Kapitalanlage

Pandemien wie das Coronavirus müssen Anleger nicht lange schocken

Der Corona-Virus lässt weltweit die Aktienmärkte beben. Experten sind unsicher, ob die Kurse noch weiter einbrechen werden. Sie erwarten aber eine rasche Erholung, sobald die Epidemie wieder eingedämmt ist.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Die Corona-Epidemie führt an Börsen zu Turbulenzen.  Eisenhans,-stock.adobe.Com

Die Corona-Epidemie führt an Börsen zu Turbulenzen. Eisenhans,-stock.adobe.Com

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Neu-Isenburg. Minus 12,43 Prozent beim deutschen Leitindex Dax, ein Verlust von 12,35 Prozent beim New Yorker Dow Jones, von 11,5 Prozent beim Schweizer Börsenbarometer SMI, von 9,5 Prozent beim japanischen Nikkei: In der letzten Februarwoche hat der Corona-Virus die Aktienmärkte rund um den Globus beben lassen. Zuletzt fuhren die Kurse Achterbahn mit Tagesgewinnen und Verlusten von zum Teil mehr als zwei Prozent. Und Experten sind geteilter Ansicht, wie es in den kommenden Wochen an den Börsen weitergeht.

„Es ist durchaus möglich, dass die Situation noch immer komplett unterschätzt wird“, sagt Helge Müller, Chef-Anlagestratege bei der Genfer Vermögensberatung Genève Invest. Die Aktienkurse könnten noch deutlich tiefer fallen. Die vom Virus besonders stark betroffene Provinz Hubei mit ihrer Hauptstadt Wuhan sei ein Drehkreuz der chinesischen Wirtschaft. „Hier verlaufen bedeutende Transportwege, hier schlägt das Produktionsherz Chinas besonders laut“, so Müller.

Sollte die Regierung in Peking die Situation nicht unter Kontrolle bekommen, könnte dies nicht nur die Wirtschaft in China abwürgen, sondern internationale Lieferketten aus der Balance bringen, warnt Müller. „Im schlimmsten Fall ist eine weltweite Rezession denkbar.“

Risiken für europäische Wirtschaft

Luc Filip, Leiter Private Banking Investment bei der Genfer Banque SYZ, sieht Risiken vor allem für die europäische Wirtschaft. Zum einen hätten Unternehmen aus dem Euro-Raum einen erheblichen Teil ihrer Produktion nach China ausgelagert oder würden dorthin exportieren. Zum anderen sei Norditalien besonders schwer von der Krankheitswelle getroffen – und damit jener Teil des Stiefelstaats, „wo viel Industrie angesiedelt ist“, sagt Filip. „Sollte sich die Krise verschlimmern, dürften vorrangig europäische Aktien betroffen sein.“

Hingegen dürften börsennotierte US-Unternehmen gegenüber möglichen Auswirkungen der Epidemie deutlich immuner sein: „Sie haben einen größeren Inlandsmarkt – und die Behörden können schneller handeln als die Regierungen in Europa.“

Dies gilt auch für die Geldpolitik. Während die Europäische Zentralbank zunächst nur Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft in Aussicht stellte, senkte die US-Notenbank bereits den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf die Spanne von einem bis 1,25 Prozent. Damit will sie Unternehmen zu günstigeren Krediten verhelfen, damit diese eine etwaige länger andauernde konjunkturelle Durststrecke bewältigen können.

Auf längere Sicht sind Experten für die Börsen optimistisch gestimmt. „Ist das Virus erst einmal eingedämmt, wird sich die Weltwirtschaft wieder erholen“, sagt Filip. Dann würden auch die Aktienkurse wieder anziehen. Die Frage sei dabei nur, ob der Corona-Erreger, wie Grippe-Viren, im Sommer an Wirkung verliere oder nicht. Aufgrund des saisonalen Verlaufs von Grippe-Erkrankungen erwarte er „eine schnelle Erholung“, sagt Filip. Peking habe Unternehmen außerhalb der Provinz Hubei bereits angewiesen, die Produktion wieder hochzufahren.

China nutzt Liquiditätsspritzen

„Zudem nutzt China alle möglichen wirtschaftlichen Hebel, wie zum Beispiel massive Liquiditätsspritzen, um die Belastung für seine Wirtschaft abzumildern“, erläutert Filip. Es sei aber durchaus möglich, dass die Turbulenzen in der Weltwirtschaft noch etwas länger anhalten könnten, was die Aktienkurse noch für geraume Zeit belasten könnte.

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Kapitalanlagegesellschaft Solvecon Invest, rät, die Auswirkungen des Virus auf die globale Konjunktur nicht zu überschätzen. „Es handelt sich um eine Art schwer infektiöse Grippe, nicht um die Pest im Mittelalter.“ Optimistisch ist auch Markus Richert, Finanzplaner beim Kölner Vermögensmanager Portfolio Concept. „Auch bei anderen Pandemien in der Vergangenheit erholten sich die Börsen stets wieder, sobald die Zahl der Ansteckungen und der Nachrichten darüber den Höhepunkt erreicht hatten.“

Kaufgelegenheiten nutzen

Anleger sollten die gesunkenen Aktienkurse deshalb als Kaufgelegenheit sehen. „Wer bis jetzt den Einstieg in den Kapitalmarkt verpasst hatten, sollten diese Gelegenheit nutzen und nicht zu lange warten“, sagt Richert. „Nach dem Corona-Husten kommt der neue Boom an der Börse.“

Skeptiker könnten hingegen auf Aktien von Unternehmen setzen, deren Geschäft vom Corona-Virus beflügelt wird. Etwa den Atemschutzmasken-Produzenten Drägerwerk oder den Biotech-Konzern Qiagen, der einen Testkit entwickelt hat, der innerhalb einer Stunde verlässliche Informationen liefert, ob ein Patient mit dem Virus infiziert ist oder nicht. In China wird der Test bereits eingesetzt, die US-Gesundheitsbehörde FDA prüft gerade den Einsatz.

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