Bilanz

Merck Darmstadt: Unterm Strich ein Rekordjahr

Als Ausrüster für Labore und Pharmaproduktion konnte Merck von der Pandemie profitieren – im Geschäft mit künstlicher Befruchtung allerdings nicht.

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Konzernlogo am Stammsitz Darmstadt. Das älteste Pharmaunternehmen der Welt setzt auf ein modernes Erscheinungsbild.

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© Merck KGaA

Darmstadt. Im letzten Jahr vor seinem Abschied als Chef der Merck KGaA kann Stefan Oschmann noch einmal Rekordzahlen melden. Trotz Pandemie, die vor allem das Fertilitäts-Geschäft infolge abgesagter Patiententermine stark belastete (-13 Prozent), verbuchte der Traditionskonzern knapp neun Prozent Umsatzplus (auf 17,5 Milliarden Euro). Dazu habe neben steigender Marktnachfrage insbesondere die Integration des 2019 akquirierten US-Unternehmens Versum Materials, eines Zulieferers der Halbleiterindustrie beigetragen, heißt es. Noch besser als die Verkäufe entwickelte sich der Konzerngewinn, der nach Steuern mit fast 2,0 Milliarden Euro 51 Prozent über Vorjahr lag. Als Gründe für den kräftigen Gewinnzuwachs werden unter anderem geringere Abschreibungen und ein besseres Finanzergebnis genannt sowie ein Sonderertrag aus der Auflösung einer Millionen-Rückstellung nach gewonnenem Patentstreit mit Biogen um Rechte an dem MS-Wirkstoff Interferon-beta-1a. Die Aktionäre sollen je Merck-Titel 1,40 Euro Dividende erhalten (Vorjahr: 1,30).

Die Pharmasparte („Healthcare“) konnte die zweistelligen Einbußen mit künstlicher Befruchtung an anderer Stelle nur zum Teil ausgleichen und schloss mit 6,6 Milliarden Euro 1,1 Prozent unter Vorjahr. Wachstumsträger waren, wenn auch weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau, das Krebsimmuntherapeutikum Bavencio® (Avelumab) sowie die MS-Tablette Mavenclad® (Cladribin). Der PD-L1-Inhibitor Avelumab brachte mit 156 Millionen Euro 57 Prozent mehr als 2019. Wettbewerber erwirtschaften mit ähnlichen Checkpointinhibitoren allerdings schon ein Vielfaches. Auch deshalb ruhen Mercks Hoffnungen auf Studienerfolgen in breiteren Indikationsgebieten. Bisher ist Bavencio® gegen Nierenzell-, Merkelzell- und seit kurzem auch Urothelkarzinom zugelassen, Studien mit Avelumab gegen Ovarial- und Magenkarzinom sowie zuletzt Kopf- und Halstumoren blieben dagegen erfolglos; Entwicklungspartner ist Pfizer.

Die MS-Tablette Mavenclad® trug 531 Millionen Euro (+65 Prozent) zu den Pharmaerlösen bei – und damit beinahe schon die Hälfte des langjährigen und auch 2020 noch umsatzstärksten Merck-Produkts, des patentfreien MS-Mittels Rebif® (Interferon-beta-1a), das zuletzt 1,1 Milliarden Euro (-11,1 Prozent) einspielte. Das Ziel, mit Avelumab und Mavenclad einmal um zwei Milliarden Euro Jahresumsatz zu generieren, scheint gleichwohl noch in weiter Ferne.

Mit Krebs- und MS-Mitteln, den beiden Kategorien, auf die sich Mercks F&E-Anstrengungen zur Portfolio-Verjüngung hauptsächlich richten, werden inzwischen 42 Prozent (Vorjahr: 39 Prozent) der Pharmaeinnahmen erzielt, mit Fertilitätsprodukten 16 Prozent (19 Prozent). Mit patentfreien Altoriginalen der Grundversorgung, wie unter anderem Meformin (Glucophage®) oder der Betablocker Bisoprolol (Concor®), wurden unverändert 42 Prozent des Spartenumsatzes erwirtschaftet.

Die Prognose für 2021, die Oschmann seiner Nachfolgerin, der Spanierin Belén Garijo, mit auf den Weg gibt: Ein „starkes organisches“ Umsatzwachstum und eine mindestens hoch einstellige Zunahme des operativen Gewinns. (cw)

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