Hamburg

Wird die Interoperabilität in Hamburg zur Gretchenfrage?

Hamburg will eine sektorenübergreifende Plattform für alle medizinischen Einrichtungen schaffen. Doch nun gibt es Krach zwischen zwei Klinikplatzhirschen.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Interoperable digitale Gesundheitslösungen – der Herzschlag für Hamburgs sektorenübergreifende Versorgung? Sicher ist das nicht.

Interoperable digitale Gesundheitslösungen – der Herzschlag für Hamburgs sektorenübergreifende Versorgung? Sicher ist das nicht.

© sdecoret / stock.adobe.com

HAMBURG. Die Asklepios Kliniken in Hamburg fahren schweres Geschütz gegen das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) – den lokalen Konkurrenten – auf, weil dieser sich offenbar für ein anderes Krankenhausinformationssystem (KIS) als Asklepios entscheiden will.

Die kürzlich von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) proklamierte Digital-Initiative „Hamburg Health Harbour“ (H3) – für alle medizinischen Einrichtungen soll eine Plattform entstehen, die eine sektorenübergreifende Kommunikation ermöglicht – werde damit erschwert, so Asklepios. Dort befürchtet man, dass Hamburg bei der trägerübergreifenden Digitalisierung des Gesundheitswesens gegenüber anderen Bundesländern zurückfällt – und schaltet den Bürgermeister ein.

„Wer sich derart der gemeinsamen Nutzung verschließt, wird auch langfristig nicht an wirklichen Lösungen interessiert sein“, sagte Marco Walker, Vorstandsmitglied und Chief Operating Officer der Asklepios Kliniken Gruppe, an die Adresse des UKE. Bei den Verantwortlichen dort vermutet Walker als Ursachen für die Entscheidung „übersteigertes Konkurrenzdenken und Eifersüchteleien.“ Grund für die drastische Kritik ist eine vom UKE auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“ nicht bestätigte Entscheidung, das europaweite Ausschreibungsverfahren für ein neues KIS ohne die Firma Meierhofer durchzuführen.

Schrittweise Umsetzung an allen Krankenhäusern

 Für Walker „spricht dies nicht für eine sachgerechte, diskriminierungsfreie Auswahl“. Asklepios selbst setzt bereits in drei Hamburger Kliniken auf das vom UKE ausgeschlossene System und wird es schrittweise an allen Hamburger Standorten einführen. Auch das UKE arbeitete mehrere Jahre mit dem KIS von Meierhofer – als elektronische Patientenakte im Universitären Herzzentrum.

Asklepios hätte es als „gute Nachricht für die Patienten“ verstanden, wenn die beiden größten Klinikanbieter in der Hansestadt – zusammen halten sie mehr als die Hälfte der Betten in Hamburg vor – im Sinne der Interoperabilität auf kompatible Systeme zurückgreifen.

Für Walker zeigt die frühe Absage an Meierhofer, „dass eine weitere politische Pflege des Wettbewerbs und die Speicherung der Daten in eigenen Datensilos dem UKE wichtiger sind, als die Stadt Hamburg gemeinsam zur Gesundheitsmetropole zu entwickeln.“

Er verwies darauf, dass eine klinikübergreifende Nutzung von Gesundheitsdaten in anderen Bundesländern sogar mit Fördergeldern unterstützt wird. Als Beispiele nannte er Bayern und Berlin. Als Folge der jetzt vom UKE gefällten Entscheidung drohen Hamburg nach seiner Darstellung mittelfristig Arbeitsplätze verloren zu gehen.

Anbieter noch unbekannt

Das UKE will den ausgewählten Anbieter erst am Ende des Verfahrens mitteilen. Derzeit arbeitet das UKE nach eigenen Angaben an der Weiterentwicklung der IT-Lösungen für die medizinischen Prozesse mit einer neuen elektronischen Patientenakte. „Das UKE setzt auf offene internationale Standards, um die bestehenden individuellen Systeme der Partner zu vernetzen“, hieß es dazu.

Asklepios und UKE zeigten sich bemüht, sich als Pionier der Digitalisierung zu präsentieren. Das UKE verwies auf die langjährigen Erfahrungen in diesen Bereich, es gilt nach eigener Wahrnehmung als „eines der am konsequentesten digitalisierten Krankenhäuser in Europa“ und es ist Partner in einer bundesweiten Medizininitiative mit dem Ziel der digitalen Vernetzung im Gesundheitssystem. Auch die Initiative der Politik, die Digitalisierung im Hamburger Gesundheitswesen voranzutreiben, wird vom UKE ausdrücklich begrüßt

Asklepios hat in der Vergangenheit wiederholt mehr Tempo bei der Digitalisierung des Hamburger Gesundheitswesens angemahnt. An der Firma Meierhofer ist Asklepios seit dem Jahr 2016 mit 42 Prozent beteiligt. Nach eigenen Angaben hat man der Stadt signalisiert, dass auch eine gemeinsame Beteiligung von UKE und Asklepios an dem Unternehmen denkbar sei.

Ganz abfinden will sich Asklepios mit der Entscheidung des UKE noch nicht. Der Konzern hat Hamburgs Bürgermeister und die Gesundheitsbehörde eingeschaltet. „Wir hoffen, dass die Entscheidung des UKE einer erneuten Prüfung unterzogen wird und im Interesse der Stadt noch einmal vermittelt wird“, sagte Walker hierzu.

Wir hoffen, dass die Entscheidung des UKE einer erneuten Prüfung unterzogen wird und im Interesse der Stadt noch einmal vermittelt wird.

Marco Walker, Chief Operating Officer der Asklepios Kliniken

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: KIS-Streit in Hamburg: Good Guy, Bad Guy?

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