Zuweiserprämien: "In fünf Jahren ist das Thema durch"

Qualitätswettbewerb statt Zuweiserpauschalen - das könnte eine sinnvolle Lösung für Patienten sein.

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DRESDEN (tra). Das Thema Pauschalen für zuweisende Ärzte zieht nach wie vor. Das zeigte sich auf dem bundesweit mit Spannung erwarteten Forum "Der verkaufte Patient" beim 61. Urologenkongress in Dresden. Der große Saal auf dem Messegelände der Landeshauptstadt in Sachsen war bis auf den letzen Platz besetzt.

"Als Ökonom habe ich nichts gegen die Zuweisungspauschale" sagte Gesundheitsökonom Professor Peter Oberender aus Bayreuth. Überwiegend Kliniken mit Problemen bei der Bettenauslastung würden "Fangprämien" nutzen - und viele davon früher oder später ausscheiden. "Häuser, die gut sind, haben so etwas nicht nötig. In vier, fünf Jahren spricht niemand mehr darüber", prophezeite er. Die neuen Vertragsmöglichkeiten zur Vernetzung hält er nicht für den Auslöser, sondern Überkapazitäten bei Klinikbetten.

Doch nicht alle Teilnehmer der Diskussion sahen die Zuweiserprämien so emotionslos wie Oberender. Der Jurist und Allgemeinmediziner Dr. Reinhold Altendorfer sieht den Knackpunkt der "Kopfprämien" im Missverhältnis zwischen Entgelt und erbrachter Leistung. "Ich empfehle Ärzten und Krankenhäusern, die Wege der erlaubten Zuweisungen zu gehen", sagte er. Zuweisungsprämien verstießen gegen Standesrecht und lägen juristisch sowie moralisch-ethisch in einer Grauzone.

DGU-Präsident Professor Manfred Wirth lehnte die juristische These "Erlaubt ist alles, was nicht ausdrücklich verboten ist" strikt ab. "Der Arzt muss Vertrauensperson für den Patienten blieben", erklärte er. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hatte als erste das Problem beim Namen genannt. Professor Klaus-Peter Günther von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) forderte die Offenlegung sämtlicher Verträge zwischen den Versorgungsebenen und eine unabhängige Clearingstelle für Streitfragen.

"Ich fände es extrem hilfreich, wenn die Patienten wüssten, wie Ärzte bezahlt werden. Das würde Kritikern viel Wind aus den Segeln nehmen. Geld zu verdienen in der Medizin ist nicht unmoralisch", sagte Dr. Clemens Ritter von Kempski, Geschäftsführer der EuromedClinic Fürth. Die Aufregung rühre vor allem daher, weil die Ärzte nicht offen darüber geredet hätten.

Transparente und harte Kriterien der Behandlungsqualität können Zuweisungspauschalen den Boden entziehen. "Medizinische Parameter auf den Tisch zu bringen bringt den Patienten am meisten", sagte Medizinische Vorstand des Universitätsklinkums Dresden, Professor Michael Albrecht. AOK Plus-Vorstand Rolf Steinbronn kritisierte, das Geld für die Pauschalen würde dem allgemeinen Topf des Gesundheitswesens entzogen. Das Spiel der Kräfte am freien Markt löse das Problem dagegen nicht, sondern leiste Fehlversorgung Vorschub. Abgesehen von Professor Oberender, teilten alle Redner diese Ansicht. "Einen völlig ungeregelten Markt darf es im Gesundheitswesen nicht geben", plädierte Manfred Wirth.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Kakophonie der Arzt-Debatten

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