Kommentar zu Mordvorwürfen gegen Pfleger

Mysterium Klinikroutine

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 12.12.2014, 17:44 Uhr

Ein Krankenpfleger aus Niedersachsen könnte über Jahre hinweg auf den Intensivstationen in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst Dutzende Patienten mit einem Herzmedikament getötet haben.

Wie jetzt bekannt wurde, gab es schon frühe Hinweise auf Auffälligkeiten. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob Klinikmitarbeiter und sogar ehemalige Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Verdachtsmomenten nicht mit der gebotenen Sorgfalt nachgegangen sind.

Natürlich fragt man sich: Hat niemand den plötzlich erhöhten Arzneiverbrauch bemerkt? Die vermehrten Sterbefälle?

Gewiss - eine Misstrauenskultur auf den Intensivstationen wäre fatal für die schwer kranken Patienten und für alle Mitarbeiter. Ärzte und Pfleger müssen darauf vertrauen, dass alle Kollegen den Grundkonsens von Pflege, Respekt und Fürsorge teilen.

Es scheint aber manches dafür zu sprechen, dass in der Krankenhausversorgung eine betäubende Routine herrschen kann, in der Täter, wie Niels H. vielleicht einer ist, praktisch verschwinden.

Das Kunststück dürfte sein, routiniert und zugleich aufmerksam zu arbeiten. Dass aber die Staatsanwaltschaft deutlichen Hinweisen nicht nachgegangen sein könnte, wäre unfassbar. Sie hätte schlichtweg ihre Arbeit nicht getan.

Lesen Sie dazu auch: Tötung auf Station?: Acht Klinikmitarbeiter unter Verdacht

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