Ärzte Zeitung online, 23.05.2019

Video zum Ratespiel

Mensch oder Maschine – wer hat's gesagt?

Wie gut ist die Künstliche Intelligenz im Vergleich zum Menschen, was das Sprechen von Sätzen angeht? Zum Abschluss des Hauptstadtkongresses gab es ein Ratespiel. Sehen Sie im Video, wer sich besser geschlagen hat.

Von Rebekka Höhl

Das Wissensduell im Video

BERLIN. Fünf Minuten vor Spielstart: Die Zuschauer strömen langsam auf die Piazza, um einen der bunten Sitzwürfel zu ergattern. Der japanische Co-Moderator Roboter Pepper macht sich schon einmal mit Augenkullern und leichten Kopfdrehübungen warm. IGES-Chef Professor Bertram Häussler packt indes noch tatkräftig mit an und schiebt Sitzwürfel umher, um das Publikum nach deren Farbe schließlich in drei Gruppen einzuteilen: rot, blau und gelb.

Finale beim HSK. Ein Ratespiel zwischen Mensch und Maschine, initiiert vom IGES-Institut

Dann startet ein außergewöhnliches Wissensquiz: „Mensch gegen Maschine. KI or not KI?“. Selbst die ratende Prominenz aus dem Gesundheitswesen, Barmer-Chef Professor Christoph Straub, KBV-Chef Dr. Andreas Gassen und die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Dr. Doris Pfeiffer, erahnt noch nicht, was auf sie zukommt. An diesem Donnerstagnachmittag auf der Abschlussveranstaltung des Hauptstadtkongresses soll sich zeigen, inwieweit Künstliche Intelligenz (KI) bereits unser Denken beeinflusst.

Die virtuelle Lostrommel rotiert

Organisator Professor Bertram Häussler: Das kann KI inzwischen leisten

Das IGES-Institut hat über die gesamte Zeit des Kongresses einen Computer, der über einen KI-Algorithmus verfügt, mit den Inhalten und Statements des Kongresses gefüttert. Nun soll dieser Computer eigene Nachrichten aus dem Gelernten entwickeln. „Wir haben eine virtuelle Lostrommel mit thematisch sortierten Sätzen“, erläutert Häussler den prominenten Spielteilnehmern das Quiz.

„Nur etwa die Hälfte dieser Sätze stammt von uns“ – gemeint ist von realen Menschen auf dem Kongress. Der Rest ist KI-gemacht. Es geht nun darum, dass die drei Spieler mit Unterstützung des Publikums erraten, wer der Urheber ist: Die KI oder ein Mensch. Und ist es ein Mensch: Wer hat es dann gesagt?

Moderator Dr. Marc Kurepkat erklärt: So haben wir Pepper trainiert

Doch ehe die Quiz-Moderatoren Dr. Marc Kurepkat vom IGES-Institut und Roboter Pepper so richtig loslegen können, müssen sich die drei Spieler bewaffnet mit analogen Antwortkarten – schwarz steht für KI, weiß für Mensch – unter ihre Teams begeben. Straub prescht vor und schnappt sich das Publikum auf den roten Sitzwürfeln. KBV-Chef Gassen hat das Team blau und Doris Pfeiffer holt sich beim Team gelb Unterstützung.

Dann sagt Pepper auch schon die erste Fragerubrik an. Die lautet passend zum Quiz „Digitalisierung“. „Ich würde behaupten, dass ein überzogener Datenschutz jetzt und hier in Deutschland Leben gefährdet“, lautet der erste Satz. Es wird hitzig diskutiert in den Teams.

Während Gassen und Pfeiffer bereits ihre Antwortkarten zücken wollen, ist Straub noch unsicher und berät weiter mit dem Publikum. Da es keinen Touchscreen zum Einloggen der Frage gibt, müssen alle drei Spieler gleichzeitig die Karten hochhalten. Moderator Kurepkat zählt an: ein Einheitsvotum für eine menschliche Aussage. Das ist richtig. Der Satz stammt von Professor Roland Eils vom BIH-Zentrum für Digitale Gesundheit.

Beim Thema Krankenhaus sieht das Bild schon nicht mehr so einheitlich aus: „Ich wünsche mir, dass ich im Alter nicht von einem Roboter gepflegt werde“, lautet der Quiz-Satz. Das Team Gassen ist sich sicher, das muss ebenfalls von einem Menschen stammen, Team Straub und Team Pfeiffer sehen das anders, sie zücken die schwarze KI-Karte ... und haben recht.

Wie kann ein solcher Satz von der KI kommen, will auch Moderator Kurepkat wissen, die Schüler des Berliner Gymnasiums „Zum grauen Kloster“, die bei der Eröffnungsveranstaltung dabei waren, haben schließlich deutlich gesagt, dass der Roboter auf Kassenkosten eine attraktive Sache wäre.

IGES-Chef Häussler versucht sich an einer Erklärung: Die KI sei mit einer Vielzahl an Informationen trainiert worden und orientiere sich an den häufigsten Aussagen zum Thema Alter, Pflege und Roboter. Da finde sie mehr negative als positive Assoziationen. Stichwort fehlende Empathie.

Wie KI lernt, zu denken

Auch die nächste Fragekategorie „Gesundheits- und Krankenpflege“ zeigt, wie KI lernt. Die digitale Lostrommel wird erneut angeschmissen: „Der Pflegenotstand geht damit einher, dass Altenpflegerinnen und -pfleger vor allem in Ostdeutschland schlecht bezahlt werden“, lautet das Quiz-Statement. Die Teams sind sich unschlüssig.

Schlechtere Bezahlung in Ostdeutschland? So was muss doch eher ein menschliches Statement sein. Leider falsch, auch dieser Satz ist KI-gemacht. Der Pflegenotstand werde in den Nachrichten immer wieder mit Geld in Verbindung gebracht, erläutert Häussler, „so kommt die KI auf die Bezahlung“.

Das IGES-Institut bedient sich bei dem Projekt des Machine Learnings – und das nicht nur für dieses Quiz. Bislang werde der Wissensschatz, der sich in Texten und Publikationen verberge kaum gehoben. „Manchmal müssen wir tausende Publikationen für ein Projekt screenen.“ Eine Analyse, die künftig die KI übernehmen soll.

Und sie scheint es bereits zu können, wie sich diesen Donnerstagnachmittag zeigt. Mensch- und KI-gemachte Aussagen lassen sich nicht immer eindeutig voneinander unterscheiden. Aber einen Unterschied gibt es dann doch: die KI-Statements sind tatsächlich klarer sprachlich strukturiert.

Wanken zwischen Spaß und Nachdenklichkeit

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen, Dr. Doris Pfeiffer (Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands) und Barmer-Chef Professor Christoph Straub führten jeweils ein Publikumsteam an. Am Ende machte Straub das Rennen.

Gewinner des Quiz wird übrigens Team Rot ... vielleicht auch, weil Straub etwas bei den anderen Teams lauscht? „Wir wissen, wie man spielt“, sagt er scherzend. KI ist auf jeden Fall nicht immer eine todernste Sache.

Wie Mitspieler die Konkurrenz zur KI selbst wahrgenommen haben, zeigen die folgenden Videos.

KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen hatte Spaß: Warum wir nicht Erster wurden


Professor Heinz Lohmann war beeindruckt: Man musste schon sehr genau hinschauen
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