Präzisionsonkologie

Molekulare Diagnostik: Chancen nutzen!

In der onkologischen Versorgung findet mit der Präzisionsonkologie gerade ein Paradigmenwechsel statt. Deren Potenzial wird aber oft noch unterschätzt.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Unter der Lupe: Auch Krebspatienten erwarten heutzutage, dass das Potenzial, das die Molekulardiagnostik der Präzisionsonkologie verspricht, individuell für sie von ihren Onkologen ausgeschöpft wird.

Auch Krebspatienten erwarten heutzutage, dass das Potenzial, das die Molekulardiagnostik der Präzisionsonkologie verspricht, individuell für sie von ihren Onkologen ausgeschöpft wird.

© vege / stock.adobe.com

Leverkusen. Niedergelassene Ärzte schöpfen bei ihren Krebspatienten das Potenzial der Molekulardiagnostik noch nicht vollumfänglich aus, bedauerte Professor Sonja Loges, Ärztliche Direktorin der Abteilung für personalisierte Onkologie am Uniklinikum Mannheim, Mitte April in einem virtuellen Live-Event des Unternehmens Bayer unter dem Motto „Präzisionsonkologie – ist Deutschland bereit für den Paradigmenwechsel?“.

Loges, die auch als Leiterin der Abteilung Personalisierte Medizinische Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie als sowie Sprecherin der AG Molekulare und Translationale Onkologie der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) fungiert, richtete an die niedergelassenen Kollegen den Appell, den Schulterschluss mit onkologischen Kliniken zu suchen, die inzwischen flächendeckend molekulare Tumorboards inklusive entsprechender Testungen anböten – auch zu Lasten der GKV.

Verweis auf Leitlinien

Die Leitlinien der European Society for Medical Oncology (ESMO) sowie ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) empfehlen, wie Loges ergänzt, die molekulare Diagnostik dann, wenn das Ergebnis prädiktive Bedeutung habe.

Rückenwind bekommt Loges von Professor Christof von Kalle, Vorsitzender am Berlin Institute of Health und Direktor des klinischen Studienzentrums. „Die molekulare Diagnostik ist eine der Grundvoraussetzungen für eine individualisierte Krebstherapie. Jeder Patient, der beispielsweise chirurgisch nicht ausreichend behandelt werden kann, sollte molekular getestet werden“, so von Kalle, der auch Mitglied im Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen ist.

Wie Dr. Franz Böhme, Leiter Medizin Onkologie/Hämatologie bei Bayer Vital, resümierte, habe die Onkologie die Ära der zytotoxischen Therapie ebenso hinter sich gelassen wie das Zeitalter der zielgerichteten Therapien und sei nun in der Ära der Präzisionsonkologie angekommen – es gehe um die Chronifizierung einer Krebserkrankung mit guter Lebensqualität.

Das Manko: Aktuell sei die Molekulardiagnostik hierzulande noch nicht in der Routineversorgung angekommen. Damit mehr Krebspatienten von präzisionsonkologischen Therapien profitieren könnten, sei es nötig, früher nach Ausschöpfen kurativer Optionen und breiter als bisher molekular zu testen.

Weniger Off-target-Effekte

Es habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass jeder Tumor individuelle onkogene Treiber aufweise, die auch unabhängig von der Art und der Lokalisation des Tumors vorliegen könnten. Nur mit molekularer Diagnostik seien diese spezifischen Genveränderungen im Tumorgewebe nachweisbar, die in einigen Fällen ein sehr präzises therapeutisches Vorgehen erlaubten. Präzisionsonkologische Therapien setzten spezifisch und meist sehr selektiv an der genetischen Alteration respektive am jeweiligen Genprodukt an, das zur Tumorentstehung und zum -wachstum führe und könnten so eine bessere Wirksamkeit entfalten. Zugleich gebe es weniger Off-target-Effekte und Nebenwirkungen.

Dr. Bettina Ryll, Mitglied des Horizon Europe Cancer Mission Board der Europäischen Kommission und Vertreterin von Patienteninteressen, erinnerte daran, dass Patienten heute Therapieansätze erwarteten, die auf bestmögliche Ergebnisse für den Einzelnen abzielten: „Je besser wir Tumoren verstehen und angemessen in der Diagnostik abbilden können, umso höher sind unsere Chancen, Therapien anzupassen und Therapieerfolge zu steigern.“

Und ergänzte: „Mit zunehmender Personalisierung von Therapien wird die systematische Erfassung und unabhängige Auswertung von Gesundheitsdaten immer wichtiger, um sicherzustellen, dass diese auch in der Tat zu verlängertem Überleben und besserer Lebensqualität für Patienten führen.“

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