Förderung in NRW

Telemedizin als Allzweckwaffe

Insgesamt 25 Millionen Euro steckt Nordrhein-Westfalen in Telematik und Telemedizin. Dort ist man sich sicher: Es braucht die Technik, um künftig allen eine gute Versorgung bieten zu können.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 23.10.2013, 06:33 Uhr
Telemedizin als Allzweckwaffe

Alles elektronisch: NRW will Telemedizin, eFA und Co. weiter ausbauen.

© Andrea Danti / fotolia.com

ESSEN. Nordrhein-Westfalen setzt auf die Weiterentwicklung von Telematik und Telemedizin. Das Land fördert zurzeit 30 Projekte in diesem Bereich mit insgesamt 25 Millionen Euro.

Das berichtete Mathias Redders, Leiter des Referats Gesundheitswirtschaft, Telematik im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium, auf der Fachtagung IT-Trends Medizin/Health Telematics in Essen.

Allein 14 der Förderungen entfallen auf die Telemedizin. Insgesamt gibt es im bevölkerungsreichsten Bundesland rund 60 Telemedizin-Projekte. "Es sind fast ausschließlich Insellösungen mit eigener Technik", sagte er.

Als weitere Probleme skizzierte Redders die mangelnde ärztliche Akzeptanz, das Verhältnis von Kosten und Nutzen sowie die widersprüchlichen Forschungsergebnisse in diesem Sektor.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind die elektronischen Fall- und Patientenakten mit neun Projekten.

Telemedizin und Telematik seien von zunehmender Bedeutung für den Wirtschaftsstandort, betonte Dr. Günther Horzetzky, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium. NRW könne in Deutschland eine Vorreiter-Rolle einnehmen.

Sicherheitsfragen müssen offen diskutiert werden

"Die Telemedizin kann mehr denn je zur Bewältigung der großen Herausforderungen des Gesundheitswesens beitragen", sagte er. Er verwies auf den Ärztemangel in ländlichen Gebieten und die zunehmende Fachkräfteknappheit. Zudem könne die Telemedizin dabei helfen, trotz steigender Kosten im Gesundheitswesen eine gleichbleibende oder sogar steigende Qualität zu gewährleisten.

Die Angst vor einem Missbrauch der Daten dürfe den Weg hin zu digitalen Technologien nicht versperren, forderte Horzetzky. "Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte, die die Sicherheitsbedenken der Menschen ernst nimmt, und am Ende der Debatte müssen Lösungen stehen."

Der Informationstechnologie komme eine ganz zentrale Rolle in der Weiterentwicklung der medizinischen Behandlungsverfahren zu, sagte Professor Eckhard Nagel, der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Essen.

Er nannte das westdeutsche Protonentherapiezentrum in Essen als Beispiel. "Wir konnten es ans Laufen bringen, weil wir die IT-Probleme gelöst haben und nicht physikalische Probleme."

Nach Nagels Einschätzung können Telemedizin und Telematik helfen, ein möglichst einheitliches Versorgungssystem aufrechtzuerhalten. "Die IT kann dazu beitragen, ein hohes Vertrauen darin zu erhalten, dass die Menschen unabhängig von ihrem Status eine bestmögliche Versorgung zu erhalten."

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