Coronavirus-Pandemie

Vier von fünf Kliniken zurück im Routinebetrieb

Bei einer Umfrage des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) gibt mehr als jeder Zweite an, einen erhöhten Druck auf seine medizinischen Entscheidungen zu erleben. Die finanzielle Situation der Kliniken wird als kritisch beschrieben.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 15.09.2020, 13:31 Uhr
Rund drei Viertel aller Krankenhäuser in Deutschland haben laut einer Umfrage bislang Patienten mit COVID-19 behandelt.

Rund drei Viertel aller Krankenhäuser in Deutschland haben laut einer Umfrage bislang Patienten mit COVID-19 behandelt.

© Peter Kneffel/dpa

Düsseldorf. Rund drei Viertel aller Krankenhäuser in Deutschland haben bislang Patienten mit COVID-19 behandelt. Mehr als 80 Prozent sind inzwischen zumindest teilweise zum Routinebetrieb zurückgekehrt.

Das zeigt eine Umfrage des Verbands leitender Krankenhausärzte (VLK) unter seinen Mitgliedern. Der Großteil von ihnen bewertet die finanzielle Situation der Häuser als kritisch.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Herzinfarktforschung in Ludwigshafen hatte der VLK 2406 Mitglieder zwischen dem 18. August und dem 8. September online befragt. Die Rücklaufquote lag bei 27 Prozent, was VLK-Präsident Dr. Michael Weber angesichts des Zeitdrucks, unter dem die Ärztinnen und Ärzte stehen, erfreulich findet.

Hygienemaßnahmen des RKI als ausreichend bewertet

„Wir haben die Umfrage durchgeführt, um eine Beurteilung der Lage aus Sicht der leitenden Krankenhausärzte zu erhalten“, sagt Weber der „Ärzte Zeitung“. Einige Antworten hätten den Verband überrascht. Dazu gehört die hohe Zustimmung der Ärzte zu den Vorgaben des Robert Koch-Instituts zu Hygienemaßnahmen. Sie bewerten 88,4 Prozent der Teilnehmer als ausreichend.

Erstaunt ist Weber über den hohen Anteil der Kliniken, die nach Angaben der leitenden Ärzte relevant in die ambulante Versorgung oder Diagnostik von Corona-Patienten involviert waren, etwa über Fieberambulanzen. Das war bei 54,7 Prozent der Fall.

Es gehe dabei nicht um die Frage, wer mehr am Erfolg der Behandlung beteiligt war, stellt Weber klar. „Sondern es geht um die Feststellung, dass wir dies gemeinsam mit den Gesundheitsämtern, den Niedergelassenen und vielen anderen erreicht haben.“

Mehrzahl der Ärzte erlebt erhöhten ökonomischen Druck

Sorge macht dem VLK die Tatsache, dass immerhin 60,5 Prozent der Mediziner angegeben haben, einen erhöhten Druck auf ihre medizinischen Entscheidungen zu erleben. „Hier müssen wir Lösungen finden – und zwar nicht nur akut, sondern auf Dauer“, sagt Weber.

Um den wirtschaftlichen Druck von Kliniken und Ärzten zu nehmen, fordert der VLK eine Fortsetzung des Schutzschirms für die Krankenhäuser über den 30. September 2020 hinaus. Eine Möglichkeit der Unterstützung wäre die Möglichkeit eines vorgezogenen Mindererlösausgleichs zu den Einnahmen aus dem Jahr 2019.

In der Umfrage haben 56,6 Prozent der VLK-Mitglieder die finanzielle Situation ihrer Klinik als kritisch bewertet, 37,3 Prozent als ausgeglichen und nur 6,1 Prozent als positiv. Die Freihaltepauschalen halten 59,2 Prozent für nicht ausreichend.

Die Aussetzung der Personaluntergrenzen und der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen haben offenbar nur zum Teil den von der Politik erhofften Effekt. Laut 53,5 Prozent der leitenden Klinikärzte haben die Maßnahmen nicht zu einer nennenswerten Entlastung geführt.

Entspannung bei Schutzausrüstung

Entspannt hat sich dagegen die Lage bei den Schutzmaterialien. Nur bei 15,8 Prozent der befragten Ärzte gibt es noch relevante Mängel bei der Versorgung mit Schutzausrüstung. Allerdings: Bei 52,2 Prozent haben sich Mitarbeiter in der Klinik mit SARS-CoV-2 infiziert.

Die beteiligten Ärzte arbeiten in Häusern unterschiedlicher Größenordnung. Bei 19,0 Prozent liegt die Kapazität bei unter 200 Betten, bei 38,4 Prozent sind es 200 bis 500 Betten und bei 42,6 Prozent über 500 Betten.

77,6 Prozent haben Patienten mit einer Corona-Infektion behandelt, davon 86,1 Prozent auf der Intensivstation.

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