Europäischer Vergleich

Neue Arzneimittel kommen in Deutschland am schnellsten in den Markt

Weil in Deutschland neue Arzneimittel sofort nach Zulassung erstattet werden, kommen sie im europäischen Vergleich hierzulande auch am schnellsten in den Markt.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Arzneimittel unter der Lupe: Der Pharmadachverband efpia vergleicht regelmäßig, wie lange es dauert, bis Innovationen in die EU-Märkte kommen.

Arzneimittel unter der Lupe: Der Pharmadachverband efpia vergleicht regelmäßig, wie lange es dauert, bis Innovationen in die EU-Märkte kommen.

© Frank Rumpenhorst / dpa / picture-alliance

Brüssel. Zu den Kriterien für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem zählt gemeinhin unter anderem auch die sogenannte „Time to Market“, die Zeit, die es dauert, bis ein neues Medikament nach erfolgter Zulassung regulär verordnet werden kann.

Eine aktualisierte Erhebung des europäischen Pharmadachverbands efpia (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations) zeigt, das Deutschland in dieser Hinsicht weiterhin am besten im europäischen Vergleich abschneidet.

Innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums betrug demnach die durchschnittliche Zeit von der zentralen europäischen Zulassung eines neuen Produkts durch die EU-Kommission bis zur Markteinführung im Dreijahreszeitraum 2016 bis 2018 „weiterhin 504 Tage“; frühere Ausgaben der Analyse wurden 2017 (für 2014 bis 2016) und 2018 (für 2015 bis 2017) veröffentlicht.

Schlusslicht Polen

In Deutschland erhalten Patienten am schnellsten Zugang zu neuen Medikamenten: Hier vergingen zwischen Marktfreigabe und -einführung zuletzt durchschnittlich 127 Tage: Schlusslicht ist Polen, wo Neueinführungen zuletzt im Schnitt 823 Tage benötigten (siehe nachfolgende Tabelle).

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Die Pole-Position in Sachen Time to Market verdankt das hiesige Gesundheitssystem vor allem der Tatsache, dass bereits unmittelbar nach Zulassung die Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen erfolgt und die Nutzenbewertung mit anschließender Preisverhandlung parallel läuft.

In den meisten anderen europäischen Ländern sind Nutzenbewertungsverfahren und Preisverhandlungen mit den Kostenträgern der Erstattung – und damit der Verordnung in der Breite – vorgelagert (sogenannte „vierte Hürde“).

Träger Osten

Hinzu kommen, wie es in dem Report heißt, länderspezifische Eigenheiten – etwa komplexe lokale Entscheidungsebenen oder diagnostische und finanzielle Insuffizienzen –, die zu verzögerter Markteinführung beitrügen. Insbesondere im europäischen Osten, vom Baltikum bis hinunter nach Griechenland, dauert es den Angaben zufolge auffällig lange, bis Patienten neuere Präparate erhalten können. In Skandinavien und den westlichen Ländern sieht es dagegen besser aus.

Europaweit müsse die Time to Market beschleunigt und harmonisiert werden, fordert der Industrieverband efpia. Dazu seien Effizienz und Qualität von Nutzenbewertungsprozessen zu optimieren und bei der Preisbildung gezielter und konsequenter der medizinische Wert und die Zahlungsfähigkeit des Gesundheitssystems in Einklang zu bringen, wie es etwas sehr allgemein heißt.

Deutlich wird allerdings auch, dass allein eine europaweit vereinheitlichte Nutzenbewertung, wie sie derzeit in der Kommissions-Schublade liegt („Euro-HTA“), aus Herstellersicht noch nicht das Ende der Wunschliste ist.

Mehr zum Thema

Quartalswechsel

Der Juli bringt diese Neuerungen für Ärzte und Praxen

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Handschlag mit sich selbst: Im MVZ können sich die Gesellschafter-Geschäftsführer selbst anstellen, so das BSG.

© Lagunov / stock.adobe.com

Bundessozialgericht

Selbsteinstellung im MVZ? Unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Die meisten Behandlungsfehler passieren im stationären Bereich. Das lässt eine nicht repräsentative Analyse des Medizinischer Dienst Bundes vermuten. 

© Blue Planet Studio / stock.adobe.com

Behandlungsfehler-Statistik

MD-Bund: „Never Events“ endlich verpflichtend melden!

COVID-19 auf der Intensivstation: Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie im März 2020 wurden laut DIVI insgesamt 195.698 intensivmedizinische COVID-Behandlungen abgeschlossen.

© Sebastian Gollnow/dpa

Steigende Corona-Inzidenz

So ist die COVID-19-Lage auf deutschen Intensivstationen