Digitalverband bitkom

Videosprechstunde soll zur dauerhaften Erfolgsstory werden

Die Coronavirus-Pandemie sorgt für einen Boom bei Videosprechstunden. Damit das anhält, sieht der Digitalverband bitkom politischen Handlungsbedarf. Außerdem zeigt sich der Verband elektrisiert von der ePA.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 09.07.2020, 15:15 Uhr
Videosprechstunde soll zur dauerhaften Erfolgsstory werden

Voll digital? Überall hört man von einem Digitalisierungsschub durch die Coronavirus-Pandemie. Kommt diese auch in Praxen an?

© pickup/stock.adobe.com

Berlin. Es dauert wohl nicht mehr lange, dann können Ärzte in Deutschland erstmals Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) – im Volksmund Gesundheits-Apps genannt – rezeptieren.

Beim zuständigen Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seien 15 Anwendungen im Genehmigungsverfahren sehr weit fortgeschritten, berichtete Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes bitkom, am Donnerstag in Berlin im Rahmen einer Pressekonferenz der Organisation unter dem Motto „Digital Health 2020“.

40 Prozent der Bundesbürger ab 16 Jahre wollen ihre Ärzte nach eigenem Bekunden nach DiGA fragen, ergab die jüngste repräsentative bitkom-Umfrage, so Rohleder.

Euphorisch verwies er auf die Anfang nächsten Jahres anstehende, gesetzlich verankerte Einführung der elektronischen Patientenakte durch die Kassen (42 Prozent wollen sie auf jeden Fall nutzen) und auf das ab 2022 obligate E-Rezept, das sich Zweidrittel der Deutschen zu nutzen vorstellen können.

Deutsche hoffen auf mehr Tempo

„Nach 20 Jahren gesundheitspolitischer Lethargie kommt jetzt mit der Corona-Pandemie Schwung in digitale Gesundheitsangebote“, so Rohleder. Nach Ansicht vieler Bundesbürger geschieht dies aber nicht schnell genug.

So sagen rund zwei Drittel (65 Prozent) der Deutschen, es sei mehr Tempo beim Ausbau digitaler Gesundheitsangebote nötig. 60 Prozent sind der Ansicht, Deutschland liege im Vergleich zu anderen Ländern bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems zurück.

Gleichwohl hat sich gerade in den vergangenen Wochen während der Corona-Pandemie viel getan: So hat aktuell jeder Achte (13 Prozent) bereits eine Video-Sprechstunde mit einem Arzt oder Therapeuten wahrgenommen – acht Prozentpunkte Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.

85 Prozent der jetzigen Nutzer nahmen die Videosprechstunde konkret aus Angst vor einer Corona-Infektion in der Arztpraxis wahr (siehe nachfolgende Grafik).

Um die Videosprechstunde dauerhaft zu einer Erfolgsstory werden zu lassen, muss die Politik aus Rohleders Sicht mindestens an drei Stellschrauben drehen. Zwar sei die Regel pandemie-bedingt bis Ende September ausgesetzt, aber „die Videosprechstunde bei der Abrechnung auf 20 Prozent zu deckeln, ist irrational. Das ist eine sachlich nicht logische Grenze.“

Auch sei es gerade im Flächenland Brandenburg sinnvoll, das telemedizinische Erstkonsil ohne vorausgegangenen Patientenkontakt zu genehmigen. Last but not least sollten Ärzte keiner KV-Genehmigung der Videosprechstunde mehr bedürfen. „Eine Notifikation reicht auch“, so Rohleder.

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Kommentare
Dr. Peter Schimmelpfennig

Das finde ich super. Das bringt mir für die analoge Medizin massiven Zulauf und dann auch einen Standortvorteil. Nicht nur Ältere wollen Behandlung auf (echter) Augenhöhe. Mit dem ausdrücklichen Verzicht auf Onlinebehandlungen lässt sich dann noch gut werben. Weiter so Hr. Spahn, Sie treiben mir Patienten zu.


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