Therapiemöglichkeiten sind je nach Tremor-Typ unterschiedlich gut

Veröffentlicht:

Tremor gehört zu den häufigsten neurologischen Symptomen. Er kann als eigenständige neurologische Erkrankung oder auch im Rahmen anderer neurologischer oder internistischer Erkrankungen sowie als Medikamentennebenwirkung auftreten. Privatdozent Henrik Wilms vom Universitätsklinikum Heidelberg geht in seiner zertifizierten Fortbildung "Tremor" vor allem auf den primär neurologischen Tremor ein, und hier auf die Differenzialdiagnose und Therapie.

In der klinischen Untersuchung sollte zum einen die topografische Verteilung des Tremors (betroffene Körperteile, einseitig oder bilateral) bestimmt werden. Zum anderen sollte der Tremor der meist betroffenen Hände immer unter verschiedenen Innervationsbedingungen untersucht werden, so Wilms.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem Tremor bei Bewegungen (kinetischer Tremor), einem Tremor, der in der Terminalphase der Bewegungen deutlich zunimmt (Intentionstremor) und einem Tremor, der sowohl bei Halteinnervation als auch bei Bewegungen auftritt.

Der Parkinson-Tremor beginnt fast immer einseitig und bleibt auch im Verlauf stark asymmetrisch.

Der Parkinson-Tremor beginnt fast immer einseitig und bleibt auch im Verlauf stark asymmetrisch.

© Foto: Deutsche Parkinson Vereinigung

Die Frequenz des Tremors kann klinisch - mit etwas Übung - grob eingeschätzt und drei Frequenzbereichen zugeordnet werden (niederfrequent: 3 - 4 Hz, mittelfrequent: 5 - 7 Hz, hochfrequent: = 8 Hz). Mittels Spektralanalyse elektromyografischer oder akzelerometrischer Ableitungen kann dann die genaue Frequenz bestimmt werden. Eine sichere differenzialdiagnostische Zuordnung lässt sich allerdings aufgrund der großen Überlappung des Frequenzbereiches nur selten treffen.

Der häufigste primär neurologische, pathologische Tremor ist der essenzielle Tremor (ET, geschätzte Prävalenz: 0,4 - 6 Prozent). Er ist in der Regel von Anfang an ein bilateraler, wenn auch häufig asymmetrischer Aktionstremor, der sowohl bei isometrischer Innervation (Haltetremor) als auch bei Bewegungen (kinetischer Tremor) auftritt. Bei 50 - 90 Prozent der Patienten bessert sich der ET teilweise dramatisch unter Alkohol (z. B. 1 - 2 Gläser Wein). Der verstärkte physiologische Tremor als ebenfalls bilateraler Haltetremor ist oft schwierig gegen den ET abzugrenzen.

Der Parkinson-Tremor ist in seiner klassischen Form (Typ I) ein typischer 4- bis 7-Hz-Ruhetremor. Er beginnt fast immer einseitig und bleibt auch im Verlauf stark asymmetrisch.

Der orthostatische Tremor ist differenzialdiagnostisch einfach zu bestimmen - er betrifft hauptsächlich die Beine und äußert sich fast ausschließlich in einer schweren Stand- und Gangstörung. Als Beispiele für weitere Tremor-Typen seien genannt: der klassische dystone, der zerebelläre, der Holmes- und der psychogene Tremor.

Die Therapiemöglichkeiten sind je nach Tremor-Typ unterschiedlich gut. Bei Patienten mit ET zum Beispiel sollte ein Versuch mit Propanolol oder Primidon jeweils als Monotherapie und dann in Kombination unternommen werden. Bei starker Behinderung kann bei Patienten, die nicht darauf angesprochen haben, eine tiefe Hirnstimulation (VIM-Kern des Thalamus) erwogen werden.

Die Therapie von Parkinson-Patienten mit Tremor ist stark von der Ausprägung des begleitenden Parkinson-Syndroms abhängig. Beim orthostatischen Tremor werden zum Beispiel Clonazepam und Primidon erfolgreich eingesetzt.(otc)

Zu dem Modul "Tremor" kommen Sie hier

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hausarzt und Gebietsärztin im Interview

Hausarztvermittlungsfälle: Wo es hakt und wie es besser ginge

Lesetipps
Ein älterer Mann liegt wach im Bett und kann nicht schlafen. Eine Uhr auf dem Nachtkasten zeigt kurz vor 3 Uhr an.

© amenic181 / stock.adobe.com

α-Synuclein-Abbau fördern

Parkinson: Wieso guter Schlaf besonders präventiv wirkt