritik

Die Debatte um investoren-geführte Versorgungszentren und Praxisketten ist am Wochenende nach Medienberichten wieder aufgepoppt. Kommt es durch die Zentren zu einer künstlichen Aufblähung der Leistungsmengen?

Veröffentlicht: 19.01.2020, 18:19 Uhr
MVZ in Investorenhand erneut in der Kritik

Künstliche Linse, die bei Grauem Star eingesetzt werden kann. Kritiker sagen, dass Versorgungszentren in Investorenhand Leistungen wie die Katarakt-Op häufiger anbieten, als indiziert ist.

© obs/BVMed

Hamburg. Jedes sechste der gut 4000 Medizinischen und Zahnmedizinische Versorgungszentren ist in der Hand von Finanzinvestoren. Nach einem Bericht in der „Welt am Sonntag“ verursachen Zentren in Investorenbesitz höhere Kosten im Gesundheitssystem als Praxen in Arztbesitz.

Als Beispiele nennt das Blatt, das sich auf Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) bezieht, investor-geführte zahnärztliche Versorgungszentren, die 30 Prozent mehr pro Patient abrechneten als herkömmliche Zahnarztpraxen.

Und die KV Baden-Württemberg habe festgestellt, dass die Zahl der Operationen am Grauen Star in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen sei, parallel zum Wachstum bei MVZ.

Ermittlungen in Stuttgart

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte die Polizei in Stuttgart Praxen einer solchen Kette durchsucht. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung gegen mehrere Ärzte, weil sie Patienten zu nicht indizierten Kataraktoperationen gedrängt haben sollen. Nach Berichten in regionalen Medien hatten sich immer wieder Patienten bei der Bezirksärztekammer über die Ärzte beschwert.

In Hamburg wirft die Staatsanwaltschaft einem Hersteller von Chemotherapiemitteln vor, Arztsitze von Onkologen erworben zu haben, um in den Praxen die eigenen Arzneimittel einzusetzen (wir berichteten).

Befördert würden solche Strukturen offenbar durch Arbeitsverträge der in den Zentren beschäftigten Ärzte, die mit variablen Vergütungsbestandteilen arbeiten, etwa Boni oder Umsatzbeteiligungen bei bestimmten Leistungen.

„Unumkehrbarer Systemumbau“

Der Bericht der „Welt am Sonntag“ hat die Kritik an den Zentren in Investorenhand befeuert, die bereits im Zuge der Diskussion um Teile des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) heftig geführt worden ist.

So fordere der SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach, den Verkauf von Arztsitzen an Finanzinvestoren ganz zu verbieten. Und der KZBV-Vorsitzende Wolfgang Eßer kritisiere die Verkaufswelle von Ärzten und Zahnärzten, die kurz vor dem Ruhestand stehen, an Investoren als „unumkehrbaren Systemumbau hin zu einem gewerblich orientierten Gesundheitswesen“.

Im Bericht heißt es auch, das Bundesgesundheitsministerium wolle nun „zeitnah ein Gutachten zur Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen“ für solche Zentren erstellen lassen. Immer wieder hat es auch Forderungen, etwa von den Linken, gegeben, die Eigentumsverhältnisse von Praxen und Kliniken für Patienten transparent zu machen. (ger)

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