Direkt zum Inhaltsbereich

Zukunftsbranche Gesundheit

Mehr Markt, weniger Staat - ist das die Lösung?

Der Staat stellt die Rahmenbedingungen und hält sich ansonsten aus dem Gesundheitssystem raus. Ein solches Konzept könnte zu weniger Bürokratie führen.

Von Uwe K. Preusker Veröffentlicht:

Der schleswig-holsteinische Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg äußerte auf dem Kongress "Vernetzte Gesundheit" in Kiel einen geradezu verwegenen Gedanken: Nach dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz wünsche er sich als nächstes großes Vorhaben ein "GKV-Entbürokratisierungsgesetz"!

Die Idee ist richtig und schon lange überfällig - aber nicht ganz neu: Schon 2007 schlug der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR Gesundheit) eine Entwicklung hin zum Gewährleistungsstaat vor.

Gewährleistungsstaat statt Eingriffsverwaltung, Rahmengesetzgebung statt Detailregelung - auf diesen kurzen Nenner kann man auch die Idee bringen, die Garg jetzt mit dem Begriff "GKV-Entbürokratisierungsgesetz" umschrieb.

Krankenhausplanung umgestalten

Der SVR Gesundheit hatte das Konzept des Gewährleistungsstaates vor allem für die Umgestaltung der Krankenhausplanung konkretisiert. Danach stellt der Staat sicher, dass öffentliche Güter bereitgestellt werden, ohne diese immer selbst zu erstellen.

Vielmehr überträgt der Staat nach diesem Konzept die Bereitstellung auf private oder gemeinnützige Akteure, wobei auch Mischformen zwischen staatlicher, gemeinnütziger und privater Aktivität im Sinne des Public Private Partnership möglich sind. Der Gewährleistungsstaat - so der SVR Gesundheit - stellt dabei Organisations-, Verfahrens- und Regelungsstrukturen bereit.

Diese Strukturen bringen nicht-staatliche Akteure, die primär ihre eigenen Interessen verfolgen, dazu, dass ihre Handlungen dennoch zum Gemeinwohl beitragen - in Analogie zur "unsichtbaren Hand" des Marktes.

Die Sachverständigen sahen die Zulassung von Krankenhäusern, das Monitoring einer ausreichenden Versorgung und Qualität und ein Eingreifen für den Fall einer Unterversorgung als konkrete Aufgaben des Gewährleistungsstaates.

Konzept eignet sich für Umbau des gesamten Gesundheitssystems

Doch das vom SVR Gesundheit hier auf den Umbau der Krankenhausplanung der Länder - von einer Detailplanung hin zu einer Rahmenplanung - vorgestellte Konzept eignet sich nicht nur für den Klinikbereich, sondern für einen Umbau des gesamten Gesundheitssystems. So könnte das Konzept ebenso auf die gesamten Leistungen, auch auf die ambulante Versorgung oder die Pflege, übertragen werden.

Dabei würden weder das Organisationsrecht noch die ökonomische Handlungsfreiheit privater und gemeinnütziger Akteure im Gesundheitsmarkt durch mehr Detailregelungen eingeschränkt. Dennoch würde nicht auf die gezielte Verfolgung zentraler gesundheitspolitischer oder gesellschaftlicher Ziele verzichtet.

Verzichten müssten Gesundheitspolitik und -verwaltung allerdings auf den direkten Eingriff ins Gesundheitssystem. Auch müsste das Konzept um den Aspekt der Sicherstellung der Transparenz für Patienten ergänzt werden, damit Wahlmöglichkeiten dann auch tatsächlich genutzt werden könnten.

Fördern statt Bestrafen - also Verzicht auf Budgets, Deckelungen und Kostendämpfung und stattdessen Anreize für eine florierende, solidarische und am Patienten orientierte Gesundheitslandschaft in Deutschland! Damit käme man dem Gewährleistungsstaat ein gutes Stück näher. Weitere Entbürokratisierungsgesetze könnten dann vielleicht sogar überflüssig werden!

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Klarstellung veröffentlicht

AOP-Katalog und Narkose-Leistungen: Wann die EBM-Abrechnung möglich ist

Ambulantisierung

WIdO-Chef: „Die Aufteilung nach Sektoren ist die Denke von gestern“

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Aktuelle Analyse von Krankenhausfällen

Krankenhaus-Report: Hohes Potenzial für Ambulantisierung in Deutschland

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Extrapulmonale Auffälligkeiten

Studie: Zufallsbefunde beim Lungenkrebs-Screening deuten auf Krebs hin

Lesetipps
Ein Arzt hält ein Model des männlichen Geschlechtstraktes und zeigt mit einem Stift auf die Prostata.

© Peakstock / stock.adobe.com

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

Modell des Darms

© SewcreamStudio / Stock.adobe.com

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram