PEPP-Entgeltsystem

Mit der Klinik-IT klappt's schon

PEPP, das neue Entgeltsystem in der Psychiatrie, erntet viel Kritik. Von IT-Seite ist der Umstieg allerdings beherrschbar, wie erste Erfahrungen der Testphase zeigen.

Von Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 24.05.2013, 05:54 Uhr
Mit der Klinik-IT klappt's schon

Lange Leitung? Nicht bei der Klinik-IT für die PEPP.

© Heiko Barth / fotolia.com

BERLIN. Anders als beim DRG-System werden beim neuen PEPP-Entgeltsystem für die Psychiatrie und die Psychotherapie keine fixen Pauschalen pro Diagnose vorgeschrieben, sondern degressive Tagessätze angelegt.

Das macht das PEPP-System flexibler als das DRG-System. Trotzdem wird ein klarer Anreiz gesetzt, die Behandlungsdauer kurz zu halten.

Die Einführung des PEPP-Systems soll sich über viele Jahre ziehen. Seit Anfang 2013 läuft eine Optionsphase, die es Kliniken ermöglicht, das System zu testen. Bei der IT-Messe conhIT 2013 in Berlin wurde über erste Erfahrungen damit berichtet.

Eine der wenigen Kliniken, die bereits mit der IT-Umsetzung des PEPP-Systems begonnen haben, ist das Westküstenklinikum in Brunsbüttel. Krankenhaus-Controlling-Leiter Dr. Martin Blümke bewertete die bisherigen Erfahrungen als positiv.

Auch wenn das PEPP-System einer anderen Systematik folge als das DRG-System, sei die Umsetzung im Alltag doch ähnlich.

Typische DRG-Parameter wie der Case-Mix-Index oder der Day-Mix-Index ließen sich auch im PEPP-System analog ermitteln. Die Tatsache, dass es nur etwa 75 PEPP (statt weit über 1000 DRG) gebe, verbessere zudem die Übersichtlichkeit.

Simulationen in zahlreichen Kliniken

Zwei Punkte sind Blümke aufgefallen. Zum einen wird durch das PEPP-System jetzt auch in der Psychiatrie die korrekte ICD-Codierung für die Abrechnung enorm wichtig. Auch die OPS-Codes müssen beachtet werden. Sie seien aber nur bei etwa 10 Prozent der Patienten ergebnisrelevant.

Der zweite wichtige Punkt aus Controlling-Sicht sind die tagesbezogenen Auswertungen, die in der DRG-Welt so nicht vorkommen. Die tagesbezogenen Auswertungen zeigen, an welchen Tagen oder in welchen Wochen der Punktwert aus Erlös-Sicht ungünstig ist.

Dies könne dann beispielsweise mit Urlaubsplänen der Mitarbeiter korreliert werden, um zu sehen, wo und zu welchen Zeiten personell nachgesteuert werden muss.

Wie die IT-Umsetzung des PEPP-Systems konkret aussieht, hat in Berlin das Unternehmen Siemens für sein Klinikinformationssystem medico vorgeführt. Siemens setzt auf eine tief integrierte PEPP-Lösung, die auf die Anbindung externer Tools über Schnittstellen weitgehend verzichtet.

Die PEPP-Lösung in medico erlaubt es Kliniken, einen PEPP-Umstieg zu simulieren, um die Prozesse zu trainieren, ohne dass diese gleich auf die Erlöse durchschlagen. Dies werde von den derzeit vier Kliniken, die das System schon nutzen, sehr positiv bewertet.

In den nächsten Wochen sollen in einigen weiteren Häusern die Simulationen freigeschaltet werden. Nochmals zehn Kliniken sind fürs zweite Halbjahr anvisiert. Eine größere Welle wird dann im Jahr 2014 erwartet.

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