MRSA im Griff

Neue Erreger plagen Kliniken

Häufigeres Händewaschen und mehr Personal könnten Infektionen in Krankenhäusern vermeiden helfen. Ein Problem stellen aber neue Erreger und Antibiotika-Resistenzen dar.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht: 27.03.2013, 05:04 Uhr
So viel Zeit muss sein: Chirurginnen beim Händewaschen.

So viel Zeit muss sein: Chirurginnen beim Händewaschen.

© Getty Images / Wavebreak Media

BERLIN. Der Kampf gegen die Keime in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist nicht aussichtslos.

"Die Trendumkehr wurde 2011 geschafft. MRSA steigt nicht mehr an", sagte Professor Dr. Petra Gastmeier.

Gastmeier, die das Nationale Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen an der Charité leitet, berief sich auf die Ergebnisse der Prävalenzstudie 2011 "Mikroorganismen bei nosokomialen Infektionen".

Ein Grund für Entwarnung ist dies nicht. Verschwunden sind die MRSA deshalb noch lange nicht. Dazu kommt: Das Auftreten von Enterokokken entwickele sich dramatisch, das von gramnegativen Erregern sogar noch schlimmer, sagte Gastmeier bei einer Diskussionsveranstaltung des Verbands der Innungskrankenkassen (IKK).

Nach wie vor beteiligten sich nur 800 von 2000 Krankenhäusern an der Aktion "Saubere Hände", berichtete Gastmeier.

Zwischen 2007 und 2011 sei der Desinfektionsmittelverbrauch in 155 Kliniken allerdings gestiegen, die permanent daraufhin beobachtet worden seien.

Die Prävalenzstudie zeigt, dass der Staphylococcus aureus nicht mehr der auffälligste Keim ist. Abgelöst haben ihn die E.Coli-Bakterien, Enterokokken und Clostridien.

Mehr Personal gefordert

Die parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, mahnte die Krankenhausverwaltungen, die Klinikhygiene nicht nur als Kostenfaktor zu begreifen. "Das sind Investitionen, die sich mehr als einmal amortisieren," sagte die CDU-Politikerin.

Die Infektionen kosteten das Gesundheitssystem Milliarden Euro, sagte die Hamburger Gesundheitssenatorin, Cornelia Prüfer-Storks.

Sie forderte mehr Personal für die Krankenhäuser. Das sei kein Widerspruch. Die Zahl der Harnwegsinfektionen von Patienten einer Klinik hänge auch vom Personalschlüssel ab.

Pflegeheime in die Reichweite des Infektionsschutzgesetzes zu rücken, sei ein erster notwendiger Schritt einer Novellierung dieses Gesetzes, sagte Prüfer-Storks.

Gegen generelle Keim-Screenings

Kritik am Gesetz übte auch Krankenhaushygieniker Professor Henning Rüden, der die Helios-Kliniken berät.

Die Kliniken seien nicht in der Pflicht, ihre Keimbelastung zu erfassen. Die Datenlage sei nicht ausreichend. Die Fachleute aus Deutschland und den Niederlanden sprachen sich gegen generelle Keim-Screenings aus. Dies legten Studien aus der Schweiz und Großbritannien nahe.

Sinnvoll sei dagegen ein Screening von Risikopatienten vor der Aufnahme. In den Niederlanden wird dies mit Erfolg bereits so gehalten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat schon 2012 ein Investitionsprogramm für die Infektionsprophylaxe gefordert.

Residenzen bereiten Sorgen

Die Fachleute waren sich einig, dass sich zwar nicht jede Klinikinfektion, wohl aber bis zu jeder dritten nosokomialen Infektion vermeiden ließe.

Sorgen bereiten die Resistenzen, die die Keime gegen immer mehr Medikamente entwickeln. Der Umgang mit Antibiotika komme in der Medizinerausbildung zu kurz, warnten die Wissenschaftler.

Die Resistenzen schritten schneller voran, als die Entwicklung neuer Medikamente, sagte Gastmeier. Die Pharmafirmen zögen sich zunehmend aus der Forschung an neuen Antibiotika zurück.

Dem widersprach ein Sprecher des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa). Nach der Jahrtausendwende sei der Output neuer Antibiotika zurückgegangen, aber nie auf Null gesunken, sagte der Sprecher auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Der Fokus habe auf der Entwicklung von Klinikpräparaten gegen resistente Keime gelegen. Im Oktober 2012 sei ein Medikament gegen MRSA auf den Markt gekommen, im vergangenen Januar eines zur Behandlung von Clostridium difizile.

Bereits im Zulassungsverfahren sei ein Medikament gegen gramnegative Erreger.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Einsatz gegen Keime gefragt

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