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Universitätsmedizin schafft den Kirchturm ab

Die Medizinstandorte Kiel und Lübeck arbeiteten in der Vergangenheit oft mehr gegen- als miteinander. Vor allem weil die Defizite drücken, haben sich die Verantwortlichen auf eine Neuorganisation geeinigt. Und die könnte eine Blaupause für andere Regionen sein.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Viel Betrieb - und doch rote Zahlen: Einfahrt zum Lübecker Universitätsklinikum.

Viel Betrieb - und doch rote Zahlen: Einfahrt zum Lübecker Universitätsklinikum.

© dpa

KIEL. Die Universitätsmedizin im Norden wird komplett neu geordnet. Dieses Ziel verfolgen die Hochschulen Kiel und Lübeck mit einem erstmals gemeinsam erarbeiteten Konzept zur Organisationsstruktur.

So reagieren die beiden Universitäten auf einen unbefriedigenden Status quo in Schleswig-Holstein, den zuletzt der Wissenschaftsrat kritisiert hatte. Die Krankenversorgung arbeitet defizitär, für erforderliche Investitionen fehlt das Geld, Forschung und Lehre klagen über geringe Mittel und die beiden Standorte arbeiteten in der Vergangenheit häufig mehr gegen- als miteinander.

Eine Neuorganisation soll helfen, diese Schwachstellen abzubauen. Zugleich könnte das im Norden verfolgte Konzept als Vorbild für andere Regionen dienen, in denen bei knappen Mitteln auch mehrere Standorte der Universitätsmedizin unterhalten werden.

Strategievorstand angedacht

Kiel und Lübeck wollen die Synergieeffekte der vor Jahren erfolgten Fusion zum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) weiter nutzen, zugleich aber wieder zwei wissenschaftlich eigenständig agierende Standorte mit eigenen Klinika und Vorständen schaffen. In diesen Vorständen wird ein stimmberechtigtes Mitglied für Forschung und Lehre vertreten sein, um die vom Wissenschaftsrat als mangelhaft kritisierte Interaktion zwischen Forschung, Lehre und Krankenversorgung zu verbessern.

Derzeit gibt es für beide Standorte einen Vorstand. Die beiden Uniklinika sollen nach Vorstellung der Hochschulen künftig unter einem Holdingdach in einem Strategievorstand - gebildet aus den Vorständen an den beiden Standorten - zusammenkommen, um die Kooperation zu verbessern. Holding und Klinika sollen als Anstalt des öffentlichen Rechts organisiert sein.

Für das operative Geschäft vor Ort sollen ausschließlich die Klinikvorstände zuständig sein. Alle bestehenden Tochtergesellschaften und campusübergreifenden Einrichtungen in Krankenversorgung und Verwaltung werden in der Holding angesiedelt.

Zustimmung aus den Ministerien erwartet

Die Mittel des Landes für Forschung und Lehre in der Medizin (derzeit 120 Millionen Euro) sollen direkt an die beiden Universitäten fließen. Die beiden Klinika erhalten nur die Zuschüsse, die direkt der Krankenversorgung dienen. Davon erhoffen sich die Universitäten eine verbesserte Kooperation zwischen Medizin und anderen Disziplinen.

Die Verantwortlichen in Kiel und Lübeck halten ihr Modell für konsensfähig und erwarten Zustimmung aus Parteien und Ministerien. Nach der schleswig-holsteinischen Landtagswahl im Mai könnte das Gesetzgebungsverfahren im zweiten Halbjahr beginnen, eine Umsetzung ist nicht vor 2014 zu erwarten.

UKSH-Chef Professor Jens Scholz begrüßte, dass die Universitäten eigene Vorschläge unterbreiten. Zu den Inhalten bezog er keine Stellung.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Blaupause für die Unimedizin?

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