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Pharma-Gigant Pfizer stößt in neue Dimensionen vor

KÖLN (frk). Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer will für 68 Milliarden US-Dollar (rund 52 Milliarden Euro) den Konkurrenten Wyeth übernehmen. Zusammen kommen die beiden Firmen auf einen Umsatz von 71 Milliarden US-Dollar (ca. 54,6 Milliarden Euro) bei fast 13 Milliarden US-Dollar (ca. 10 Milliarden Euro) Gewinn.

Veröffentlicht: 28.01.2009, 05:00 Uhr
Pharma-Gigant Pfizer stößt in neue Dimensionen vor

Pfizer-Chef Jeffry B. Kindler (links) und Wyeth-Chef Bernard Poussot auf der Pressekonferenz in New York.

© Foto: dpa

Der Kauf ist eine der größten Übernahmen in der Pharmabranche seit Jahren. 2000 hatte Pfizer Warner-Lambert für über 90 Milliarden US-Dollar (ca. 69 Milliarden Euro) übernommen - die bislang gewaltigste Übernahme in der Branche.

"Kein anderes Unternehmen passt so gut zu Pfizer wie Wyeth", sagte Pfizer-Chef Jeffrey Kindler in einer Telefonkonferenz. "Mit einer Transaktion erreichen wir all die Ziele, die wir uns in den vergangenen Jahren gesetzt haben." Dazu zähle die Verbreiterung des Portfolios an patentgeschützten Medikamenten, ein stärkeres Profil im Bereich biotechnisch hergestellter Medikamente und Impfstoffe und ein stärkeres Wachstum in Schwellenländern.

Zwei Pharmariesen unter einem Dach

Auch Wyeth ist eines der zehn größten forschenden Pharmaunternehmen weltweit. In Deutschland ist die US-Firma mit einer Tochter in Münster vertreten. Zu den Kernprodukten von Wyeth zählen der Impfstoff Prevenar®, der Kinder etwa vor Lungenentzündungen schützt, mit einem Jahresumsatz von 2,7 Milliarden US-Dollar (ca. 2,08 Milliarden Euro), sowie das Antidepressivum Trevilor® mit zuletzt 3,9 Milliarden US-Dollar (ca. 3 Milliarden Euro) Jahresumsatz.

Pfizers Flaggschiff ist der Blutfettsenker Lipitor®, der in Deutschland unter der Bezeichnung Sortis® (Atorvastatin) auf dem Markt ist. Das Mittel zur Senkung des Cholesterinspiegels ist mit Erlösen von etwa 13 Milliarden US-Dollar (ca. 10 Milliarden Euro) das meistverkaufte Medikament der Welt und macht rund ein Viertel des Pfizer-Umsatzes aus.

Der Kauf soll bis Ende 2009 abgeschlossen sein.

Da das Patent für Atorvastatin Ende 2011 ausläuft, will sich Pfizer mit Wyeth einen Zugang zu neuen Medikamenten und Geschäftsfeldern verschaffen. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Medikamenten werde dank Wyeth sinken, so Kindler. "Ab 2012 soll kein Medikament mehr als zehn Prozent des Umsatzes ausmachen", erklärte er.

Den Kauf von Wyeth will Pfizer bis Ende des Jahres 2009 abschließen. Pfizer bietet den Wyeth-Aktionären insgesamt 50,19 US-Dollar pro Aktie, davon 33 US-Dollar in bar sowie den Rest in Pfizer-Aktien. Die Wyeth-Aktionäre halten damit künftig rund 16 Prozent an dem neuen Konzern. Zur Finanzierung halbiert Pfizer seine Dividende auf 0,16 US-Dollar je Aktie. Etwa ein Drittel des Kaufpreises zahlt der Pharmariese mit Krediten. Trotz Finanzkrise ist es Pfizer gelungen, sich einen Kreditrahmen von 22,5 Milliarden US-Dollar (ca. 17,3 Milliarden Euro) bei einem Bankenkonsortium zu sichern.

Rund 20 000 Arbeitsplätze könnten wegfallen

Pfizer rechnet damit, dass Wyeth bereits ab dem zweiten Jahr nach Abschluss zum Gewinn beisteuert. Bis zum dritten Jahr nach Abschluss erwartet Pfizer insgesamt Einsparungen von vier Milliarden US-Dollar. Im Zuge der Fusion wird unter anderem im Vertrieb, in der Verwaltung, in der Produktion, aber auch bei Forschung und Entwicklung gekürzt. Rund 20 000 der 130 000 Arbeitsplätze bei Pfizer und Wyeth sollen wegfallen.

Für das vierte Quartal 2008 meldeten beide Konzerne sinkende Gewinne. Bei Pfizer brach der Gewinn um 90 Prozent auf 266 Millionen US-Dollar (rund 205 Millionen Euro) ein (siehe auch Bericht unten). Der Konzern hatte ein Bußgeld von 2,3 Milliarden US-Dollar (rund 1,8 Milliarden Euro) zahlen müssen. Die Pharmafirma hatte ein Medikament für andere Diagnosen vertrieben als in der Zulassung genehmigt.

Bei Wyeth ging der Gewinn im vierten Quartal 2008 wegen höherer Forschungskosten um 5,6 Prozent auf 940,4 Millionen US-Dollar (ca. 723 Millionen Euro) zurück.

Lesen Sie dazu auch: Pfizer mit deutlichem Gewinnrückgang im vierten Quartal 2008 Bedeutende Fusionen und Übernahmen in der Pharmabranche

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