Direkt zum Inhaltsbereich

Hintergrund

Wehret den Anfängen: Die meisten Fehler passieren bei der Diagnostik

Ärzten unterlaufen häufiger Fehler bei der Diagnose von Krankheiten als bei der Therapie. Das hat jetzt die Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler der Ärztekammer Nordrhein festgestellt. Die Folge: Erhebliche Leidenswege für Patienten und Mehrkosten.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Immer häufiger müssen Gutachter Fälle prüfen.

Immer häufiger müssen Gutachter Fälle prüfen.

© starpics / fotolia.com

Patienten werfen ihren Ärzten häufiger Fehler in der Therapie als in der Diagnostik vor. Bei der Überprüfung der Vorwürfe stellen die ärztlichen und juristischen Gutachter aber bei der Diagnose mehr ärztliche Versäumnisse fest. Das ist die Erfahrung der Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler (GAK) bei der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo).

"Diesem Punkt müssen wir künftig mehr Aufmerksamkeit widmen", sagte der GAK-Vorsitzende Dr. Heinz-Dieter Laum bei der ÄKNo-Kammerversammlung in Düsseldorf. Schließlich könnten falsche Diagnosen zu erheblichem Leiden der Patienten führen. "Es können auch Mehrkosten entstehen, wenn die eingeschlagene Therapie von vornherein sinnlos ist", sagte Laum.

Bei Wirbelkörperfrakturen treten häufig Fehler auf

Zwischen dem 1. Oktober 2009 und dem 30. September 2010 prüfte die GAK 362 Diagnosevorwürfe und 1126 Behandlungsvorwürfe. Die Quote der erkannten Fehler betrug bei der Diagnostik 39 Prozent, bei der Therapie waren es 25,3 Prozent. Im Bereich der Frakturen erwies sich mit einer Quote von 55,8 Prozent jeder zweite Diagnosevorwurf als berechtigt. Hier ist die Fehleranfälligkeit bei Wirbelkörperfrakturen besonders groß - sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie.

"Der Ton der Anträge ist gelegentlich unangemessen"

Insgesamt lag die Behandlungsfehlerquote im Berichtszeitraum bei 28,63 Prozent, das war etwas weniger als die 29,84 Prozent des Vorjahres. Dabei stieg die Zahl der eingegangenen Begutachtungsanträge bei der GAK um sieben Prozent auf 1962.

"Der Anstieg der Anträge ist kein Hinweis darauf, dass die medizinische Versorgung schlechter geworden ist", betonte Laum. Es gebe Anzeichen, dass ein höheres Anspruchsverhalten der Patienten die Ursache für die Zunahme sei. "Dafür spricht auch, dass der Ton der Anträge gelegentlich unangemessen ist", berichtete er. Der ehemalige Oberlandesgericht-Präsident erwartet, dass sich die Steigerung in den kommenden Jahren fortsetzen wird und sieht die Entwicklung mit Sorge. "Wir müssen uns fragen, ob die Arbeitsbelastung auch künftig noch tragbar sein wird." Schließlich müsse die GAK genügend Mediziner finden, die bereit sind, die Kommissionsarbeit mit Idealismus zu erledigen.

Steigende Prämien für die Haftpflicht machen Sorge

Die Höhe der Versicherungsprämien stehe in krassem Missverhältnis zur ärztlichen Honorierung, sagte der Antragsteller Hans-Peter Meuser von der Freien Ärzteschaft. Dafür trage allerdings nicht die Versicherungswirtschaft die Verantwortung. "Schadenzahl und Schadenshöhe sind vielmehr den Rahmenbedingungen geschuldet, unter denen wir inzwischen unseren Beruf ausüben müssen", sagte Meuser.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Verordnungsentwurf

Krankenhäuser dürfen Vergütung im Praktischen Jahr entdeckeln

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Übergriffiges Verhalten im Gesundheitswesen

Medizinstudentin zu sexueller Belästigung: „Ich möchte beim Ärztetag nicht mit ,Hase‘ angesprochen werden“

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren