Geldanlage

Was Gesundheitsaktien und Technologiewertpapiere eint

Trotz der deutlichen Kursanstiege kosten Papiere von Biotechnologie- und Pharmakonzernen an den Börsen weit weniger als Technologietitel. Einige erwarten bei Healthcare-Werten weitere Wertzuwächse.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Die Aktien von Medikamentenproduzenten haben den Anlegern in den vergangenen Jahren gutes Geld beschert.

Die Aktien von Medikamentenproduzenten haben den Anlegern in den vergangenen Jahren gutes Geld beschert.

© fotografiabasica/ Getty Images / iStock

Neu-Isenburg. Mit den Aktien von Biotechnologie- und Pharmakonzernen konnten Anleger in den vergangenen Jahren hohe Gewinne einstreichen. Das zeigt ein Vergleich des MSCI World Health Care Index, der die Kursentwicklung aller großen und mittelgroßen Medikamentenproduzenten in den 23 Industrienationen widerspiegelt, mit dem MSCI World. Er bildet die Performance der 1600 größten Unternehmen aller Branchen aus diesen Staaten ab. Vom 10. Oktober 2018 bis zum 11. Oktober dieses Jahres ist der MSCI World um 48,8 Prozent gestiegen. Der MSCI World Health Care hat in dieser Zeit 47,8 Prozent gewonnen.

Der quasi Gleichstand im Wertzuwachs beider Indizes ist erstaunlich. Denn den MSCI World dominieren große Internetkonzerne wie Amazon, Apple, die Google-Mutter Alphabet und Facebook. Deren Börsenkurse sind in den vergangenen drei Jahren massiv gestiegen, während das Quartett durch seine schiere Größe fast 25 Prozent des Index ausmacht. Dass der Gesundheitsaktien-Index in der Wertentwicklung mithalten konnte, zeigt, welches langfristige Potenzial professionelle und private Anleger in den Branchenpapieren sehen.

Riesiges Marktpotenzial

Weitere Kurszuwächse seien in den kommenden Jahren zu erwarten, sagt Thorsten Mohr, Geschäftsführer der Hamburger Investmentgesellschaft Argentum Asset Management. „Das Marktpotenzial in der Healthcare-Industrie ist riesig, weil es einen stetig steigenden Bedarf an medizinischen und pharmazeutischen Produkten, digitalen Gesundheitslösungen und an moderner Medizintechnik gibt.“

Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine Studie des Statistikportals Statista auf Basis jüngster Analysen diverser Finanzinstitute und Researcheinrichtungen. Danach soll der globale digitale Gesundheitsmarkt bis 2025 pro Jahr um 25 Prozent wachsen. Diese Erwartung spiegele sich auch im Nasdaq Healthcare Index wider, der die Kursentwicklung US-amerikanischer Pharmatitel nachvollzieht, sagt Mohr. „Der Index ist in den vergangenen drei Jahren ebenfalls um mehr als 45 Prozent gestiegen.“

Das Marktpotenzial in der Healthcare- Industrie ist riesig, weil es einen stetig steigenden Bedarf an medizinischen und pharmazeutischen Produkten gibt.

Thorsten Mohr, Agentum Asset Management

Trotz der fortwährenden Kursanstiege in den vergangenen Jahren seien die meisten Gesundheitsaktien nicht überbewertet, sagt Rainer Beckmann, Geschäftsführer des Düsseldorfer Vermögensmanagers ficon. „Der Healthcare-Markt ist nicht zu teuer.“ Das gilt selbst für die Hersteller von COVID-19-Impfstoffen. Die Aktie des US-Vakzinproduzenten Moderna wird derzeit nur zum Zehnfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns gehandelt. Die Pfizer-Aktie kostet das Zwölffache, die von Johnson & Johnson das 17-fache. Auch die Preise anderer Pharmatitel bewegen sich auf diesem Niveau. Die Novartis-Aktie beispielsweise wird derzeit zum 18,8-fachen des voraussichtlichen Gewinns in diesem Jahr gehandelt.

Internet-Werte teurer

Deutlich teurer sind hingegen Internet-Werte. Die Apple-Aktie kostet das 25,6-fache des für dieses Jahr erwarteten Gewinns, das Papier von Microsoft das 36,6-fache und die Amazon-Aktie sogar das 62,3-fache. Günstiger bewertet als Pharmatitel sind vor allem Automobiltitel, weil die Branche vor dem massiven Umbau von Verbrennungsmotoren hin zu Elektroantrieben steht. Das macht Investoren vorsichtig.

BMW-Papiere werden deshalb derzeit nur zum 5,5-fachen des erwarteten Jahresgewinns gehandelt, Volkswagen-Aktien zum 9,2-fachen. Hingegen sind Papiere von Produzenten von Gütern des täglichen Bedarfs zum Teil teurer als Gesundheitstitel. Die Aktien des Herstellers von Klebstoffen sowie Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeartikeln, Henkel, kostet aktuell das 19-fache des erwarteten Jahresgewinns.

BioNTech erst 2021 mit Gewinn

Allerdings haben eine Reihe börsennotierter Biotechnologie-Unternehmen noch keinen Gewinn in einem abgeschlossenen Geschäftsjahr erzielt. Das macht es schwierig, für Anleger zu entscheiden, ob sie auf dem gegenwärtigen Kursniveau günstig oder teuer sind. Ein Beispiel dafür ist BioNTech. Der Mainzer Corona-Impfstoffentwickler wird 2021 erstmals einen Jahresgewinn vermelden. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen einen Nettogewinn von knapp 2,8 Milliarden Euro erzielt, im Vergleichszeitraum des Vorjahres war noch ein Verlust von 88,3 Millionen Euro angefallen.

Die Schätzungen der Analysten gehen jedoch weit auseinander, wie hoch der BioNTech-Gewinn in 2021 ausfallen wird. Das lässt den Aktienkurs schwanken. In den vergangenen 30 Tagen ist er um mehr als 20 Prozent gesunken. Auf Sicht von zwölf Monaten hingegen hat das Papier um mehr als 170 Prozent gewonnen. Um Risiken zu minimieren und ihre Chancen zu erhöhen, sollten Anleger deshalb ihr Kapital nicht auf Einzelwerte setzen, sondern breit über zahlreiche Gesundheitstitel streuen. Möglich ist dies mit aktiv verwalteten Pharma-Aktienfonds oder börsennotierten Indexfonds (ETF) auf den MSCI World Health Care oder den Nasdaq Healthcare Index. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds fallen bei ETF kaum Verwaltungsgebühren und keine Ausgabeaufschläge an.

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