Kommunikation zwischen Patient und Arzt

Patienten-Nachfragen mit Erklärvideos beantworten

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 27.11.2019, 16:15 Uhr
Patienten-Nachfragen mit Erklärvideos beantworten

Infovideos zu bestimmten Indikation sollen Patienten das Krankheitsmanagement erleichtern.

© Syda Productions / stock.adobe.com

Köln. Mit einem neuartigen Angebot will das Start-up Medicstream Ärzte in Praxis und Klinik dabei unterstützen, ihre Patienten umfassend über ihre Krankheit aufzuklären. Zentrales Instrument ist dabei ein „Infozept“ mit dem Zugang zu Videoclips, die der Arzt selbst ausgewählt hat. Die dort gelieferten Basisinformationen sollen das Selbst-Management der Patienten fördern. Gleichzeitig schaffen sie die Grundlage dafür, dass beim nächsten Besuch in der Praxis die individuellen behandlungsrelevanten Fragen gezielt geklärt werden können.

Der Patient erhält nach vorheriger Zustimmung eine Mail der Praxis mit der Erklärung: „Zur Vertiefung der in unserer Sprechstunde angesprochenen Themen schicken wir Ihnen eine passend für Sie zusammengestellte Liste mit interessanten Erklärvideos rund um Ihre Erkrankung und Ihren Behandlungsplan.“ Mit einem Click kann er die jeweiligen Videos abspielen. Für Hypertonie-Patienten gibt es beispielsweise jeweils sechs Minuten lang Informationen zu „Blutdruck richtig messen“, „Blutdruck richtig interpretieren“ und „Blutdruck senken ohne Medikamente“.

Arzt als Absender klar erkennbar

„SendByDoc“ nennt das Unternehmen aus Hürth bei Köln die Dienstleistung. „Für den Patienten ist immer erkennbar, dass die Information von seinem behandelnden Arzt kommt“, sagt Bernd Ganser, einer der vier Gründer und Geschäftsführer von Medicstream. Das erhöhe das Vertrauen. Der Arzt wählt die passenden Videos auf einer Plattform aus. Medicstream habe sich bewusst dagegen entschieden, mit Youtube-Videos zu arbeiten, erläutert er.

Dort gebe es zwar sehr gut recherchierte Beiträge zu medizinischen Themen, sie stünden zum Teil aber in einem merkwürdigen Umfeld wie Filmen mit abstrusen Heilsversprechen. „Das wollten wir vermeiden.“ Die ausgewählten Clips versendet der Arzt als „digitales Infozept“ per Mail an den Patienten. Gleichzeitig erstellt das System ein PDF im analogen Format für seine Dokumentation. Möchte der Patient keine E-Mail erhalten, ist auch der Ausdruck eines analogen „Infozepts“ möglich. Über die dort angegebenen Links oder QR-Codes kommt der Patient zu den Videoclips.

Ärzte haben keine Möglichkeit, in die Mails weitere Informationen wie medizinische Werte einzufügen. Die E-Mail-Adressen werden nicht gespeichert, betont der Gründer. „Wir wollen keine Patientendaten.“

Zurzeit arbeitet Medicstream mit selbst produzierten Videoclips. Sie stammen von dem Kardiologen Dr. Stefan Waller, der ebenso wie Daniel Wrobel und Johannes Kusber zu den Gründern gehört. Die Videos konzentrieren sich auf Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen. Filme zu nephrologischen Grunderkrankungen wird das Unternehmen gemeinsam mit einem Nephrologen selbst produzieren.

„Perspektivisch suchen wir Partner, um weitere Bereiche abdecken zu können“, berichtet Ganser. So will das Unternehmen das Angebot auf Indikationen wie Diabetes, muskuloskelettale Erkrankungen oder auch Asthma/COPD erweitern. „Unsere Idealvorstellung wäre es, die Clips gemeinsam mit einer Fachgesellschaft, einem Berufsverband oder einer anerkannten Patientenorganisation zu machen.“ Ganser sieht die Filme als wichtige Ergänzung zum Arzt-Patienten-Gespräch. „Sie können den Patienten helfen, Informationen richtig aufzunehmen.“

Wir wollen keine Patientendaten.

Bernd Ganser, Medicstream-Geschäftsführer

Für sehr ausführliche Erklärungen fehle den Ärzten oft die Zeit. Zudem würden die Patienten vieles wieder vergessen, oft trauten sie sich auch nicht, nachzufragen. Wenn sie im Video etwas nicht richtig verstanden haben, können die Patienten es nochmals anschauen – oder beim nächsten Besuch in der Praxis den Arzt fragen.

PC mit Internetzugang erforderlich

Medicstream hat die Plattform selbst entwickelt, ein Dienstleister stellt den Streaming-Prozess zur Verfügung. Um das Angebot zu nutzen, braucht der Arzt einen Computer mit Internetzugang und einem modernen Browser. Interessenten können das System 30 Tage lang kostenlos testen. Danach kostet das Paket 59,50 Euro im Monat für einen Nutzer, für weitere Nutzer sinkt die Gebühr. Gegen Entgelt können sich Ärzte und Kliniken auch eine persönliche Einleitung vor die Filme bauen lassen sowie das Logo, Angaben zur Praxis und Fotos.

„SendByDoc“ ist in einem Pilotversuch in einem Ärztenetz getestet worden, berichtet Ganser. Das Angebot sei sowohl bei den Patienten als auch den Ärzten auf positive Resonanz gestoßen. Medicstream ist erst seit Kurzem auf dem Markt. „Das Interesse ist groß“, berichtet er. Demnächst soll eine Testphase mit Kliniken folgen.

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