Hintergrund

Medizinische Fachangestellte: Beliebter Beruf, aber kein hohes Ansehen

Die Ausbildung zu Medizinischen Fachangestellten (MFA) ist bei Mädchen und Jungen in Deutschland beliebt – auch wenn viele Bewerber selbst von einem Imageproblem des Berufs sprechen.

Rebekka HöhlVon Rebekka Höhl Veröffentlicht:
Junge Menschen arbeiten offenbar gerne in einer Arztpraxis: Die Ausbildung zur/zum MFA liegt in der Rangliste aller Ausbildungsberufe in Deutschland auf Rang acht.

Junge Menschen arbeiten offenbar gerne in einer Arztpraxis: Die Ausbildung zur/zum MFA liegt in der Rangliste aller Ausbildungsberufe in Deutschland auf Rang acht.

© Klaus Rose

14.695 Medizinische Fachangestellte (MFA) starteten 2010 ihre Ausbildung in deutschen Arztpraxen. Damit liegt die Ausbildung zur/zum MFA in der Rangliste aller Ausbildungsberufe in Deutschland auf Platz acht.

Die vorderen Plätze belegten verschiedene kaufmännische Berufe, Kraftfahrzeugmechatroniker und Köche. Das zeigt die vorläufige Fassung des Datenreports zum Berufsbildungsbericht 2011, der gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) veröffentlicht wird.

Dabei schafft es der Ausbildungsberuf in den alten Bundesländern zahlenmäßig sogar einen Platz höher auf Rang sieben. In den neuen Bundesländern liegt er auf Rang 13.

Viele Bewerber befürchten einen Imageverlust

Trotz dieser guten Zahlen scheint der Beruf der Medizinischen Fachangestellten ein Imageproblem zu haben - zumindest unter Bewerbern: 37,3 Prozent der Bewerber 2010 waren der Ansicht, dass der Beruf der/des MFA ihnen zu keinem guten Image bei Bekannten verhelfen wird. Die Daten ermittelte das BiBB über eine repräsentative Stichprobe von rund 3500 Bewerbern.

Interessanterweise war diese Vorstellung gerade bei Bewerbern mit unterem (45,9 Prozent) und mittlerem Abschluss (33,7 Prozent) verbreitet. Wohingegen studienberechtigte Bewerber dem nur zu 30,8 Prozent zustimmten. Und: Vor allem männliche Bewerber, die im Beruf der MFA ohnehin kaum vertreten sind, befürchten Imageverlust (48,3 Prozent).

Aber auch bei den weiblichen Bewerbern sind noch 27,4 Prozent, das heißt über ein Viertel, der Meinung, dass ihnen der Beruf der MFA nicht zu hohem Ansehen im Bekanntenkreis verhilft.

Dennoch blieb laut der Ausbildungsplatzstatistik 2010 des BiBB keine freie Azubi-Stelle in den Praxen unbesetzt. Zum Vergleich: Unter allen Ausbildungsberufen blieben in den neuen Bundesländern 2010 immerhin 4,8 Prozent der betrieblichen Stellen ungenutzt, in den alten Bundesländern waren es 3,6 Prozent. Über Nachwuchsmangel können die Praxen allem Anschein nach also noch nicht klagen.

Was aber wohl auch damit zusammenhängen dürfte, dass die Ausbildungsvergütung der MFA nicht zu den schlechtesten zählt. Lag die durchschnittliche Ausbildungsvergütung der Freien Berufe 2010 bei knapp über 570 Euro, erhalten die angehenden MFA im ersten Jahr 561 Euro, im zweiten 602 und im dritten Ausbildungsjahr 646 Euro.

Unterschiede in Ost und West

Allerdings gibt es große Unterschiede im Ausbildungsplatz-Angebot zwischen Ost und West. Vor allem in den neuen Bundesländern wird wenig ausgebildet und das nicht erst seit dem vergangenen Jahr, wie auch die Werte des BiBB aus 2009 zeigen.

So gab es in Mecklenburg-Vorpommern gerade 120 Neuverträge, 2009 wurden insgesamt (also Azubis aus allen drei Ausbildungsjahren) 393 Azubis in den Praxen gezählt. In Sachsen waren es 234 Neu-Verträge (2009: 648 Azubis), in Sachsen-Anhalt 170 Neuverträge (2009: 447 Azubis), in Brandenburg 214 Neuverträge (2009: 576 Azubis) und in Thüringen 129 Neuverträge (2009: 375 Azubis). Wohingegen allein in Berlin 697 Neuverträge abgeschlossen wurden (2009: 1445 Azubis).

Und auch die anderen Stadtstaaten stehen in Sachen Praxisausbildung gar nicht so schlecht da: In Hamburg zählte das BiBB 375 Neuverträge (2009: 900 Azubis) und in Bremen 189 Neuverträge (2009: 468 Azubis).

94,5 prozentige Erfolgsquote auf einen Abschluss

Insgesamt liegen die Zahlen im Westen - mit Ausnahme des Saarlandes (mit 236 Neuverträgen und 564 Azubis in den Praxen in 2009) und der Stadtstaaten - bei der Gesamtzahl der Azubis aber oft auch bei den Neuverträgen im 1000er-Bereich.

In Baden-Württemberg wurden 1822 Neuverträge in den Praxen gezählt (2009: 6093 Azubis), in Hessen 996 Neuverträge (2009: 2922 Azubis), in Niedersachsen 1463 Neuverträge (2009: 4383 Azubis), in Rheinland-Pfalz 721 Neuverträge (2009: 2187 Azubis), in Schleswig-Holstein 653 Neuverträge (2009: 1347 Azubis), in Bayern 2770 Neuverträge (2009: 8379 Azubis) und in Nordrhein-Westfalen 3908 Neuverträge (2009: 9867 Azubis).

Interessant ist: Der Beruf der/s MFA hatte 2009 eine 94,5-prozentige Erfolgsquote auf einen Abschluss und die lag auch 2008 mit 93,8 Prozent nur knapp darunter. Aber 20,5 Prozent der Azubiverträge (2008: 18,5 Prozent) wurden auch frühzeitig aufgelöst.

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2010

So viele MFA fingen 2010 ihre Ausbildung in Praxen an
Bundesland Bundesland
Baden-Württemberg 1822 Niedersachsen 1463
Bayern 2770 Nordrhein-Westfalen 3908
Berlin 697 Rheinland-Pfalz 721
Brandenburg 214 Saarland 236
Bremen 189 Sachsen 234
Hamburg 375 Sachsen-Anhalt 170
Hessen 996 Schleswig-Holstein 653
Mecklenburg-Vorpommern 120 Thüringen 129
Quelle: BiBB, Tabelle: Ärzte Zeitung

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Gute Zahlen, schlechtes Image

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