Direkt zum Inhaltsbereich

Homöopathie

Verein moniert "unterlassene Hilfeleistung"

Veröffentlicht:

BERLIN. Der Tod eines siebenjährigen Jungen in Italien, dessen wiederkehrende Mittelohrentzündung nur homöopathisch behandelt worden war, hat den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) zu einer Stellungnahme veranlasst. "Hier liegt offenbar ein ärztlicher Kunstfehler vor", ließ Cornelia Bajic, erste Vorsitzende des DZVhÄ, am Mittwoch verlauten. Der Antibiotika-Verzicht "scheint in diesem Fall eine klare unterlassene Hilfeleistung und nicht mit dem ärztlichen Selbstverständnis vereinbar". Sollten sich die Anschuldigungen gegen den behandelnden italienischen Arzt erhärten, sei es "zu begrüßen, wenn die volle Härte der italienischen Gesetze angewendet" werde.

Wie berichtet, hatten die Eltern ihren Jungen, der wiederholt an Otitis media erkrankte, stets nur alternativmedizinisch behandeln lassen, seit drei Jahren bei demselben Arzt. Die letzte Infektion verlief tödlich, nachdem das Kind Mitte Mai schließlich zu spät in eine Klinik gebracht wurde. Gegen den Arzt und die Eltern ermittelt inzwischen der Staatsanwalt.

Auch hierzulande werde eine Mittelohrentzündung nicht gleich antibiotisch angegangen, so der DZVhÄ. Gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sollte "bei Patienten ohne Risikofaktoren mit einer unkomplizierten akuten Otitis media auf die sofortige antibiotische Therapie verzichtet werden". Selbst bei Fieber oder Erbrechen, heißt es in der Leitlinie weiter, sei es vertretbar, "die ersten 24 – 48 Stunden unter Beobachtung des Kindes abzuwarten und erst bei einer Verschlechterung der Symptome oder ausbleibenden Besserung Antibiotika zu verordnen." An diese Regeln, versichert der Zentralverein, "halten sich die homöopathischen Ärzte in Deutschland". (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Facharzttermine

Tausende TSS-Termine in Thüringen nicht gebucht

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Eine harte Nuss zu knacken

Kasuistik: Nussallergie führte auf die falsche Fährte

Hypercholesterinämie

Lipidsenker klug kombinieren

Deprescribing PPI

Protonenpumpenhemmer absetzen: Wie das am besten gelingt

Lesetipps
Eine Ärztin spricht mit einer älteren Patienten. Die Patientin lächelt.

© StefaNikolic / stock.adobe.com

Sprechende Medizin

4 Tipps: So können Sie den Placebo-Effekt für die Therapie nutzen

Ein Arzt spricht mit einer Patientin

© K Davis/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview

Patient mit Mundgeruch: Wie Sie das im Patientengespräch ansprechen

Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und verschränkt ihre Arme, um ihre Hände auf die Brust zu legen.

© Yauhen / Stock.adobe.com

Psychologische Interventionen

Sprechende Medizin: 10 Schritte bei chronischen Schmerzen