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Engpässe

Woran es bei einer Corona-Impfung mangeln könnte

Allein in Deutschland werden zur Durchimpfung der Bevölkerung gegen COVID-19 mindestens 150 Millionen Spritzen und 300 Millionen Kanülen benötigt. Ein Hersteller meldet Planungsbedarf an.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:
150 Millionen Spritzen und 300 Millionen Kanülen wären für die Durchimpfung der Bevölkerung in Deutschland mindestens erforderlich, hat ein Hersteller berechnet. Für Medizinprodukt-Unternehmen müssen solche Mengen langfristig planen.

150 Millionen Spritzen und 300 Millionen Kanülen wären für die Durchimpfung der Bevölkerung in Deutschland mindestens erforderlich, hat ein Hersteller berechnet. Medizinprodukt-Unternehmen müssen die Herstellung solcher Mengen langfristig planen.

© Eisenhans/stock.adobe.com

Berlin. Die Ministerien für Gesundheit in Bund und Ländern, Gesundheitsämter, aber möglicherweise auch Kassenärztliche Vereinigungen müssten möglichst bald in die Planung für die Versorgung mit COVID-19-Impfstoffen eintreten. Das gilt insbesondere auch für die Deckung des immensen Bedarfs an Kanülen und Spritzen, die benötigt werden, um den Impfstoff zu applizieren.

Die Zeit drängt: So erwartet der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Professor Klaus Cichutek, dass bereits im ersten Quartal 2021 die ersten Impfstoffe zugelassen werden könnten. Von weltweit 160 Projekten befinden sich nach seinen Angaben sechs in den fortgeschrittenen Phasen 2 und 3 der klinischen Erforschung. Bis zur Marktreife würde es demnach nur noch fünf bis acht Monate dauern.

Vorlaufphase von drei bis sechs Monaten

Weltmarktführer für die Applikationstechnik von Impfungen ist der US-amerikanische Medizinproduktehersteller Becton, Dickinson and Company mit einem weltweiten Jahresumsatz von zuletzt 17,3 Milliarden Dollar. Wie Roland Pfleger, Geschäftsführer Zentraleuropa, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ betont, ist es für eine vorausschauende Planung noch nicht zu spät, um Engpasssituationen, wie sie im Winter und Frühjahr bei Atemschutzmasken auftraten, zu vermeiden.

Angesichts einer Vorlaufphase von drei bis sechs Monaten dränge allerdings die Zeit, Bedarf, Produktion und geordnete Belieferung konkret auch für Deutschland zu planen.

Gerechnet wird damit, dass zweimal im Abstand von etwa einem Monat geimpft werden muss, um eine ausreichende Immunisierung zu erreichen. Möglicherweise muss die Impfung nach einem Jahr wiederholt werden. Um die Gesamtbevölkerung vor COVID-19 zu schützen, müssten mindestens 90 Prozent geimpft werden. Daraus lässt sich ein Bedarf von rund 150 bis 160 Millionen Spritzen und 300 bis 320 Millionen Kanülen (je eine zur Entnahme und zur Applikation des Impfstoffs) errechnen.

Die Hauptlast der Arbeit wird aller Wahrscheinlichkeit nach bei niedergelassenen Ärzten liegen, insbesondere bei Hausärzten, die diese Medizinprodukte als Praxisbedarf beschaffen und vorhalten müssten, aber auch bei Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und arbeitsmedizinischen Diensten.

Wer soll prioritär geimpft werden?

Da es unrealistisch ist, binnen weniger Monate die Gesamtbevölkerung zu immunisieren, sei eine strategische Impfplanung notwendig, so Pfleger: die Identifikation derjenigen Personenkreise und ihre mengenmäßige Abschätzung, die prioritär eine Impfung erhalten sollen: medizinisches Personal, Berufsgruppen, die in hohem Maße Sozialkontakte haben wie beispielsweise Lehrer, aber auch besonders gefährdete Menschen wie Ältere und solche mit Risikofaktoren.

Andere europäische Länder wie Italien, Frankreich, die Benelux-Länder sowie Norwegen seien mit den konkreten Planungen bereits deutlich vorangeschritten und hätten sich notwendige Liefermengen reservieren lassen. Der britische NHS habe inzwischen Vorräte angelegt.

Allerdings sind solche Vorkehrungen in einem zentralistischen System weitaus einfacher als in der föderalen und dezentralen Struktur des deutschen Gesundheitswesens.

Ad-hoc-Beschaffung führt zu Unterversorgung

Eine Ad-hoc-Beschaffung großer zusätzlicher Mengen weltweit benötigter Medizinprodukte, das hat jedenfalls die Erfahrung mit den Engpässen bei Atemschutzmasken gezeigt, führt zu Unterversorgung und überzogenen Preisen für teils fragwürdige Produktqualität.

Vor dem Hintergrund der Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen und angesichts des zu erwartenden weltweit hohen Bedarfs müsse Planbarkeit hergestellt werden, um die Kapazitäten rechtzeitig zu erhöhen.

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Kommentare
Dr. Christoph Luyken 18.08.202021:13 Uhr

Bei der großen erforderlichen Menge an Corona-Impfungen ist es auf jeden Fall anzustreben, daß der Impfstoff nicht in Ampullen, sondern in Fertigspritzen, möglichst mit angegossener Kanüle, geliefert wird.
Damit entfallen die genannten Probleme bzgl. der Verfügbarkeit von Spritzen und Kanülen, und vor allem das Handling bei Reihenimpfungen wird erheblich (!!) vereinfacht.

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