Anerkennungsverfahren

NRW will Vorreiterrolle einnehmen

Um sich beim Buhlen um medizinische Fachkräfte aus dem Ausland, einen Vorteil zu verschaffen, setzt Nordrhein-Westfalen etwa auf elektronische Antragsstellung.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 26.06.2019, 06:03 Uhr
NRW will Vorreiterrolle einnehmen

Bei der Suche nach Ärzten und Fachkräften lohnt der Blick über Landesgrenzen, die Anerkennungsprozesse aber können sich ziehen.

© Christian Schwier / Fotolia

DÜSSELDORF. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) will im Werben um Ärzte und Vertreter anderer Gesundheitsberufe aus dem Ausland mit schlanken Prozessen punkten. Dafür zentralisiert und beschleunigt es die Anerkennungsverfahren von ausländischen Berufsqualifikationen.

Künftig wird auch die elektronische Antragstellung direkt aus dem Ausland möglich sein. „Damit erhalten wir einen kleinen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Regionen in Deutschland“, hofft der Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Ab 2020 werden in NRW sämtliche Anerkennungsverfahren für im Ausland erworbene Qualifikationen in Heilberufen mit Approbation und Gesundheitsfachberufen ohne Approbation bei der Bezirksregierung Münster gebündelt. Das habe das Kabinett auf seinen Vorschlag hin entschieden, berichtete Laumann. Bisher sind die mit der Anerkennung verbundenen Aufgaben auf fünf Bezirksregierungen sowie das Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie verteilt.

Was ist die Kritik?

Für Fachkräfte aus dem Ausland seien die Abläufe oft kaum zu durchschauen, kritisierte der Minister. Auch die langen Bearbeitungszeiten seien abschreckend. „Bei Ärzten dauert es im Moment fast 200 Tage“, sagte er. Künftig sollen die Mitarbeiter in Münster innerhalb von 14 Tagen die Vollständigkeit der Unterlagen prüfen, gegebenenfalls weitere Dokumente anfordern und dann innerhalb von zwei Monaten entscheiden, ob die Qualifikationen der Interessenten gleichwertig mit den deutschen sind.

„Ich bin überzeugt, dass wir damit ein effizientes und den ausländischen Fachkräften zugewandtes Verfahren haben“, sagte Laumann. Das Gesundheitswesen brauche eine Willkommenskultur. „Die Leute müssen merken, dass wir uns freuen, wenn sie bei uns arbeiten wollen.“

Die neuen Strukturen gingen nicht mit einer mangelnden Sorgfalt einher, betonte Laumann. „Wir werden nicht lascher in der Überprüfung.“

NRW investiere viel in die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten gerade in der Medizin und werde das auch in Zukunft tun. „Dennoch ist ganz klar, dass wir im Gesundheitsbereich über Jahrzehnte eine Zuwanderung von Fachkräften brauchen werden“, sagte er. 2017 gab es in dem Bundesland 3831 Anträge auf Anerkennung von Berufsqualifikationen in Gesundheitsberufen. Das waren 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Es wird noch Jahre so weitergehen, dass die Zahlen erheblich steigen,“ so Laumann.

26.000 Ärzte aus Rumänien nach Westeuropa

Die meisten Fachkräfte kommen aus der Ukraine, Bulgarien und Rumänien nach NRW. Das kann in diesen Ländern zu Problemen führen, weiß der Minister. In den vergangenen fünf Jahren hätten 26.000 Ärzte Rumänien in Richtung Westeuropa verlassen – ein Land, das so groß ist wie NRW. „Dort sind so viele Ärzte weggegangen, wie wir in Nordrhein-Westfalen in 13 Jahren ausbilden.“

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