Zuweiserprämien - Jahrestagung der Urologen im Auge des Sturms

Die am Mittwoch in Dresden beginnende Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist sich einer großen Medienaufmerksamkeit sicher. Die Urologen stießen die Zuweiser-Diskussion an.

Veröffentlicht:
Stecken sich Ärzte mit Zuweiserprämien ungerechtfertigt Geld in die Taschen?

Stecken sich Ärzte mit Zuweiserprämien ungerechtfertigt Geld in die Taschen?

© Foto: dpa

Von Monika Peichl

DRESDEN. Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) stößt auf ungewohnt hohes Medieninteresse. Grund: die von der DGU initiierte Diskussion über Zuweiserprämien. In der Zeitschrift "Der Urologe" (Ausgabe August) haben Professor Oliver Hakenberg von der Universität Rostock und der Kieler Jurist Frank Schramm Stellung genommen zu ethisch-medizinischen und juristischen Aspekten des Problems.

Werde die Entscheidung für eine bestimmte Klinik durch eine Zuweiservergütung beeinflusst, so könne dies das Vertrauen der Patienten beschädigen, so Hakenberg. Da die Patienten in aller Regel keine Kenntnis von der Kopfprämie hätten, würden sie auch getäuscht. Interessenkonflikte seien in der Medizin nichts Seltenes, wichtig sei aber, wie damit umgegangen werde.

Im Forum "Der gekaufte/verkaufte Patient" wollen die Urologen am Freitag auf ihrer Tagung in Dresden die Debatte über Zuweiservergütungen vertiefen. Die "Ärzte Zeitung" hatte am 28. August über das geplante Forum und die Kritik der DGU an den Zahlungspraktiken ausführlich berichtet. Publikumsmedien folgten, zuerst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mit der Schlagzeile "Immer mehr Ärzte ‚verkaufen‘ ihre Patienten". Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zeigte sich empört und forderte Kammern, KVen und Berufsverbände auf, derartige Praktiken so schnell wie möglich zu beenden.

In Zeitungs- und Fernsehbeiträgen wurde das Thema Zuweiserprämien in den vergangenen zwei Wochen teilweise zur Generaldebatte über Korruption im Gesundheitswesen ausgeweitet. In einem Beitrag der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hieß es beispielsweise: "Ärzte sind anfällig für Korruption. Sie kassieren bei Krankenhäusern, Pharmafirmen und Sanitätshäusern."

Vertreter von KVen, KBV, Bundesärztekammer und Kliniken bemühen sich seither, die Diskussion zu versachlichen. Dabei wird auch darauf hingewiesen, dass die von der Politik forcierten IV-Verträge Extravergütungen für Niedergelassene vorsähen, die weit über den Kassenhonoraren für vergleichbare ambulante Leistungen lägen. KBV und Deutsche Krankenhausgesellschaft haben inzwischen, wie berichtet, in einem Rundschreiben dargelegt, welche Formen der Zusammenarbeit von Niedergelassenen und Kliniken rechtlich zulässig sind. Krankenhäuser dürfen Einweisern demnach für prä- und poststationäre Leistungen nur dann Vergütungen zahlen, wenn dies rechtlich sauber per Konsiliarvertrag geregelt ist. Diese Vereinbarungen dürften nicht dazu genutzt werden, übliche Nachsorgeleistungen, die von der KV zu vergüten sind, umzuetikettieren.

Lesen Sie auch das Interview mit dem DGU-Präsidenten Professor Manfred Wirth: "Wir erwarten eine lebhafte Diskussion"

Lesen Sie dazu auch: Künftig werden Prämien geprüft Beckmann gegen "Bild": Der korrupte Arzt - oder doch der liebevolle Kümmerer? Clearingstellen gegen illegale Zuweiserprämien angekündigt Der verkaufte Patient: Folge von Wettbewerb und gewolltem Sparzwang? SPD-Experte Lauterbach will Meldestellen für Ärzte-Korruption Die gegenseitigen Schuldzuweisungen kommen nicht gut an Viele Vereinbarungen entpuppen sich als illegal Kein gutes Bild in der Öffentlichkeit Ärzte räumen mehrere Kanäle zur Bereicherung ein

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Chronische Wunden

Wundauflagen klug auswählen. So geht´s!

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Lesetipps
3D-Illustration einer Lunge mit Tumor.

© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Deutschland

Sterblichkeit wegen Krebs in nahezu allen Altersgruppen rückläufig

MFA und verärgerter Patient

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Tipps fürs Patientengespräch

Wie Sie schwierigen Patienten den Wind aus den Segeln nehmen