Vergabe-Chaos

Nachrückverfahren für Medizinstudienplätze an Uni Frankfurt ausgesetzt

Die Frankfurter Uni hat bei 282 Medizinstudienanwärtern die Zulassung zum Studium zurückgenommen. Wird Koordiniertes Nachrücken für sie doch noch möglich? Die Uni arbeitet daran. Auch der Marburger Bund fordert eine schnelle Lösung.

Elisabeth KerlerVon Elisabeth Kerler und Christoph BarkewitzChristoph Barkewitz Veröffentlicht:
Wer darf noch rein, wer nicht? 282 Medizinstudienanwärter wären gern dabei.

Wer darf noch rein, wer nicht? 282 Medizinstudienanwärter wären gern dabei.

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Frankfurt am Main. Neue Wendung im Chaos bei der Vergabe der Medizinstudienplätze in Frankfurt: Das Verfahren Koordiniertes Nachrücken, in dem Restplätze für Medizin vergeben werden, setzt vom Mittwoch, 31. August, bis Donnerstag, 1. September aus. Das steht auf der Homepage der Goethe-Universität in Frankfurt.

282 Medizinstudienanwärter (251 Human-, 31 Zahnmedizin) hatten von der Uni Frankfurt eine Zulassung bekommen, die danach wieder zurückgezogen wurde. Allerdings sind sie bislang vom Verfahren Koordiniertes Nachrücken ausgeschlossen.

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Vom 31. August bis 1. September ist das Bewerbungsportal gesperrt und auch für die Betroffenen nicht zugänglich. Die Uni erklärt den Schritt: Er sei nötig, damit die Stiftung für Hochschulzulassung mit den Gremien und Ministerien das weitere Vorgehen planen könne. Nach Angaben der Uni klären die Stiftung und das hessische Wissenschaftsministerium, ob die Teilnahme am Nachrückverfahren doch noch ermöglicht werden kann.

Marburger Bund: Wir brauchen die Studenten dringend

Der Marburger Bund Hessen fordert unterdessen eine schnelle und unbürokratische Lösung, damit die Betroffenen kurzfristig das Medizinstudium aufnehmen könnten. Pauline Graichen, Vorsitzende des Sprecherrats der Medizinstudierenden im MB, forderte alle Beteiligten von Universität, Landesregierung und Stiftung für Hochschulzulassung auf, umgehend daran zu arbeiten.

Der MB-Landesvorsitzende Dr. Christian Schwark nannte es inakzeptabel, dass in Zeiten des Fachkräftemangels und einem zunehmenden medizinischen Versorgungsbedarf in der Bevölkerung die angehenden Medizinstudierenden unverschuldet die Konsequenzen eines Fehlers im Zulassungsverfahren tragen müssten: „Angesichts von Ärztemangel in Kliniken und Landarztpraxen brauchen wir die Medizinstudierenden dringend.“

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Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) teilte auf Anfrage der Ärzte Zeitung mit, sie begrüße das Beratungsangebot der Universität, das neben einer rein akademischen Beratung auch soziale Unterstützungsangebote beinhalten solle.

Bvmd-Sprecherin Emily Troche forderte diesbezüglich, dass die individuelle Situation der Bewerber und Bewerberinnen berücksichtigt werde und in Fällen besonderer Härte darüber hinaus noch zusätzlich Unterstützung erfolgen müsse.

bvmd: Ausbildungsqualität muss erhalten bleiben

Troche verweist aber auch auf die damit verbundenen Schwierigkeiten. Mit der teils geforderten Zulassung der aktuell Betroffenen könne die Ausbildungsqualität für diese und die anderen bereits zugelassenen Studierenden stark leiden, denn die Anzahl der möglichen Studienanfänger beruhe auf den räumlichen und personellen Kapazitäten des Standorts sowie der Zahl der für den Unterricht verfügbaren Patienten und Patientinnen.

Unterstützung kommt auch von der SPD-Fraktion im Landtag. Deren gesundheitspolitische Sprecherin, Dr. Daniela Sommer, forderte von der Uni und vom Land Hessen, den rechtlichen und materiellen Schaden auszugleichen, der den betroffenen Studienanwärtern entstanden sei. „Was die Universität als bedauerliches Versehen beschreibt, ist tatsächlich eine Katastrophe, die das Zeug dazu hat, die berufliche Zukunft von 282 jungen Menschen zu vernichten.“

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