IT-Sicherheit

Wo das BSI derzeit Sicherheitslücken im Gesundheitssektor sieht

„Corona verschärft Cyber-Gefährdungslage“, ließ am Dienstag das BSI verlauten. Hinsichtlich neuer Anwendungen über die Telematikinfrastruktur demonstriert das Amt Gelassenheit.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Dunkle Gestalten unterwegs – früher bevorzugt in nächtlichen Gassen, heute im World Wide Web.

Dunkle Gestalten unterwegs – früher bevorzugt in nächtlichen Gassen, heute im World Wide Web.

© Herbert P. Oczeret / picturedesk

Berlin. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sorgt sich zunehmend über IT-Risiken im Homeoffice. Anlässlich der Vorstellung seines „Berichts zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2020“ erklärte Behördenchef Arne Schönbohm am Dienstag in Berlin, infolge der Pandemie seien anfangs viele Maßnahmen, um von Zuhause aus arbeiten und lernen zu können, spontan umgesetzt worden. Zugunsten ad-hoc funktionierender Homeoffices hätten IT- und Datensicherheit in diesem Moment „oft eine untergeordnete Rolle“ gespielt.

Schönbohm: „In der akuten Situation habe ich durchaus Verständnis dafür. Jetzt aber, nachdem sich vieles eingespielt hat, gilt es, dieses ‚neue Normal‘ nachhaltig und sicher zu gestalten. Tun wir dies nicht, werden wir die Folgen in einigen Wochen oder Monaten spüren.“

Immernoch Emotet

Mit ausufernden Empfehlungen zur Datensicherung am heimischen Schreibtisch hält sich das Amt aber zurück. Und weist lediglich darauf hin, dass VPN-Verbindungen beim Zugriff auf berufliche Dokumente oder dem Dateiversand öffentlichen Cloud-Diensten vorzuziehen seien. Sofern auf Cloud-Dienste nicht verzichtet werden könne, sei „zu erwägen, ob eine Datenhaltung innerhalb einer privaten Cloud eingerichtet werden kann“.

Die Bilanz für den jetzt vorgestellten Berichtszeitraum Juni 2019 bis zum Ende Mai 2020 lässt an der Existenzberechtigung der Bonner Behörde keinen Zweifel: Cyber-Angriffe werden demnach immer ausgefeilter. Die Anzahl bekannter Schadprogramme „übersteigt inzwischen die Milliardengrenze“, heißt es. Allein in der Berichtszeit seien über 117 Millionen neue Varianten hinzugekommen. Dominiert werde das digitale Angriffsgeschehen weiterhin von dem Virenprogramm „Emotet“, das vom BSI als „gefährlichste Schadsoftware der Welt“ bezeichnet wird.

Als im Gesundheitswesen zuletzt besonders eklatanten Fall – allerdings nicht eines Hackerangriffs, sondern unbeabsichtigter Offenlegung sensibler Daten – hebt das BSI in seinem Bericht den Fall der frei einsehbaren radiologischen Bildbefunde hervor, der im Herbst vorigen Jahres bekannt wurde. Allein in Deutschland waren demnach „von Juli bis September 15 .000 Patientendatensätze mit mehreren Millionen medizinischen Bildern öffentlich ohne Passwortschutz zugänglich“.

Schwachstelle Medizintechnik

Zu den Herausforderungen in Sachen Datensicherheit medizinischer Anwendungen zählt das BSI aktuell etwa vernetzte Medizinprodukte, die als potenzielle Einfallstore für Cyberkriminelle angesehen werden müssten. Anfang 2019 hatte das Amt die Gerätestudie „ManiMed“ gestartet, die noch bis Ende dieses Jahres laufen soll. Dabei werden unter anderem Beatmungsgeräte, Infusions- und Insulinpumpen oder Schrittmacherimplantate auf ihre digitalen Schwachstellen hin geprüft. Erste Ergebnisse zeigten, „dass Schwachstellen bestehen, die durchaus häufiger auftreten und dass bereits zum Projektende konkrete Aussagen zur Cyber-Sicherheitslage von Medizinprodukten getroffen werden können.“

Einen eigenen Abschnitt widmet das BSI in seinem jüngsten Report auch der elektronischen Gesundheitskarte und deren bevorstehender Erweiterung um Notfalldatensatz, E-Medikationsplan und Patientenakte. Bemerkenswert: Von etwaigen Sicherheitsrisiken ist dabei an keiner Stelle die Rede, im Gegenteil. Ausdrücklich verweist das Bundesamt auf „Technische Richtlinien“, die es zu dem Zweck verfasst habe, die TI-Konnektoren „sicher um die neuen Funktionen zu erweitern“.

Auch in dem Vorhaben, dass Patienten über eigene Geräte auf ihre ePA zugreifen können, sieht das BSI kein Sicherheitsrisiko; dieser Zugriff soll über eine von der gematik zuzulassenden Software erfolgen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Digitale Gesundheitsanwendungen

Elektronische Verordnung für DiGA jetzt freiwillig möglich

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Maquet Otesus OP-Tischsystem

© Getinge Deutschland GmbH

Unternehmen im Fokus

Flexible und ökonomische OP-Tischsysteme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Getinge Deutschland GmbH, Rastatt
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?