Öffentliche Kliniken knausern meist mit Leistungsboni

Volle Leistungsentgelte erhalten Mitarbeiter in kommunalen Krankenhäusern nur mit einer entsprechenden Dienstvereinbarung, urteilt das Bundesarbeitsgericht.

Veröffentlicht:

ERFURT (mwo). Leistungsabhängige Gehaltsbestandteile in öffentlichen Kliniken werden nur dann voll ausgeschüttet, wenn es im konkreten Betrieb hierzu eine Dienstvereinbarung gibt.

Andernfalls müssen sich die Arbeitnehmer mit einer etwa hälftigen Pauschale begnügen, urteilte das Bundesarbeitsgericht (BAG) zum Tarif der kommunalen Arbeitgeber.

Nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) können die Arbeitgeber mit Arbeitnehmern oder Arbeitnehmer-Gruppen Zielvereinbarungen treffen und sogenannte Leistungsentgelte vereinbaren, wenn die Ziele erreicht werden.

Der Tarif regelt detailliert, wie viel Geld hierfür zur Verfügung steht. Laut TVöD der Kommunen und entsprechend auch laut TVöD-Krankenhäuser soll in den einzelnen Dienststellen mit den Arbeitnehmervertretern eine Dienst- oder Betriebsvereinbarung getroffen werden, die darlegt, wie solche Leistungsentgelte konkret berechnet und ausgeschüttet werden.

Andernfalls wird pauschal ein "undifferenziertes Leistungsentgelt" gezahlt, das das eigentlich verfügbare Geld aber nur etwa zur Hälfte ausschöpft.

Volle Ausschüttung nur bei Dienst- oder Betriebsvereinbarung

Gestützt auf eine ergänzende Protokollnotiz zum TVöD der Kommunen meinte ein Mitarbeiter der Volkshochschule Solingen und Wuppertal, ihm stehe auch ohne Dienstvereinbarung spätestens ab dem zweiten Jahr das volle Leistungsentgelt zu.

Die Erfurter Richter wiesen die Klage ab: Nach Wortlaut und Zweck der tariflichen Regelungen bestehe ein solcher Anspruch nicht. Die volle Ausschüttung setze eine Dienst- oder Betriebsvereinbarung voraus, so das BAG.

Nach einer Bestandsaufnahme der Gewerkschaft Verdi in Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 2007 waren zumindest damals Dienstvereinbarungen zum Leistungsentgelt die Ausnahme.

Az.: 10 AZR 202/11

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Bundessozialgericht

BSG klärt Verjährungsfristen für Krankenhausrechnungen

Urteil

BSG definiert, wann Neugeborenen-Infektion „angeboren“ ist

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Sie fragen – Experten antworten

Keine Gelbfieberimpfung bei Patienten über 60 Jahren: Stimmt das?

Lesetipps
Das hochintensive Intervalltraining (HIIT) enthält kurze, aber maximale Belastungsphasen mit anschließender kurzer Erholungspause.

© shevtsovy / stock.adobe.com

Prävention kardiometabolischer Risiken

Wie hochintensives Intervalltraining Herz und Lungen stärkt

Eine Frau Lipödemen in den Beinen.

© Mykola / stock.adobe.com / generated AI

Übersichtsarbeit

Lipödem: Welche Therapie am besten hilft