Projekt „POLAR_MI“

Polymedikations-Alarmfunktion für die Praxis

Multimorbide Patienten erhalten oft mehrere Medikamente. Ein neues Gemeinschaftsprojekt will die Risiken senken. Ziel ist die Entwicklung eines Alarm-Tools für die Praxis.

Veröffentlicht: 19.03.2020, 10:25 Uhr

Leipzig. Arzneimittelbezogene Probleme bei Patienten mit Polymedikation und Multimorbidität zu identifizieren ist das Ziel des Projekts POLAR_MI (POLypharmazie, Arzneimittelwechselwirkungen und Risiken). In diesem Projekt wollen 21 Einrichtungen, darunter 13 Universitätskliniken, gemeinsam erforschen, wie sich Gesundheitsrisiken bei Polymedikation reduzieren lassen.

Das erste Treffen des Projekts, das Teil der Medizininformatik-Initiative (MII) ist, fand Anfang März statt. Ziel der MII ist es, Forschungsmöglichkeiten und Patientenversorgung durch innovative IT-Lösungen zu ermöglichen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die MII bis 2021 mit rund 160 Millionen Euro, wovon 5,5 Millionen Euro für POLAR_MI vorgesehen sind. Die Projektleitung von POLAR_MI liegt bei der Universität Leipzig und stellvertretend beim Universitätsklinikum Jena.

„Wir werden Daten aus 13 Universitätskliniken über verordnete Medikationsprofile polymorbider Patienten und über Arzneimittelrisiken erhalten“, so Professor Markus Löffler von der Universität Leipzig. Damit die Forschung aus den Daten der Kliniken, Apotheken und Laboren etwas anfangen können, gehört zu den ersten Schritten, die elektronische Dokumentation zu vereinheitlichen und zu verbessern. Eine der zentralen Fragen ist: Wie häufig kommt es zu inadäquater Medikation? Und wo häuft es sich besonders? Aus den Datenmengen sollen innovative Algorithmen zur Klassifizierung von Hochrisikopatienten und -arzneimitteln entwickelt werden. Die entstandenen und entstehenden Strukturen, Methoden und Prozesse der MII sollen gleichzeitig dazu genutzt werden, zukünftig standortübergreifend und datenschutzkonform Medikationsdaten für Forschungszwecke verfügbar zu machen – mit dem Ziel, die Behandlung der Patienten perspektivisch zu verbessern.

Wie Dr. Judith Schuster von der Universität Leipzig auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ betont, ist das langfristige Ziel, für den niedergelassenen Arzt ein „Alert tool“ für Polymedikation zu entwickeln, das die Behandlung in seiner Praxis vereinfacht und sicherer macht. Dies werde im aktuellen Projektzeitraum aller Voraussicht nach noch nicht erreicht, doch würden die notwendigen Grundlagen hierfür erarbeitet. (syc)

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