Doku-Hilfe

Radiologe entwickelt Befund-Navigator

Eine schnellere, aber vor allem leitliniengerechte und strukturierte Befundung in der Radiologie – das waren die Antriebsfedern für den Münchener Oberarzt Professor Wieland Sommer, eine eigene Befundsoftware zu gestalten. 1700 Ärzte nutzen diese bereits.

Kerstin MitternachtVon Kerstin Mitternacht Veröffentlicht:
Der Radiologe wird mithilfe von Entscheidungsbäumen durch die Befundung navigiert.

Der Radiologe wird mithilfe von Entscheidungsbäumen durch die Befundung navigiert.

© Smart Reporting/anekoho - Fotolia

MÜNCHEN. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 100 Millionen radiologische Untersuchungen für die unterschiedlichsten medizinischen Fragestellungen durchgeführt – Tendenz steigend. Die dazugehörigen Befunde werden von den Radiologen meist frei diktiert. Dementsprechend unterschiedlich sind sie. Bereits seit Jahren gibt es daher Bestrebungen, Methoden zur Standardisierung zu etablieren.

Professor Wieland Sommer, Oberarzt am Institut für Klinische Radiologie im Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München, hat hierfür eine digitale Lösung entwickelt: Eine Software, mit der Radiologen standardisierte Befunde erstellen können. "Medizinische Befundberichte können mit dieser Software innerhalb kurzer Zeit strukturiert, eindeutig und unter Einhaltung geltender Leitlinien verfasst und kommuniziert werden", so der Radiologe.

Per Sprachsteuerung zum Bericht

Sommer hat nach seinem Medizinstudium ‚Public Health‘ in Harvard studiert und ist dort auf das Thema Standardisierungen von Befunden aufmerksam geworden. Vor zweieinhalb Jahren hat er das Start-up "Smart Reporting" gegründet: Mithilfe von Entscheidungsbäumen wird der Arzt durch die Befundung navigiert. Das System fragt relevante medizinische Fakten für die jeweilige Befundungssituation ab, die vom Arzt per Mausklick oder Sprachsteuerung beantwortet werden. Da Ärzte Befunde gewöhnlich diktieren, sei die Sprachsteuerung leicht in den Arbeitsalltag integrierbar. Dabei genügen kurze Sprachbefehle. Das System erstellt auf Basis dieser dann automatisch einen Vorschlag für den Befundtext.

"Die Software ist quasi ein intelligenter Assistent für Ärzte, eine Art Navigationsgerät. Das System entlastet Ärzte bei ihrer Dokumentationsarbeit", sagt Sommer. Zudem können die Befunde per Mausklick in verschiedene Sprachen, wie Englisch, Italienisch oder Spanisch, übersetzt werden. "Die Hoheit über die Befunderstellung verbleibt zu jedem Zeitpunkt beim Arzt und die Texte können individuell angepasst werden."

Schnittstelle zu Praxis- und Klinik-EDV

Eine Herausforderung für Gründer Sommer waren die vielen verschiedenen EDV-Systeme, mit denen Arztpraxen und Krankenhäuser arbeiten und mit denen die Software kompatibel sein soll: "Unsere Software lässt sich über eine Standard-Schnittstelle in radiologische Informationssysteme einfügen und wir haben bereits Kooperationen mit mehreren großen Herstellern dieser Informationssysteme, damit unser System komplett integrierbar ist", sagt Sommer. Um die Qualität der Befundvorlagen kümmern sich festangestellte Ärzte oder Kooperationspartner wie Radiologie-Experten.

Das Thema Datenschutz nimmt Sommer sehr ernst. Krankenhäuser und Ärzte können das System integrieren, wobei keine Daten nach außen übertragen werden. Zudem kann das System flexibel als Cloud-Lösung – ebenfalls unter Einhaltung des Datenschutzes – genutzt werden.

"Derzeit sind etwa 1700 Nutzer auf Smart Reporting registriert, das sind etwa 25 Prozent der Radiologen in Deutschland. "Wir bekommen viele positive Rückmeldungen und die Nachfrage von Kliniken steigt", berichtet Sommer. Die Basisversion mit limitierter Befundanzahl ist online kostenfrei zugänglich. Die Professional Version mit Spracherkennung kostet Ärzte monatlich ca. 70 Euro.

Möglichkeiten zur Standardisierung ergeben sich jedoch nicht nur in der Radiologie. "Das System ist beispielsweise auch für die Notaufnahme oder Innere Medizin interessant. Hier haben wir bereits einige Anfragen bekommen und das erste Förderprojekt für die Traumatologie in der Notaufnahme gestartet, bei dem mit mobilen Geräten und Sprachsteuerung gearbeitet wird", erklärt Sommer.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Praxis-PC, Konnektor und andere Elektrogeräte

Elektroschrott: Wie Praxen Altgeräte sicher entsorgen

Langjähriger Verbandschef meldet sich zurück

Werner Baumgärtner will bei Neuwahl des MEDI-Vorstands mitreden

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. Tino Großmann, Senior Vice President Connectivity bei der CompuGroup Medical

© CGM

„ÄrzteTag extra“-Podcast

„Die eAU wird der entscheidende Meilenstein sein“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: CompuGroup Medical
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht

Lesetipps
Ein Anwalt hält eine Gesetzessammlung in der Hand.

© Kzenon / stock.adobe.com

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?