Zukunftsbranche Gesundheit

Schluss mit dem Münchhausen-Prinzip!

Eine systematische Förderung innovativer Strukturen sucht man im Gesundheitswesen vergebens. Die Politik verschenkt damit Chancen für mehr Beschäftigung.

Von Uwe Preusker Veröffentlicht: 29.04.2010, 05:00 Uhr

Auch auf Bundesländer-Ebene ist die Gesundheitswirtschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Wachstumsmarkt. Das zeigt eine Studie, die die Bedeutung der Gesundheitsbranche für Hessen untersucht hat. Danach arbeitet dort nahezu jeder siebte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft, und der Umsatz der Branche erreicht zehn Prozent des in Hessen erwirtschafteten Gesamtumsatzes.

Ein weiteres Ergebnis: Die Zahl der Beschäftigten in der hessischen Gesundheitsbranche ist von 1999 bis 2008 um knapp zehn Prozent gestiegen - in der Gesamtwirtschaft nahm die Beschäftigung im gleichen Zeitraum dagegen nur um zwei Prozent zu. Und: Von den insgesamt 345  000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der hessischen Gesundheitswirtschaft sind knapp 80 Prozent im Kernbereich des Gesundheits- und Sozialwesens und gut 20 Prozent im Vorleistungs- und Zulieferbereich tätig.

Die mit Abstand größten Beschäftigungsfelder sind die stationäre und ambulante Versorgung sowie die stationäre und ambulante Altenhilfe - hier sind zusammen 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen der hessischen Gesundheitswirtschaft tätig.

Dabei ist die Gesundheitsbranche nicht gleichmäßig über das Land verteilt: Der Anteil der Beschäftigten in der Gesundheitswirtschaft liegt in Nordhessen mit 18,5 Prozent aller Beschäftigten deutlich über dem Ergebnis für Südhessen (12,9 Prozent). Es gibt also regional unterschiedliche Entwicklungspotenziale.

Eine Schlussfolgerung, die der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch und Gesundheitsminister Jürgen Banzer aus der Studie ziehen, lautet: "Wer das Gesundheitswesen nur als Kostenfaktor betrachtet, greift zu kurz. Es handelt sich um einen Wachstumsmarkt mit erheblichem Beschäftigungspotenzial." Nun müssten den Worten Taten folgen - doch genau an dieser Stelle hakt es bei der Förderung der Gesundheitswirtschaft bisher fast überall in Deutschland.

Nehmen wir das Beispiel Integrierte Versorgung (IV) - eine Strukturinnovation für eine verbesserte Versorgung der Bevölkerung mit Gesundheitsleistungen: Wäre das ein Förderprogramm für die mittelständische Wirtschaft gewesen, hätte es auf Bundes- wie auf Länder-Ebene spezielle Etats gegeben, aus denen gezielt Fördermittel für die Entwicklung und Umsetzung von IV-Modellen eingesetzt worden wären.

Doch im Gesundheitswesen gelten eben nach wie vor meist andere Gesetze: Die Fördermittel für die Integrierte Versorgung wurden keineswegs zusätzlich zur Verfügung gestellt, sondern sie wurden allen Leistungserbringern in der gesetzlichen Krankenversicherung abgezogen. Das erinnert stark an Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen haben soll - systematische Innovations-, Wachstums- und Beschäftigungsförderung sieht allerdings anders aus!

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