Erfolg für Klinikärzte

Mehr Gehalt und weniger Arbeitszeit

Der neue Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern steht: Sie erhalten 4,6 Prozent mehr Geld, verteilt auf zwei Jahre, und müssen - zumindest im Mittel - weniger arbeiten.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht: 06.03.2013, 16:22 Uhr
Der Stress für Klinikärzte bleibt, aber wenigstens gibt es weniger Wochenarbeitsstunden.

Der Stress für Klinikärzte bleibt, aber wenigstens gibt es weniger Wochenarbeitsstunden.

© Widmann / imago

BERLIN/DÜSSELDORF. Die fünfte Verhandlungsrunde führte zum Durchbruch: Der Verband kommunaler Arbeitgeber (VKA) und die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) haben sich am Mittwoch auf Gehaltssteigerungen und Verbesserungen der Arbeitszeitgestaltung geeinigt.

Beide Seiten bewerteten das Ergebnis der Tarifverhandlungen als akzeptabel.

Die Arbeitgeberseite rechnet mit Mehrbelastungen für die Kliniken von 400 Millionen Euro bis Ende November 2014. Dann läuft der jetzt vereinbarte Tarifvertrag aus.

"Mit dem Abschluss nehmen die Ärzte an der allgemeinen Lohnentwicklung teil, auch wenn die Krankenhausfinanzierung dafür eigentlich keinen Raum lässt", sagte VKA-Verhandlungsführer Joachim Finklenburg im Anschluss an die Verhandlungen in Düsseldorf.

Rückwirkend mehr Gehalt

Die Gehälter der rund 50.000 Ärzte an den 500 kommunalen Kliniken in Deutschland mit Ausnahme derer in Berlin und Hamburg steigen demnach rückwirkend zum 1. Januar 2013 um 2,6 Prozent. Im kommenden Jahr wird es einen Aufschlag von weiteren zwei Prozent geben.

Als Erfolg meldet der Marburger Bund eine günstigere Bewertung der Ruhezeitgewährung, was im Gesamtergebnis des Tarifabschlusses mit 0,6 Prozent zu Buche schlage.

Gefordert hatte die Ärztegewerkschaft zum Auftakt der Verhandlungen sechs Prozent mehr Gehalt, die Arbeitgeberseite hatte bis zur vergangenen Woche auf höchstens zwei Prozent Plus beharrt.

Mittlere wöchentliche Arbeitszeit sinkt

Ein weiteres für die Ärzte positives Ergebnis sei die Verringerung der mittleren wöchentlichen Arbeitszeit von 60 auf 58 Stunden, sagte der Sprecher des Marburger Bundes, Hans-Jörg Freese, im Anschluss an die Verhandlungen der "Ärzte Zeitung".

Gleichzeitig können Ärzte das Arbeitszeitkonto nun binnen eines halben Jahres ausgleichen und nicht wie bisher binnen eines Jahres.

"In der Frage der Höchstarbeitszeit war die Arbeitgeberseite leider zu keinen weiteren Schritten zu bewegen", so der Verhandlungsführer des MB, Rolf Lübke.

Dennoch werde es für die Ärzte einfacher, die eigenen Arbeitszeiten im Blick zu behalten und die mit dem Arbeitgeber vereinbarten Höchstgrenzen einzuhalten.

Neu ist, dass der Urlaubsanspruch sich an der Berufserfahrung orientiert. So gibt es ab dem siebten Berufsjahr ingesamt 30 Tage Urlaub.

Die Krankenhäuser müssten ihre Dienstpläne nicht ändern, wertete VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann die Arbeitszeitregelungen positiv.

Mehr zum Thema

Onkologievereinbarung

Im Rahmenvertrag gilt der Wortlaut

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Andreas Kaunzner

ÖGD wieder hintenangestellt?!

Schade, dass es keine Angaben zur 3. Forderung des marburger bundes in den Tarifverhandlungen mit dem VKA gibt: der Angleichung der Gehälter der Ärztinnen und Ärzte im TV-ÖD an den TV-ÖD Ärzte.

Die Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern und dem ÖGD sind da wohl weniger die dritte (immer schwächere) Säule des Gesundheitssystemes in Deutschland als das fünfte Rad am Wagen.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Die Apothekenreform ist in trockenen Tüchern, die ABDA lobt sie als Beitrag zu einer „zukunftsfähigen Arzneimittelversorgung“.

Gesetzgebung

Bundesrat winkt Apothekenreform durch

Keine Lust aufs Essen? Übelkeit und Geschmacksverlust deuten bei Kindern eher auf COVID-19 als Atemwegssymptome.

Corona-Splitter

Die COVID-19-Symptome bei Kindern

Per Sectio wurden im Jahr 2018 in Deutschland 29 Prozent der Kinder zur Welt gebracht.

Erste Lebensjahre

Höheres Infektionsrisiko für Kaiserschnitt-Kinder